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Blechnet trifft ... ... auf schwerelose Leichtigkeit: Pegasus schwebt dank Draht

| Autor: M.A. Frauke Finus

Ein langes und biegsam geformtes Metall mit oft kreisförmigem Querschnitt ist ein: genau, Draht. Super dünn in Leitungen zum Übertragen elektrischer Signale oder ein fast meterdicker Durchmesser für die Seilbahn im Skigebiet – Draht kann viel, vor allem auch schön aussehen, zum Beispiel als Pegasus.

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Künstlerin Susanne Jörgen hat für ihre Pegasus-Skulptur behandelten Eisendraht gewählt.
Künstlerin Susanne Jörgen hat für ihre Pegasus-Skulptur behandelten Eisendraht gewählt.
(Bild: Jörgen)

Artus und die Ritter der Tafelrunde – ein sagenumwobener Mythos, den jeder schon mal von Oma oder Opa vorgelesen bekommen hat. Und wer hat nicht als Kind ein Krönchen aufgesetzt oder ein Schwert geschwungen? Ja, Kampfhandlungen wurden damals noch von Angesicht zu Angesicht und ohne jegliches technisches Gerät, sondern mit reiner Manneskraft ausgetragen. Was allerdings nicht weniger blutrünstig war. Um sich vor Verletzungen zu schützen, trugen die Ritter in Europa Kettenhemden. Ab dem 5. bis zum 14. Jahrhundert war das aus Eisendraht hergestellte Kettenhemd die wichtigste Schutzausrüstung von Kriegern. Dafür wurden Tausende von Drahtringen miteinander zu Kettenpanzern verflochten.

Die Ursprünge der deutschen Drahtherstellung im heutigen Sauerland. Insbesondere rund um die Stadt Altena, wo sich auch das einzige Drahtmuseum der Welt befindet. Denn hier waren schon im Mittelalter viele Drahtzieher angesiedelt. Man nutzte dort die Wasserkraft der zahlreichen Bäche, um die Ziehmaschinen anzutreiben. Die Dauerausstellung dort trägt den Namen „Vom Kettenhemd zum Supraleiter“ und bringt die Entwicklung der letzten Jahrhunderte bis hin zur heutige Bedeutung von Draht damit ziemlich gut auf den Punkt.

Künstlerisches Schaffen mit Draht – Zeichnen in der dritten Dimension

Doch Draht kann noch mehr. Er kann Basis sein, um sich künstlerisch auszudrücken. Die Macher des Drahtmuseums, die auch der Drahtkunst eine Ausstellungsfläche bieten, finden, dass Draht es in der Kunst möglich macht, dass Skulpturen fast schwerelos wirken. Kein Wunder also, dass auch Susanne Jörgen, Künstlerin aus Hamburg, für ihre Skulptur des fliegenden Pegasus, der Anfang des Jahres im Drahtmuseum gelandet ist, den luftig-leicht-schwerelosen Werkstoff Draht gewählt hat. Der Pferdekorpus besteht aus oberflächen-behandeltem Eisendraht und ist so vor Korrosion geschützt.

„Am Anfang meiner Arbeit stehen Skizzen und Zeichnungen. Dann forme ich aus Draht meine Skulpturen. Für mich ist das Zeichnen in der dritten Dimension“, sagt Jörgen. Doch nicht nur die Leichtigkeit, auch das Spiel von Licht und Schatten rund um ihre Drahtskulpturen beschäftigt die Künstlerin. „Kommt Licht mit ins Spiel, verdoppelt sich die Skulptur an den Wänden. Ihr Schatten aber erscheint weder flach noch dunkel, sondern wird erneut ein plastischer, lichtdurchwirkter Körper. Ab und zu verkehrt sich auch das Verhältnis zwischen der Skulptur und ihrem Abbild. Dann nimmt die Skulptur die Züge einer Zeichnung an und ihr Schatten wird zum dreidimensionalen Körper.“

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Über den Autor

M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com