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Japaner feiern 2017 Jubiläum 100 Jahre Mitsubishi: Gerne verkannter Avantgardist

| Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Kaum ein Autofan denkt an Mitsubishi, wenn von mutigen Pionieren der Motorisierungsgeschichte die Rede ist. Dabei sind die Japaner seit 100 Jahren technologische Vorreiter.

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So sah der Mitsubishi L200 im Jahr 1979 aus.
So sah der Mitsubishi L200 im Jahr 1979 aus.
(Bild: Mitsubishi)

Hätten Sie's gewusst? Ausgerechnet Mitsubishi, dieser unauffällig auftretende japanische Spezialist für biedere Kleinwagen, klassische Offroader und preiswerte Crossover zählt seit einem Jahrhundert zu den größten automobilen Avantgardisten. Ohne den Pioniergeist von Mitsubishi wären viele technische Erfindungen wesentlich später in Serie gegangen. Seit dem ersten, im Frühjahr 1917 vorgestellten Motorwagen wagen sich die Mitsubishi-Ingenieure auf technisches Neuland, obwohl damit nicht immer kommerzieller Erfolg verbunden ist.

So ging das Mitsubishi Modell A als erste asiatische Repräsentationslimousine in Serie – ungeachtet der Tatsache, dass es im Kaiserreich statt Straßen nur Pfade in katastrophalem Zustand gab. Entsprechend gering war die Nachfrage nach Pkw, was auch Mitsubishi merkte, sich davon aber nicht entmutigen ließ.

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100 Jahre Mitsubishi
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Der zweite Pkw, der 1934 präsentierte Mitsubishi PX-33, nahm vielmehr all das vorweg, was heute angesagt ist: Crossover-Charakteristik mit Allrad und effizientem Diesel. Trotzdem verdiente Mitsubishi zunächst wenig Geld durch die 4x4-Vorreiterrolle und wurde international unterschätzt. Zumal die Japaner erst 1970 in einem Joint-Venture mit Chrysler auf alle wichtigen Weltmärkte expandierten. Seit 1977 ist Mitsubishi auch in Deutschland präsent und überrascht seitdem mit vielfältigen Vorreitern wie den ersten Vans, Benzindirekteinspritzern, Großserien-Stromern und Plug-in-Hybriden.

Wie kommt es bei Mitsubishi zu diesem Mix aus mutigem Vorpreschen, dem Ertragen von Niederlagen und einer zurückhaltenden Selbstdarstellung, die nur dann aufgegeben wird, wenn etwa ein weiterer Rallyesieg in Dakar oder bei der WRC nach einer Champagnerdusche ruft?

Begründet wurde diese Unternehmenspolitik 1870, als der Kaufmann Yataro Iwasaki ein Schifffahrtsunternehmen zur Keimzelle des wenig später weit verzweigten Mitsubishi-Imperiums machte. Iwasaki war Nachkomme eines Samurai und fühlte sich den Tugenden der Samurai entsprechend verbunden. Allen voran Yu, dem Geist des Wagens und Ertragens. Tatsächlich wurde Mitsubishi durch wagemutige Entscheidungen in Asien bis 1918 führend in Schiffbau und Schwerindustrie, eine Position, die Yataros Neffe und Nachfolger Koyata Iwasaki mit dem Modell A auch in der Pkw-Produktion einnehmen wollte. Ein ambitioniertes Vorhaben, das der Familie Iwasaki trotz aller technischen Geniestreiche nicht gelang.

Investitionen in neue Technologien

Statt Pkws waren es Pick-ups und andere Nutzfahrzeuge, mit denen Mitsubishi schon ab den 1920er Jahren auf der Straße des Erfolges unterwegs war. Zwei Mal gab es sogar Regierungsaufträge, die Geld in die Kassen spülten, das der Hersteller dann – typisch Mitsubishi - in die Entwicklung neuer Technologien investierte. So trieben 1923 Mitsubishi Lastwagen den staatlichen Wiederaufbau des von einem Erdbeben zerstörten Landes voran und nur acht Jahre später präsentierte die Marke den ersten japanischen Dieselmotor als Direkteinspritzer.

Anfang der 1950er Jahre erhielt Mitsubishi den öffentlichen Auftrag zur Ausstattung der nationalen Behörden mit Allradfahrzeugen. Es war der Startschuss für die Lizenzproduktion von Jeep-Modellen und der Auslöser für die Entwicklung der eigenständigen Offroad-Baureihe Pajero, die ab 1983 mit zwölf Dakar-Siegen wie kein anderer Geländewagen Rallyegeschichte schrieb und bis heute zu den Offroad-Urgesteinen zählt.

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