Japaner feiern 2017 Jubiläum

100 Jahre Mitsubishi: Gerne verkannter Avantgardist

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Überhaupt die 4x4-Modelle. Mit Allradlern eroberte die Marke mit dem Logo der drei Diamanten immer wieder neue Ufer. Nachdem Mitsubishi im Nachkriegs-Japan zu einem der erfolgreichsten Hersteller von Mini-Pick-ups aufgestiegen war, führte die 1970 gestartete Kooperation mit Chrysler zu Mittelklasse-Pick-ups im SUV-Stil, die sich als globale Bestseller Respekt verschafften. Seit 1993 zählt der Mitsubishi L200 auch in Deutschland zu den Pionieren unter den Pick-ups mit Allradantrieb und effizientem Dieselmotor.

Weltweit konnte Mitsubishi vom L200 inzwischen über 4,5 Millionen Einheiten verkaufen, auch im Umfeld anderer Ikonen wie Toyota Hilux und Nissan Navara eine Ansage. Dagegen fand Mitsubishi 1999 mit dem kompakten Pajero Pinin keine passende Antwort auf frühe Lifestyle-SUV wie den Toyota RAV4. Dabei trug der Pinin sogar feine Kleider der namensgebenden italienischen Carrozzeria Pininfarina und der weltweit erste Großserien-Benzindirekteinspritzer sicherte eine Effizienz fast wie bei einem Diesel. Es nützte nichts, eine Erfahrung die der wenig gefragte Pajero Pinin mit dem fast zeitgleich lancierten Pajero Sport teilte, der die Hardcore-Technik des L200 mit besonders schickem Design kaschierte.

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Den Nerv des Zeitgeistes traf Mitsubishi erst wieder mit dem Outlander, ein SUV, der in 2007 vorgestellter, zweiter Generation auch den Schwestermodellen Peugeot 4007 und Citroën C-Crosser seine aufwendige Allradtechnik zugutekommen ließ. Der Outlander stand auch für Aufbruchstimmung im Unternehmen, die nach einer gescheiterten Allianz von Mitsubishi Motors mit Daimler Chrysler (2002 bis 2005) frische Motivation vermittelte.

Eine Motivation, die Mitsubishi animierte, sich einmal mehr neu zu erfinden. Den von Toyota gesetzten Hybrid-Trend hatte Mitsubishi zwar nicht mitgemacht, stattdessen setzte die Marke ab 2010 auf E-Mobilität in Stromern, wie sie die Konkurrenz so noch nicht gesehen hatte. Die Speerspitze bildete der i-MiEV – später schlicht Electric Vehicle genannt – der als erster winziger Kleinstwagen-Viertürer in Massenproduktion ging und sogar mit Citroën- und Peugeot-Logos ins Portfolio der PSA-Marken übernommen wurde. Dabei basiert das Electric Vehicle auf einem konventionellen Kei-Car-Mini, dem 2006 eingeführten Mitsubishi i. Schließlich verstand sich Mitsubishi über Jahrzehnte auch in Europa als Vollsortimenter, der klassische Pkw vom kleinen Colt über die mittelgroßen Galant und Lancer bis hin zu Sportcoupés wie Eclipse und 3000 GT im Programm hatte.

Vierradlenkung, Turbo und Co.

Modelle, die der europäischen Konkurrenz technisch oft eine Wagenlänge voraus waren. Sei es durch die heute angesagte Vierradlenkung, die schon 1988 im Galant GTi 16V Dynamic 4 debütierte, die Turbo-Technologie, die Mitsubishi ab 1981 als erstes Unternehmen überhaupt in der kompletten Pkw-Palette anbot oder die 1977 realisierte Silent-Shaft-Prinzip mit zwei Ausgleichswellen für laufruhige Vierzylinder, die Mitsubishi als Lizenz an Porsche, Volvo, Saab und Lancia weitergab.

Nicht zu vergessen die Idee des Vans. Viele wollen hier Vorreiter gewesen sein, Mitsubishi nimmt dies nicht für sich in Anspruch, schuf stattdessen Realitäten. Noch vor dem Renault Espace eroberte der Mitsubishi Space Wagon 1983 Europas Straßen und mit den ergänzenden Typen Space Runner, Space Gear und Space Star schufen die Japaner die erste komplette Raumflotte. Vor Abstürzen schützten aber auch diese Trendsetter nicht.

Mit E-Mobilen will Mitsubishi zum 100. Geburtstag neue Größe gewinnen. Gelingen soll dies in Allianz mit Renault-Nissan und mit technischen Avantgardisten wie dem Plug-in-Hybrid Outlander.

Der Beitrag erschien zuerst auf unserer Schwesterseite KFZ-Betrieb.

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