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Unternehmensbewertungen

3 Gerichtsurteile zum umstrittenen Scoring-Verfahren

| Redakteur: Florian Stocker

Unternehmensbewertungen und Scoringverfahren beschäftigten schon öfter die Gerichte.
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Unternehmensbewertungen und Scoringverfahren beschäftigten schon öfter die Gerichte. (Bild: D.A.S.)

Müssen Firmen das Urteil von Auskunfteien und Rating-Agenturen akzeptieren? Diese bringen oft das „Scoring-Verfahren“ zur Anwendung. Doch woher weiß man, dass die Bewertungen auch Hand und Fuß haben? Muss ein Unternehmer eine schlechte Bewertung immer auf sich sitzen lassen? Diese drei Gerichtsurteile zum Thema „Unternehmensbewertungen“ zeigen, dass es auch anders laufen kann.

Fall 1: Schlechte Bewertung frei erfunden

Eine Einzelkauffrau war seit 1996 in ihrer Branche tätig und ihren Lieferanten niemals Geld schuldig geblieben. Eines Tages fiel die Frau aus allen Wolken: Ein Geschäftspartner verlangte plötzlich Vorkasse. Als Grund gab er an, dass eine über die Kauffrau eingeholte Unternehmensauskunft ein hohes Zahlungsausfall-Risiko ergeben habe. Die Frau ließ sich die Information geben, und tatsächlich: Eine Auskunftei hatte ihr den höchstmöglichen Risikoindikator erteilt und bei Geschäften die Stellung von Sicherheiten empfohlen. Die Kauffrau erhob Unterlassungsklage. Vor Gericht erwies sich, dass der Risikoindikator aufgrund von vier Faktoren ermittelt worden war: Rechtsform, Branche, Standort und Diversifizierung. Als negativ beurteilte die Auskunftei die ersten beiden. Das Oberlandesgericht Frankfurt erklärte dazu: In zwei erteilten Auskünften habe das Unternehmen den Risikoindikator unterschiedlich angegeben, dies sehe nach Willkür aus. Auch habe es in beiden Auskünften verschiedene Branchen angegeben. Die Branchenzugehörigkeit sei offenbar nicht sicher bekannt gewesen. Die Auskunftei habe die Klägerin alleine deshalb negativ bewertet, weil sie eine (im Handelsregister eingetragene) Einzelkauffrau und keine Kapitalgesellschaft sei. Dies entbehre jeder Logik, da haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaften wie etwa eine GmbH gerade nicht kreditwürdiger seien als persönlich haftende Kaufleute. Als unsinnig sah das Gericht auch die Argumentation der Auskunftei an, dass das Nichtvorliegen von Bonitätsinformationen auf eine schlechte Kreditwürdigkeit schließen lasse. Dem Gericht zufolge hätte die Auskunftei hier zugeben müssen, nichts zu wissen. Alles in allem sei die äußerst negative Bewertung „ohne jede sachliche Basis“ erfolgt. Der Unterlassungsanspruch war damit begründet.

OLG Frankfurt a.M., Urteil vom 07. April 2015, Az. 24 U 82/14

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