Deeskalation 3 Tipps für einen gelasseneren Arbeitsalltag

Autor / Redakteur: Heidi Prochaska / Melanie Krauß

Frust im Job kennt wahrscheinlich jeder. Gelegentlich führt das zu schlechter Stimmung im Team oder sogar Konflikten. Wir verraten Ihnen, wie sie es gar nicht erst soweit kommen lassen.

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Schlechte Stimmung und Frust im Büro? So vermeiden Sie, dass die Situation eskaliert.
Schlechte Stimmung und Frust im Büro? So vermeiden Sie, dass die Situation eskaliert.
(Bild: ©Nomad_Soul - stock.adobe.com)

Jeder von uns hat eine sehr klare Vorstellung davon, was gut und richtig ist. Trotzdem schützt uns dieses Wissen nicht vor Auseinandersetzungen. Das erfahren wir tagtäglich im Job, als Chef oder Mitarbeiter, im Kundenkontakt oder intern. Kennen Sie diese Situationen?

  • Obwohl Herr Johann es schon tausend Mal angeprangert hat, werden Besprechungen immer überzogen – ob online oder präsent. Hier wird jede Menge Zeit verschwendet, die er viel besser nutzen könnte. Das kann doch nicht gewollt sein!
  • Das Angebot erfüllt perfekt die Kundenbedürfnisse. Trotzdem meckert der Kunde und versucht, den Preis zu drücken. Wieso glauben eigentlich immer mehr Kunden, dass ihnen das zusteht?
  • Trotz interner Regelungen bleiben gewisse Fleißarbeiten immer bei denselben Personen hängen. Gleicher Einsatz für alle? Fehlanzeige! Und fast immer sind es die gleichen, die diese Arbeit geflissentlich abdrücken.
  • Obwohl die neue Kollegin die ganze Arbeit gemacht hat, verbucht der Abteilungsleiter den kompletten Erfolg auf sich. Ihren Frust bekommt er gar nicht mit.

Geht es Ihnen manchmal ähnlich? Fallen Ihnen sofort eigene Beispiele ein, die Sie ärgern? Sich darüber aufzuregen, ist Ihr gutes Recht. Sie dürfen sich ärgern. Wer von uns ist nicht empört über Ungerechtigkeit. Wenigstens gedanklich könnten wir manchmal vor lauter Wut die eine oder andere kleine Bombe werfen.

Druck herausnehmen ist Deeskalation

Und schon stecken wir mitten drin – im Thema der Deeskalation, was so viel bedeutet wie Druck herausnehmen. Denn die Zustimmung, dass Ihre Empörung nachvollziehbar ist, löst erste Spannungen. Selbst, wenn es immer noch unfair ist, sind Sie mit Ihrer Wut nicht mehr allein. Sie bekommen Bestätigung und Verständnis. Auch andere würden sich über diese Verhaltensweisen aufregen. Das beruhigt uns und befriedigt unser tief in uns verankertes Bedürfnis, recht haben zu wollen.

So, wie ich das jetzt mit Ihnen gemacht habe, können Sie das auch mit Ihren Kunden, Kollegen oder Mitarbeitern tun. Bestätigen, Abnicken und Verständnis formulieren nimmt den ersten Druck raus. Erst, wenn wir das Feuer der Aufregung heruntergekühlt oder sogar gelöscht haben, können wir schauen, wie viel vom Problem tatsächlich noch übrig ist.

Manchmal reicht Zustimmung völlig aus. Denn: Zustimmung ist Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit ist Wertschätzung. Und Wertschätzung, das wissen wir, ist das, was im Unternehmensalltag und im Kontakt mit Kunden noch wichtiger ist als ein hohes Gehalt oder ein billiges Produkt.

Die Position der Stärke

Mit diesen Techniken können wir als Angegriffener die Situation wieder entspannen und lenken. Wer deeskalieren kann, ist immer in der Position der Stärke. Dabei gilt: Je besser es uns persönlich geht, desto souveräner können wir deeskalierend reagieren. Ergo hat das Kümmern um uns selber nicht nur etwas mit Work-Life-Balance zu tun, sondern ist auch ein echter Sicherheits-Tipp, frei nach dem Motto „genervte Krieger gewinnen keine Schlachten“. Je früher Sie beginnen, sich auf das tägliche Geschäft einzustimmen, desto besser. Schenken Sie sich selbst wohlwollende Aufmerksamkeit. Und sorgen Sie für sich.

Im folgenden präsentieren wir Ihnen drei Tipps für einen gelassenen Arbeitsalltag:

Tipp 1: Führen Sie schwierige Gespräche nur ausgeschlafen und satt!

Schlafmangel macht uns auf Dauer gereizt. Wir werden dünnhäutig und nehmen Aussagen unserer Kunden oder Kollegen viel zu schnell persönlich. Schnell gibt ein Wort das andere und aus dem ehemaligen Gesprächspartner wird ein unangenehmer Gesprächsgegner. Die Positionen verhärten sich. Sind Sie dann auch noch getrieben von Hunger, ist Ihre Souveränität futsch. Weil es Ihrem Gesprächspartner ähnlich geht, sollten Getränke zur Gesprächsgrundausstattung gehören. Ob Sie weitere Leckereien anbieten, ist abhängig von Ihren Möglichkeiten und Ihrer Gesprächszielsetzung.

Tipp 2: Aktivieren Sie bereits vor Arbeitsbeginn Ihre professionelle Freundlichkeit!

Es mit Freundlichkeit zu übertreiben, kommt nicht gut an. Das kennen Sie wahrscheinlich. Denn aufgesetzte Freundlichkeit ist noch schlimmer als fehlende. Aber ein leichtes Lächeln empfinden die meisten Menschen als sehr angenehm. Dem einen oder anderen ist es nicht in die Wiege gelegt worden, freundlich zu gucken. Da hilft nur Training. Eine Minute die Mundwinkel hochzuziehen, ist eine sehr effektive Übung. Sie sehen danach nicht nur freundlicher aus, Sie fühlen sich auch besser. Wer Freundlichkeit ausstrahlt, zieht definitiv weniger Konflikte an.

Tipp 3: Starten Sie den Tag mit einer Morgenroutine

Routinen sind Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten. Zu viel Unsicherheit zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Routinen geben dann Halt. Starten Sie den Tag mit einer Morgenroutine wie zum Beispiel die Lächeln-Übung, 20 Liegestützen, 10 Minuten auf dem Heimtrainer, Dehn- oder Atemübungen. Hauptsache, es ist eine kleine Aufgabe, die ein täglich wiederholbares, erstes Erfolgserlebnis liefert.

Erfolg bedeutet in diesem Zusammenhang: Sie tun es einfach, ohne Wenn und Aber. Machen Sie Abläufe immer gleich, ohne darüber nachdenken zu müssen. Über Monate eingehaltene Routinen machen Sie nicht nur stolz, sondern auch sicher. Sie können sich auf sich selbst verlassen.

So nehmen Sie den Druck raus

1. Recht geben statt recht haben wollen
2. Interesse für andere bleibt in bester Erinnerung
3. Genervte Krieger gewinnen keine Schlachten
4. Freundlichkeit schlägt Unhöflichkeit 1:0
5. Satte Menschen schimpfen seltener
6. Routinen stabilisieren in unsicheren Zeiten
7. Weniger reden ist oft mehr
8. Eine Prise Humor kann hilfreich sein

Ein Prise Humor

Sind Sie dann gut drauf, kann in herausfordernden Situationen auch schon mal eine Prise Humor helfen – am besten auf eigene Kosten. Stellen Sie sich vor, der Geschäftsführer sagt in einer angespannten Besprechungssituation: „Ich glaube, manchmal hat meine Frau doch recht, wenn sie zu mir sagt: ‚Harald, wo hast du nur deinen Kopf!'“

Der Umgang mit Ungerechtigkeiten, verlangt uns einiges ab. Daher machen Sie sich fit für die Zukunft und reduzieren Sie durch mehr (Selbst-)Sicherheit und Deeskalation den Druck für sich selber und für andere!

* Heidi Prochaska ist Autorin, Trainerin, Coach und Geschäftsführerin bei der Ändere-Dich GmbH in 70567 Stuttgart, Tel. 0172 5406226, prochaska@aendere-dich.de, www.aendere-dich.de

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