Mobile Instandhaltung 5 Gründe, die für einen Low-Code-Ansatz sprechen

Autor / Redakteur: Christoph Garms* / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Weniger Papier und alles automatisiert über eine App gewartet. So sollte kostengünstige Digitalisierung sein. Dabei hilft der Low-Code-Ansatz, mit dem sich Anwendungen mit geringen Programmierkenntnissen entwickeln und in die IT integrieren lassen.

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Low-Code-Ansatz: Auch mit wenigen Programmierkenntnissen lassen sich vernetzte Apps erstellen.
Low-Code-Ansatz: Auch mit wenigen Programmierkenntnissen lassen sich vernetzte Apps erstellen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Stellen Sie sich vor, dass ganze Werke und Maschinenanlagen zu 100 Prozent mobil und ganz ohne Papier gewartet werden. Diese Vorstellung ist kein Wunsch für die Zukunft, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Die Industrie muss vorangehen und überall digitalisieren wo es möglich ist, um Medienbrüche bei der Wartung abzuschaffen und eine reibungslose und effiziente Produktion mit möglichst wenig Ausfällen zu gewährleisten. Die Instandhaltung zu mobilisieren, ist unglaublich wichtig für den Unternehmenserfolg und bringt auf Basis moderner Technologien umgesetzt viele Vorteile: Digitalisierung der Instandhaltungs-Abwicklung und Dokumentation, Flexibilität bei Endgeräten und Einsatzorten ohne Netzabdeckung (offline) und die Verringerung von Stillstandszeiten.

Zum Beispiel ein deutscher Mittelständler, der SAP-PM-Prozesse verwendet. Mit gezielten mobilen Applikationen lassen sich SAP-Prozesse schnell und kostengünstig digitalisieren und dafür komplett auf aufwendige Schritte und vor allem auf Papier verzichten. Der gesamte Wartungsprozess ist damit in der IT-Landschaft integriert. Der Instandhalter ist nun in der Lage, Fehlermeldungen am Einsatzort anzulegen (online und offline), Equipments einfach zu identifizieren und mit historischen Informationen anzureichern. Auch neue Technologien können ins Auge gefasst werden, wie zum Beispiel der Einsatz von Datenbrillen oder Augmented Reality (AR), die einem Techniker ein effizienteres Arbeiten mit beiden Händen dank Spracherkennungssoftware ermöglichen.

Schleppende Digitalisierung und der Low-Code-Ansatz

Soweit die Theorie. Ist der Digitalisierungsprozess bereits eingeleitet, geschieht er noch lange nicht schnell und konsequent genug. Mögliche Gründe können sein:

  • Kostendruck,
  • zunehmender Wettbewerb und
  • aktuell auch die drohenden Auswirkungen der Pandemie.

Sie alle lasten schwer auf den Schultern der produzierenden Industrie. Hierfür bietet der sogenannte Low-Code-Ansatz die passende Lösung für IT und Anwendung. Zum einen, um beide Abteilungen zu entlasten und zum anderen, um in der Digitalisierung einen Schritt weiterzukommen. Laut einer Gartner-Studie wächst die Nachfrage durch das „Zusammenspiel aus digitalen Disruptionen, Hyperautomatisierung und der Aufstieg von Composable Business“ rasant. Die Anbieter von Rapid Application Development (RAD) ermöglichen es Unternehmen, mit wenig bis gar keinen Programmierkenntnissen schnell eigene Desktop- oder mobile Anwendungen zusammenzustellen. Fünf Gründe zeigen, wie der Low-Code-Ansatz die mobile Instandhaltung vorantreiben kann:

1. Low-Code-Entwicklungsplattformen fördern crossfunktionales Projektmanagement Mittelständische Unternehmen kennen das: Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachabteilungen brauchen neue Produkte, Tools oder Plattformen und gehen mit ihren Wünschen zur IT. Doch selbst mit den richtigen Programmierkenntnissen können die Entwickler mit der Nachfrage nicht mithalten. Je nach Anforderung, vorhandenen Skills und Zeitplan brauchen Unternehmen daher ein wenig Hilfe bei der Mobilisierung. In der Regel verfügen Unternehmen jedoch schon über alle erforderlichen Kenntnisse und Daten, die sie benötigen. RAD-Plattformen liefern also den passende Tool-Mix zwischen Eigenentwicklung, Template-Apps und fertigen Lösungen. Das allein reicht aber noch nicht. Damit effizientere Geschäftsprozesse entstehen, erfordert es eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT-Teams.

Ein Low-Code Ansatz kann dabei helfen, die Lücke zu schließen und IT und Business zusammen zu bringen. Low-Code benötigt weniger Programmierkenntnisse und macht komplexe Infrastrukturen für alle Mitarbeiter greifbar – zum Beispiel mit Template-Apps. Die Business-Entwickler, also die Fachexperten aus der Geschäftsebene, können nun Teil des Entwicklungsprozesses sein, sodass IT-Mitarbeiter ein besseres Verständnis für die geschäftlichen Anforderungen bekommen. Der Business-Entwickler nutzt seine Erfahrung, um den Rahmen der App zu entwerfen, während die IT-Teams, falls das nötig sein sollte, immer noch auf dem Code zugreifen können, um diese zu verbessern. Generell verändert sich die Rolle der IT stark. Vom operativen Arm der Geschäftsseite sind Entwickler oder IT-Manager nun viel stärker in strategische Entscheidungen eingebunden und führen die Prozessdigitalisierung an.

2. Freie Auswahl bei den Endgeräten und Betriebssysteme Mobile Geräte und Applikationen sind im Alltag allgegenwärtig. Warum sie also nicht auch für die Instandhaltung nutzen? Derart aufwendige Prozesse mit Papier und Stift auszuführen, ist veraltet und sehr fehleranfällig. Wir sagen, es ist an der Zeit, sie auf eine App auf einem Smartphone oder Tablet zu verlagern. Aber dann kommt die nächste Frage: Für welche Geräte oder Betriebssysteme sollen wir diese Applikationen entwickeln? Vielen fällt es noch schwer für iOS, Android und Windows parallel zu entwickeln. Der hybride Low-Code-Ansatz ist daher ein großer Pluspunkt, denn er ermöglicht eine freie Auswahl bei Endgeräten. Anwendungen werden einmal entwickelt und können dann für alle Betriebssysteme paketiert werden. Native Gerätefunktionen wie Barcode Scanner und Kamera lassen sich einfach in die Anwendungen integrieren.

Beim Thema Web- oder Native-Anwendung geht die Tendenz ganz klar in Richtung Webanwendungen. Die Covid-19 Krise hat uns allen gezeigt, wie wichtig ortsunabhängiges Arbeiten geworden ist. Nutzer wollen ihre Anwendungen von überall und auf jedem Gerät nutzen. Dies ist mit nativer Software nur mit extrem hohem Aufwand umsetzbar. Webanwendungen werden bei der Bereitstellung einfach per URL aufgerufen. Mit einer Entwicklungsplattformen wie der Neptune-DX-Platform lassen sich solche Anwendungen also schnell in eine Progressiv-Webanwendung umwandeln und so auch direkt auf allen Endgeräten installieren. Damit entfällt auch der manuelle Aufruf einer URL. Das Beste an ist, dass Updates automatisch vom Server gezogen werden. Jedes Mal, wenn der Nutzer, die App öffnet ist sie auf dem aktuellen Stand.

3. Geringer Zeit- und Kostenaufwand Bei der Mobilisierung der Instandhaltung zählen wie überall Zeit und Geld. Durch eine Low-Code-Plattform wird der Entwicklungszeitraum funktionaler Apps von mehreren Monaten auf wenigen Wochen gekürzt. Die Plattform baut auf der bestehenden Infrastruktur auf und erweitert diese. Somit können Anwendungen mit geringem Aufwand und in kurzer Zeit pilotiert werden. Erste Prototypen werden schon nach wenige Wochen getestet, bewertet und verbessert.

Aufgrund des Kostendrucks in allen Branchen, steigender Wartungsanfragen und Anwenderzahlen suchen Unternehmen vermehrt nach erschwinglichen, einfach zu bedienenden und flexiblen Anwendungen. So konnte zum Beispiel Vattenfall mit der Einführung mobiler Applikationen für den Auftrags- und Meldungsmanagement, Checklisten und Wartungsanweisungen, den Informationsaustausch mit den Arbeitern im Feld verbessern, die SAP-Prozesse verschlanken und die Kosten für Wartung und Instandhaltung senken. In der Praxis wurden die ersten Anwendungen bereits nach wenigen Wochen in zwei Windparks getestet und später dank des Feedbacks der Anwender standortübergreifend implementiert.

4. Online- und Offline-Usability Ein weiteres Argument für den Low-Code-Ansatz ist die Bereitstellung aller aktuellen und relevanten Auftragsdaten, egal ob online oder offline. Diese Funktion ist wichtig, unter anderem um Medienbrüche zu vermeiden, beispielsweise für die Mitarbeiter, die vor Ort an großen Maschinenanlagen oder Offshore-Standorten arbeiten. In diesem Fall müssen sie in der Lage sein, auch ohne Verbindung auf Daten zuzugreifen und Rückmeldungen zum Wartungseinsatz zu geben.

Damit Instandhalter offline auf Daten zugreifen und diese mit ihren Informationen synchronisieren können, wird ein digitales Ökosystem benötigt, das durch eine offene Informationskette geprägt ist. Der Vorteil dieser hybriden Online-Offline-Infrastruktur liegt also darin, Transparenz zu unterstützen, Doppelarbeit und vor allem Fehler zu vermeiden. Mithilfe dieses Ansatzes konnten viele Firmen tatsächlich ihren gesamten Instandhaltungsprozess beschleunigen und die Zufriedenheit der Anwender erhöhen.

5. Individuelle Apps für jedes Nutzungsszenario Die vorherigen zwei Punkte bringen uns zum letzten Argument, wie Low-Code die Mobilisierung der Instandhaltung unterstützt. Diese Anwendungen bauen auf verschiedenen internen Softwares und Tools auf, die bereits zur Verfügung stehen, um sie in einer Anwendung zu vereinen. Aber eine einzige App zu erstellen, um einen kompletten Prozess zu mobilisieren, ist eher kontraproduktiv. Die Aufteilung von Prozessen in mehrere Anwendungen, ermöglicht es Unternehmen, sich auf jeden einzelnen Prozess zu konzentrieren und Anwendungen zu erstellen, die wirklich benötigt werden. Das ist der sogenannte Launchpad-Gedanke: so werden schlanke Apps für Teilprozesse entwickelt, die sich untereinander aufrufen und Daten übergeben.

Auf diese Weise kann ein Rückmeldeprozess auf dem Wartungsauftrag abgebildet werden. Darüber hinaus können individuelle Apps für andere Benutzergruppen bereitgestellt werden. Ob für die Erfassung von Fotos und Messwerten, Statusänderungen, Rückmeldungen, Serviceberichte, Formulare und Checklisten, Materiallogistik – diese Apps können einfach extrahiert und für andere Szenarien wiederverwendet werden.

Ein Fazit und Beispiele für Erfolge

Der Schritt von der analogen zur mobilen Instandhaltung ist für die unterschiedlichsten Branchen wichtig und notwendig. Nicht nur, um Prozesse intern zu digitalisieren und Teams dem aktuellen Zeitalter näher zubringen, sondern um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur so können mittelständische Unternehmen in den kommenden Jahren auf ihren eigenen Märkten und international an der Spitze bleiben.

Erfolgsgeschichten wie Infraserv Höchst, der Maschinenbauer Hauni, der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH oder Vattenfall sind auch ein Beweis dafür, dass mobile Instandhaltung sich problemlos mit der gesamten Digitalisierungsstrategie synchronisieren lässt. Im Fall von Infraserv Höchst konnte der Industriepark in Frankfurt am Main dank Neptune Software den Entwicklungsaufwand durch 22 Applikationen auf allen gängigen Betriebssystemen um 70 Prozent reduzieren, den Einrichtungsaufwand um 80 Prozent und die Durchlaufzeit der Wartungs- und Inspektionskette um weitere 40 Prozent senken. Dies hat das Unternehmen auch dazu gebracht, neue Technologien wie eine digitale Datenbrille einzuführen, die bis heute die weltweit erste komplette SAP integrierte Lösung ist.

* Christoph Garms ist Geschäftsführer Neptune Software Deutschland.

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