Hintergründe zur Übernahme ABB attackiert Siemens

Redakteur: Sebastian Hofmann

Gestern hat ABB die Übernahme des österreichischen Automatisierungsunternehmens B&R bekanntgegeben. Durch den Kauf soll das Angebotsportfolio des Schweizer Technologieentwicklers vervollständigt werden. Die Konkurrenz zum Marktführer Siemens wird dadurch deutlich verschärft.

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ABB investiert jährlich etwa 1,5 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung. Dadurch will man das wachsende Marktsegment in der Maschinen- und Fabrikautomation besser ausschöpfen.
ABB investiert jährlich etwa 1,5 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung. Dadurch will man das wachsende Marktsegment in der Maschinen- und Fabrikautomation besser ausschöpfen.
(Bild: ©Luca Siermann ABB)

Am Dienstagmorgen hat ABB die Übernahme des mittelständischen Konzerns B&R verkündet. Gerade in den Bereichen speicherprogrammierbare Steuerung und Interprozesskommunikation soll damit das Angebot des Schweizer Unternehmens ausgebaut werden. ABB wird zum Komplettanbieter für Industrieautomation.

Analysten loben die Übernahme als klugen, strategischen Schachzug. ABB habe bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass man übernommene Unternehmen integrieren könne und zu strikter Kostendisziplin in der Lage sei, meint Aktienanalyst Panagiotis Spiliopoulos. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll der Kaufpreis etwa 2 Mrd. US-Dollar betragen haben. Die Anleger reagierten positiv. Am Vormittag stieg die Aktie um fast einen Prozentpunkt.

Industriemagnat trifft auf privat geführten Mittelständler

Dennoch kommt der Deal für viele überraschend. Es ist zumindest nicht alltäglich, dass sich ein mittelständisches Unternehmen wie B&R, seinerseits auf Platz 5 im Bereich Fabrikautomatisierung, von einem Industriegiganten wie ABB übernehmen lässt. Das Österreicher Unternehmen wurde 1979 gegründet und ist weltweit in über 70 Ländern aktiv. Mit mehr als 3000 Mitarbeitern, einem Umsatz von rund 600 Mio. US-Dollar und einem durchschnittlichen Wachstum von 11 % pro Jahr ist B&R bereits überaus erfolgreich.

Von der Übernahme verspreche man sich jedoch eine zusätzliche Erhöhung des Wachstumstempos, heißt es von Unternehmensseite aus. Man wolle sich dazu die globale Präsenz, das digitale Angebot und ergänzende Strukturen von ABB zu Nutze machen. In spätestens 5 Jahren soll so die Umsatzmarke von einer Milliarde US-Dollar geknackt werden.

ABB zielt auf Siemens

Mit dem Übernahmedeal rückt ABB dem Marktführer Siemens weiter auf die Fersen. Der 1988 gegründete Schweizer Konzern stand nicht zuletzt durch den Finanzinvestor Cevion unter Druck, höhere Gewinne für die Aktionäre zu erwirtschaften. Gemeinsam mit B&R beträgt der Jahresumsatz des Unternehmens nun rund 15 Mrd. US-Dollar. Man wolle durch den Zusammenschluss innerhalb der nächsten 4 Jahre 8 % des Umsatzes von B&R einsparen, gab ABB bekannt. Das sind rund 50 Mio. US-Dollar pro Jahr.

Indes sollen B&R Mitarbeiter nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen, heißt es weiter. Der Hauptsitz der österreichischen Firma in Eggelsberg soll zum globalen Zentrum für Maschinen- und Fabrikautomation werden. Generell seien Entlassungen im Hinblick auf das Wachstum von 4 % bis 5 % im Marktsegment für Maschinen- und Fabrikautomation nicht zu erwarten.

Die wichtigsten Details zur Übernahme erfahren Sie in diesem Artikel.

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