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ABB ABB beschleunigt Neuausrichtung

| Redakteur: Stefanie Michel

ABB startet die zweite Stufe seiner im letzten Jahr angekündigten Next-Level-Strategie mit einer Neuausrichtung der Divisionen. Im Zuge dessen plant der Konzern Kosteneinsparungen im Angestelltenbereich in Höhe von einer Milliarde US-Dollar sowie Freisetzung von Barmitteln von zwei Milliarden US-Dollar zu erzielen.

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ABB will bis Ende 2017 1 Milliarde US-Dollar im Angestelltenbereich einsparen – zusätzlich zu den bereits laufenden jährlichen Einsparungen von 3 bis 5 % der Umsatzkosten.
ABB will bis Ende 2017 1 Milliarde US-Dollar im Angestelltenbereich einsparen – zusätzlich zu den bereits laufenden jährlichen Einsparungen von 3 bis 5 % der Umsatzkosten.
(Bild: ABB)

Vor einem Jahr hat ABB seine Next-Level-Strategie vorgestellt, die sich für den Zeitraum 2015-2020 eine beschleunigte nachhaltige Wertschöpfung zum Ziel gesetzt hat. Man setzte die strategischen Schwerpunkte auf profitables Wachstum, konsequente Umsetzung und bereichsübergreifende Zusammenarbeit und peilte eine jährliche Steigerungsrate des operativen Gewinns pro Aktie (EPS) um 10-15 % an. Wie Ulrich Spiesshofer, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB, 2014 erklärte, sollten diese Veränderungen in sogenannten „1000-Tage-Programmen“ vorangetrieben werden.

Jetzt startet ABB die zweite Stufe seiner Next-Level-Strategie mit einer Neuausrichtung der Divisionen. Ziel sei es, den Kundenanforderungen noch besser und zielgerichteter gerecht zu werden und dadurch das organische Wachstum weiter voranzutreiben. Spiesshofer gibt sich zuversichtlich: „Wir haben ABB in der Stufe 1 unserer Next-Level-Strategie zu Umsatzwachstum und operativem EPS-Wachstum zurückgeführt. Wir haben den Turnaround bei der Division Energietechniksysteme geschafft, die Organisation vereinfacht und den Rahmen geschaffen, um eine dynamische Leistungskultur zu entfalten. Dank dieses Fundament sind wir bereit für die Stufe 2.“

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Neue Divisionen und verschlankte Strukturen

Ab 1. Januar 2016 wird ABB mit vier statt bisher fünf Divisionen schlanker aufgestellt sein. Die neugeschaffene Division Stromnetze wird sich auf „Energieversorgung und Automation für das Netz“ („power and automation for the grid“), also das Angebot von Energieversorgung und Automation für Versorgungsunternehmen aus einer Hand, spezialisieren.

„Mit Stufe 2 der Next-Level-Strategie beschleunigen wir unsere Neuausrichtung“, so Spiesshofer. „Die Maßnahmen, die wir heute bekannt geben, werden zusätzlichen Wert für unsere Kunden schaffen, weil sie künftig noch besser von unserem Angebot aus Energieversorgung und Automation profitieren können. Gleichzeitig werden wir uns als Team insgesamt schlanker, schneller und beweglicher aufstellen. Wir verlagern den Schwerpunkt auf wachstumsstarke Endmärkte, verbessern die Wettbewerbsfähigkeit und senken die Risiken. Nicht zuletzt reagieren wir mit den Maßnahmen auch auf den rapide beschleunigten Wandel der Märkte und die weiter zunehmenden Unsicherheiten auf der Welt.“

Division Elektrifizierungsprodukte führt Nieder- und Mittelspannungsprodukte zusammen

Mit „Energieversorgung und Automation für Verbrauchspunkte“ („power and automation for the site“) sollen die anderen drei Divisionen künftig Kunden aus den Bereichen Industrie, Transport und Infrastruktur beliefern. Die ebenfalls neue Division Elektrifizierungsprodukte kombiniert die führenden Nieder- und Mittelspannungsprodukte von ABB. Wie Spiesshofer erklärte, soll sie eines der umfangreichsten Angebote an Nieder- und Mittelspannungsprodukten bieten und basierend auf dem weltweit wachsenden Netzwerk von Vertriebspartnern den Unternehmenswert vorantreiben. Die Divisionen Industrieautomation und Antriebe sowie Prozessautomation werden angepasst, um die Bedürfnisse der Kunden besser abzudecken und ihre Effizienz zu steigern.

Die neu geschaffene Division Stromnetze soll laut Spiesshofer weltweit die Nummer 1 sein, wenn es darum geht, Versorgungsunternehmen sowohl für die Übertragung als auch die Verteilung mit Energie- und Automatisierungslösungen aus einer Hand zu bedienen. Spiesshofer weiter: „Gleichzeitig haben wir damit begonnen, das Portfolio der Division Stromnetze einer strategischen Überprüfung zu unterziehen. Auf diese Weise wollen wir den langfristigen Erfolg der Division steigern und Wert für unsere Kunden und Aktionäre schaffen.“

Bis Ende 2017 Kosteneinsparungen von rund 1 Mrd. US-Dollar

Um sowohl die Produktivität von Angestellten als auch das Umlaufvermögen weiter zu steigern, wird ABB außerdem die Umsetzung der bereits angekündigten 1000-Tage-Programme beschleunigen. Die Verbesserung der Produktivität beinhaltet die schnelle Expansion der regionalen Shared Services sowie die Verschlankung globaler Abläufe und Funktionen der Konzernzentrale. Dazu werden die Business Units näher an die Schlüsselmärkte heranrücken. Das Unternehmen will auf diese Weise Einsparungen in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar pro Jahr bis Ende 2017 erreichen. Dies gilt zusätzlich zum bereits laufenden Kostensenkungsprogramm, bei dem Einsparungen in Höhe von 3 bis 5 % der Umsatzkosten pro Jahr geplant sind.

Die Verbesserung des Umlaufvermögen soll darüber hinaus mindestens 2 Mrd. US-Dollar Barmittel freisetzen, die dann in hochrentable Investitionen oder in Forschung und Entwicklung beziehungsweise in gezielte Akquisitionen oder Gewinnausschüttungen an die Aktionäre fließen können.

Finanzziele für 2015-2020 an makroökonomischen Erwartungen angepasst

Das Unternehmen passt seine Umsatzziele für 2015-2020 an die geringeren makroökonomischen Erwartungen an. Relativ zum Markt bleiben jedoch die Ambitionen unverändert. Für den Zeitraum von 2015 bis 2020 beträgt die durchschnittlich erwartete Wachstumsrate beim Ergebnis nun 3 bis 6 Prozent (vorher 4 bis 7 Prozent) pro Jahr. Treibende Faktoren für diese Veränderung sind die wie erwartet weiter tiefen Ölpreise, Anzeichen für ein insgesamt verlangsamtes Wachstum der industriellen Produktion sowie eine schwächer als noch 2014 prognostizierte Entwicklung der Wachstumsmärkte.

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