CAD-Software Agil oder Wasserfall – die passende Software wählen

Autor / Redakteur: Karl Osti / Stefanie Michel

Sie arbeiten in klassischen Unternehmensstrukturen? Oder haben Sie inzwischen auf eine agile Entwicklung mit kollaborativen Teams umgestellt? Dann muss auch die CAD-Software der Arbeitsweise entsprechen. Autodesk erklärt die Unterschiede.

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Produktentwicklung passend zur Organisationsstruktur des Unternehmens: Autodesk stellt mit Inventor oder Fusion 360 die entsprechende CAD-Software bereit.
Produktentwicklung passend zur Organisationsstruktur des Unternehmens: Autodesk stellt mit Inventor oder Fusion 360 die entsprechende CAD-Software bereit.
(Bild: Autodesk)
  • Inzwischen stehen von einigen CAD-Softwareanbietern sowohl Desktop-basierte als auch Cloud-basierte Systeme zur Verfügung. Autodesk zeigt anhand seiner eigenen Produkte, welches zu welcher Organisationsstruktur im Unternehmen passt.
  • Inventor als klassisches CAD-System orientiert sich an etablierten Organisationsprozessen, indem ein Projekt Schritt für Schritt abgearbeitet wird (Wasserfallmodell).
  • Für die agile Produktentwicklung in interdisziplinären Teams eignet sich Fusion 360. Dieses System bildet bereits die gesamte Wertschöpfungskette der Fertigung ab und nutzt die Rechenpower der Cloud.

Gerade im Jahr 2020, dem „Jahr des Homeoffice“, lernen Teile der Arbeitswelt, dass es gar nicht so einfach ist, zusammenzuarbeiten, wenn man nicht im selben Büro sitzt. Der Austausch mit den Kollegen oder der Zugriff auf die Systeme und Projektdaten stellt viele Unternehmen vor massive Herausforderungen – nicht nur, wenn Büros schließen, sich einzelne Mitarbeiter in Quarantäne begeben und von Zuhause arbeiten müssen. Auch in „normalen“ Zeiten ist eine nahtlose Verknüpfung aller Parteien innerhalb des Wertschöpfungsprozesses eine Herausforderung. Denken wir beispielsweise an die Interaktion entlang einer Lieferkette, mit dem Kunden und selbst zwischen zwei Abteilungen wie Konstruktion und Produktion.

Da wir bei Autodesk für fast alle Industriebereiche Software entwickeln, kennen wir diese Probleme schon lange. Nicht zuletzt deshalb haben wir früh erkannt, welches Potenzial in Cloud-basierenden Technologien und Geschäftsmodellen liegen kann.

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Viele Unternehmen stellen uns aktuell die Frage, ob sie eher auf unsere agile Cloud-Lösung Fusion 360 oder auf das bekannte Inventor setzen sollten. Dabei interessiert sie vor allem, welche Lösung am ehesten zu ihrer Organisationsstruktur passt und auch, ob die eine Anwendung gegenüber der anderen besondere Vorteile bietet.

Vorteile der Cloud für die Produktentwicklung nutzen

Mit Fusion 360 deckt Autodesk die gesamte Wertschöpfungskette der diskreten Fertigung kollaborativ und assoziativ in der Cloud ab. Das Tool wurde mit Fokus auf die agilen, interdisziplinären Teams des Cloud-Zeitalters entwickelt und verzahnt eine Vielzahl von Disziplinen wie Industrial Design, Re-Engineering, klassische Parametrik oder komplexe Simulationsfähigkeiten. Bei Lösungen von anderen Anbietern müssten Firmen eine Vielzahl verschiedener Produkte erwerben und dann im Zweifelsfall mit Datenbrüchen rechnen, um die gleiche Leistungsfähigkeit zu haben. Fusion 360 hilft vielen Kunden, Konzepte schneller und mit mehr Iterationen zu entwickeln. Was früher mehrere Tage dauerte, wird nun in wenigen Stunden möglich.

Der agile Workflow setzt sich bis zur Produktion fort. Unterschiedlichste Produktionstechnologien – vom klassischen Drehen und Fräsen bis hin zum hybriden Prozess der Additiven Fertigung – lassen sich in Fusion 360 abbilden und entsprechend an die Maschine schicken. Und sollte ein Produktionsverfahren gerade nicht zur Verfügung stehen, dann können Anwender schnell auf angepasste Konstruktionen und CNC-Programme zurückgreifen.

Fusion 360 nutzt die Vorteile der Cloud: Datenspeicherung, Simulation, generatives Design auf Basis von Künstlicher Intelligenz – alles ist von zu Hause aus oder überall im Unternehmen zu erreichen. Im generativen Design ist es etwa möglich, Hunderte von KI-generierten Designalternativen für eine Designaufgabe zu erzeugen und direkt zu prüfen. Der Entwickler kann neue Pfade beschreiten und erreicht Lösungswege, die ihm zuvor verwehrt geblieben sind.

Technologien wie generatives Design, Cloud Computing und Simulation sind erst durch die Möglichkeiten der Cloud wirtschaftlich für ein breites Publikum erschwinglich. Ohne die Kosten für eigene Rechenzentren schultern zu müssen, können Unternehmen jeder Größe ihre Innovationskraft deutlich steigern. Fusion 360 ist zudem für Studenten und Universitäten, aber auch Enthusiasten kostenlos verfügbar und ermöglicht so einen breiten Zugriff auf fortschrittliche Software in Ausbildung und Lehre.

Durchgängige Datenflüsse durch das Unternehmen

Das Ziel einer erfolgreichen Cloud-Adaption muss dabei ein kontinuierlicher Fluss der Daten entlang der kompletten Wertschöpfungskette eines Unternehmens sein. Dazu brauchen die Daten eine Reihe von Kontextinformationen, sie müssen assoziierbar sowohl zu ihrem Weg als auch zur aktuellen Station sein. Diese Kontextinformationen kann man sich wie einen Laufzettel der Daten vorstellen, der den Weg, den Zweck und den Status der Daten zu jedem Zeitpunkt darstellt.

Das klassische Beispiel dafür ist die Herstellbarkeit von konstruierten Projekten. Durch eine durchgängige Datenlösung kann hier Feedback zu einem entsprechenden Design in alle Richtungen fließen – etwa, ob eine Herstellung eines gegebenen Designs wirtschaftlich und technisch machbar ist. Auch die Elektronik, die in ein Produkt verbaut ist, ist zu jedem Zeitpunkt in einem solchen System sicht- und anpassbar. Wenn beispielsweise wirtschaftliche Faktoren eine Anpassung in diesem Bereich nötig machen, etwa weil ein elektronisches Bauteil deutlich teurer geworden ist, und eine Alternative einen anderen Formfaktor hat, kann so direkt geprüft werden, ob auch andere Anpassungen am Produkt notwendig sind. Die Daten sind jederzeit in allen Fachabteilungen abrufbar und müssen nicht transferiert werden. Durch diese konstante Verfügbarkeit gewinnen alle Stationen deutlich an Geschwindigkeit.

Darüber hinaus profitieren die Mitarbeiter von den Vorteilen einer gelungenen Cloud-Adaption, wie sie Fusion 360 bietet. Besonders die junge Generation erwartet von Arbeiten 4.0 viel mehr als nur eine virtualisierte, monolithische und starr abgetrennte Engineering-Umgebung. Mitarbeiter wollen agil sein, sich einbringen, das Ganze sehen und nicht nur ein Zahnrad im Getriebe sein. Analog dazu wollen sich Unternehmen agiler aufstellen – nicht nur um Prozesse zu verkürzen, sondern auch um mehr Flexibilität, Kreativität und Innovationskraft zuzulassen.

Inventor für etablierte Organisationsprozesse nutzen

Für klassischere Unternehmensstrukturen mit einer klareren Trennung von Kompetenzen bietet Autodesk die Lösungen Inventor und Vault. Sie orientieren sich an etablierten Organisationsprozessen und sorgen dort für deutliche Effizienzanstiege, da Projektdurchlaufzeiten deutlich reduziert und mit gleichem Personalaufwand mehr Aufträge realisiert werden können.

Die Effizienzgewinne setzen an verschiedenen Stellen an: Mit KI-Technologien lassen sich beispielsweise Dubletten (also redundante Kopien) deutlich reduzieren. Außerdem kann die Herstellung der Produkte so durch höhere Wiederholteile optimiert werden, was die Fertigung deutlich weniger komplex macht sowie Zeit und Ressourcen spart. Entwicklung, Produktion und Service profitieren von der verringerten Komplexität und Varianz – obwohl diese Themen gern unter den Tisch gekehrt werden, ist hier noch viel Potenzial vorhanden. Durch die Effizienzgewinne können die Unternehmen jede Stunde im Engineering produktiver nutzen, weil sich die eigenen Konstrukteure um sinnvolle Projekte kümmern, statt Datenversionen zu verwalten. Zudem gibt es noch der ganze Bereich der Prozessautomatisierung vom Vertrieb zu Konstruktion zu Fertigung, um Mitarbeiter von repetitiven Arbeiten zu entlasten.

Pilotprojekte wagen und den richtigen Mix finden

Fusion 360 und Inventor können als zwei Seiten derselben Medaille gesehen werden. Sie stehen für verschiedene Workflows – und schließen sich nicht aus. Sie können sogar parallel und miteinander laufen. Je nachdem, welche Arbeitsweise ein Unternehmen verfolgt, findet es entweder mit Inventor (im klassischen Wasserfall-CAD) oder Fusion 360 (bei einer agilen Entwicklung) das passende Produkt.

Dabei können die Unternehmen flexibel entscheiden, welche Lösung die richtige für sie ist, denn beide Programme sind aktuell Teil der Product Design und Manufacturing-Collection von Autodesk. Da beide Systeme untereinander verzahnt sind, sind Pilotprojekte zu einem agilen Design in der Cloud leicht umsetzbar. Daten der agil arbeitenden Teams, die beispielsweise mit den Möglichkeiten zum generativen Design erstellt wurden, können leicht in Inventor verbaut werden – und gleichzeitig können Inventor-Daten auch mit Fusion gefertigt oder weiterverarbeitet werden.

Fusion 360 und Inventor sind Systeme, die jeweils für eine eigene Arbeitsweise stehen. Dabei ist keines inhärent überlegen; es gibt keinen Druck, von einem System zum anderen zu wechseln oder eines der Systeme ganz abzuschaffen. Stattdessen können Unternehmen die beiden Hand in Hand arbeitenden Systeme gleichzeitig nutzen, um sowohl für herkömmliche Prozesse als auch agile Prozesse immer die richtige Lösung zur Hand zu haben.

* Karl Osti ist Industry Manager Maschinenbau bei der Autodesk GmbH in 81379 München, Tel. (0 89) 54 76 90, karl.osti@autodesk.com

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