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EBM-Papst „Allwissendes“ System in der Produktion

| Redakteur: Stefanie Michel

Viele haben nur eine vage Vorstellung, was sich hinter Industrie 4.0 verbirgt. Ebm-Papst gibt ein Beispiel für die Digitalisierung sowie die Vernetzung der Daten in der Produktion. Das erspart bereits zusätzliche Prozesse zur Rückverfolgbarkeit.

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Durch Digitalisierung und Datenverfügbarkeit im kompletten Unternehmen ist die Fertigung eines Produkts an mehreren Standorten in einem Prozess möglich.
Durch Digitalisierung und Datenverfügbarkeit im kompletten Unternehmen ist die Fertigung eines Produkts an mehreren Standorten in einem Prozess möglich.
(Bild: Ebm-Papst)

In der Pharma- und Lebensmittelindustrie wird die Rückverfolgbarkeit der Produkte immer wichtiger. Ähnlich wie etwa beim Brandschutz sind Investitionen in die so genannte Traceability unbeliebt, denn man investiert in etwas und hofft zugleich, dass man es nie brauchen wird. Bei Ebm-Papst jedoch entfallen zusätzliche Prozesse zur Rückverfolgbarkeit, denn die Elektromotoren und Ventilatoren dieses Antriebsspezialisten testen und dokumentieren sich während ihrer Fertigung selbst und sammeln hierbei viele Informationen für die „Traceability“.

Bauteil identifiziert sich gegenüber der Stückliste

Grundlage der Rückverfolgbarkeit ist die Digitalisierung und anschließende Vernetzung der Daten des gesamten Produktionsprozesses. Damit hat Ebm-Papst schon vor einigen Jahren begonnen. So bekommt beispielsweise gleich aussehendes Material eine Identifikationsnummer. Mit ihr kann das Teil sich gegenüber der Stückliste identifizieren. Somit wird sichergestellt, dass auch das richtige Material verbaut wird. Ist so ein Teil fehlerhaft, wird dies beim vorhergehenden Prozess erkannt und kann erst weiter verbaut werden, wenn der Fehler behoben wurde. Die Informationen werden also vorbeugend im Prozess verwendet.

Die Vorbeugung und Prozessabsicherung ist wichtig für ein Unternehmen, dessen Produkte in fast allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens im Einsatz sind. Das Sortiment umfasst derzeit rund 15.000 Produkte. Diese Vielfalt in den Griff zu bekommen und möglichst schnell und effizient Aufträge erledigen zu können, gab daher auch den Ausschlag zum Einstieg in „Industrie 4.0“ oder die Vernetzung der gesamten Fertigung.

Veränderungen in Fertigung und IT müssen parallel laufen

„Wir haben in der Vergangenheit die Fertigung schneller umgestellt als wir die Software anpassen konnten. Das war mit ein Treiber, warum wir nach einer anderen Lösung gesucht haben“, sagt Georg Schappes, der für die Umsetzung des Projektes „Digitalfluss über der Fertigung“ verantwortlich ist. Zunächst einmal erforderte der neue Ansatz ein Umdenken. „Wenn man von Industrie 4.0 oder von vernetzen Informationen spricht, darf man nicht sagen, die Fertigung muss warten, bis die IT ein Programm fertig hat. Das muss alles parallel geschehen. Sehr viele Unternehmen haben das noch nicht erkannt. Wir haben dies mit Hilfe von SAP ME realisieren können. Zusammen mit der IT werden heute die einzelnen Bausteine entworfen. Wie und in welcher Reihenfolge diese in der Produktion zum Einsatz kommen, bestimmt schließlich die Produktion selber vor Ort ohne die IT.“

Fertiungsdaten sind unternehmensweit verfügbar

Der „Digitalfluss“ ermöglicht bei Ebm-Papst auch die Fertigung eines Produkts an mehreren Standorten in einem Prozess. Beispielsweise kann ein Produkt am Heimatstandort in Mulfingen in Baden-Württemberg vorgefertigt werden, danach wird es in Ungarn weiterverarbeitet und kommt schließlich zur abschließenden Behandlung wieder zurück. Die nötigen Daten sind überall verfügbar, weil alles miteinander vernetzt ist und miteinander kommunizieren kann. Tritt irgendwo ein Fehler auf, meldet sich das defekte Teil von selbst. Das System kennt also zu jeder Zeit auch den Zustand aller Produkte und jede Materialbeschaffenheit. Das erleichtert die Qualitätssicherung enorm. Früher machte man Stichproben, aber die bringen naturgemäß keine hundertprozentige Sicherheit. Heute stehen viel mehr Informationen zur Verfügung. Jedes Teil kann jederzeit auf seinen Zustand überprüft werden.

Noch befindet sich der „Digitalfluss über der Fertigung“ in der Umsetzungsphase. Aber das Wort ist irreführend, ein Ende dieser Umsetzung ist nicht in Sicht. Man wird niemals fertig sein, denn es liegt in der Natur der Technik, dass sie immer weiterentwickelt wird. „Das ist mit solchen Systemen ähnlich wie mit einem Smartphone oder PC“, sagt Schappes.

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