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Als Brückenbauer zum fernen Osten tätig

| Autor: Frank Jablonski

Wie viele Menschen in chinesischen Mega-Städten genau leben, weiß niemand. Klar ist nur: Die Zahl nimmt stetig zu. Eines der jüngsten Projekte wird die Rangfolge der Städte durcheinander bringen. Als eher ungewöhnlicher Mitspieler beim Aufbau der neuen Märkte sucht eine Tochter der Deutschen Messe AG eine erfolgreiche Rolle zu spielen.

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Thomas Rilke, Geschäftsführer der Deutsche Messe Technology Academy GmbH, spricht mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski über die Beweggründe eine Akademie nach dem Vorbild in Hannover in Foshan, Südchina aufzubauen.
Thomas Rilke, Geschäftsführer der Deutsche Messe Technology Academy GmbH, spricht mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski über die Beweggründe eine Akademie nach dem Vorbild in Hannover in Foshan, Südchina aufzubauen.
(Bild: Johannes Untch)

Die chinesische Regierung wird in Kürze bekannt geben, dass eine neue Mega-Stadt im Süden des Landes entstehen soll. Die sogenannte Bay-Area soll die Stärken des Industrie-Standortes Foshan mit den Stärken des IT-Standortes Shenzhen kombinieren. Hintergrund ist der Wunsch der chinesische Regierung die Industrie insgesamt stärker zu digitalisieren. Die Kombination dieser Themen ruft auch deutsche Partner auf den Plan. MM MaschinenMarkt sprach mit dem Geschäftsführer der Deutsche Messe Technology Academy GmbH über die Hintergründe des Projekts.

Herr Rilke, Sie sind gerade dabei, Ihre Robotation Academy nach China zu exportieren. Hat die Deutsche Messe AG nicht mehr genug Platz in Hannover?

Wir bauen ja keine Akademie in China aus Platzgründen auf. Wir haben vor acht Jahren die Feststellung getroffen, dass sich die Informationsbeschaffung in der Industrie verändert. Es wird verstärkt nach integrierten Lösungen gesucht und das auf den unterschiedlichsten Plattformen: Messen, Fachmedien und immer mehr auch Konferenzen und Netzwerkveranstaltungen.

Aber wieso ausgerechnet China?

China ist ein wichtiger Markt. Die DMAG ist einer der großen Messeveranstalter in China und berät auch Betreiber von Messegeländen. In der Provinz Guangdong in Südchina werden 40 % der Industrieleistung Chinas erzeugt. Hier in der Stadt Foshan, eine Stadt mit einer sehr interessanten Industriezusammenstellung, hat die DMAG vor einiger Zeit den Berater-Auftrag bekommen, dort ein Messegelände aufzubauen. Das entsteht derzeit. Hier bauen wir gemeinsam mit der Stadtregierung eines der führenden Messegelände Chinas auf. Iin der Mitte ist, wie in Hannover, die Robotation Academy geplant.

Widerspricht diese Aktivität in China nicht dem Auftrag/Geist der Eigentümer der DMAG, also der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen?

Wir sind als Deutsche Messe AG seit weit über zwanzig Jahren im Ausland tätig. Durch unser Engagement im Ausland werden die Messen am Standort Hannover gestärkt. Messen im Ausland sind die besten Visitenkarten, um auf unsere internationalen Messen zu demselben Thema in Hannover hinzuweisen.

Unterscheidet sich der Auftrag der Akademie von dem in Deutschland?

Er ist sehr ähnlich. In Hannover haben wir für fast vier Millionen Euro Roboter, Automationstechnik, Industrie-4.0-Technik stehen. Wir veranstalten inmitten der Technik auf 6000 m² Konferenzen und Schulungen – also nicht nur Powerpoint – sondern Technik zum Anfassen.

Und das ist auch das Konzept in China?

Ja, genau, außen die Messe, innen die Schulungen.

Wie sind die Besitzverhältnisse der neuen Academy?

Am Anfang lagen alle Optionen auf dem Tisch. Für uns war aber relativ schnell klar, wenn man solch eine Akademie aufbauen will, müssen das am Ende Chinesen für Chinesen tun. In der Aufbauphase geben wir unseren Input – ich würde es eher als ein dauerhaftes Franchhise-System bezeichnen, ohne dass es das juristisch ist. Wir geben eher generalistisches Know-How weiter, wie eine solche Institution zu betreiben ist. Das Geschäft selbst wird von den Chinesen gemeinsam mit uns geführt. Die Akademie ist eine 100%ige Tochter der Regierung von Foshan. Ich glaube das ist auch der einzige Weg, wie man im Bereich Seminare, Ausbildung, Coaching erfolgreich sein kann. Wir können uns als Europäer nicht hinstellen und sagen: Wer erklären euch jetzt mal wie alles geht.

Wer stattet dann in China die Technik aus und woher erwarten Sie die Schulungsteilnehmer? Ist das eine rein chinesische Angelegenheit?

Auf der Teilnehmerseite sind es produzierende Industrieunternehmen, die in der Provinz Guangdong ansässig sind. Auf der Seite der Partner ist es so: In Hannover haben wir 19 europäische Anbieter von Robotik und Automationstechnik. In China arbeiten wir mit ungefähr 15 internationalen und wahrscheinlich 10 bis 15 chinesischen Partnern zusammen.

Und wie ist das Verhältnis zueinander?

Es kann durchaus mal eine Zusammenarbeit sein, es ist aber eben auch eine Konkurrenzsituation. Insofern spiegelt die Academy den Markt wieder.

Wie ist der Ausbildungsstand der Teilnehmer? Gibt es da große Unterschiede zu Deutschland?

Es gibt einzelne Niveauunterschiede. Aber es wird in Europa anders produziert als in China. In China gibt es Industriezweige, die weit höher technisiert produzieren, als bei uns in Deutschland. Das hängt schon allein an den Stückzahlen, die in China teilweise deutlich höher sind.

Hat ein Vorgang, wie der Einstieg von Midea bei Kuka, ihnen geholfen oder kamen eher Befürchtungen oder Ängste in diesem Zusammenhang hoch?

Nein, für uns war das internationale Engagement von Midea, die ja in Foshan produzieren, eher der Ideengeber uns mit dieser Region und Stadt näher auseinander zu setzen.

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