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Industrie 4.0 Als Vernetzung noch nicht unter Industrie 4.0 lief

| Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Lange bevor Industrie 4.0 in aller Munde war, hat sich so manch deutscher Unternehmer bereits intensiv mit der Produktion von morgen auseinandergesetzt.

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Werkstückträger-Transportsysteme von Stein sind modular aufgebaut und vernetzt.
Werkstückträger-Transportsysteme von Stein sind modular aufgebaut und vernetzt.
(Bild: Stein Automation)

Peter Stein gehört zu den Vordenkern der vernetzten Produktion, Gesellschafter und ehemaliger Geschäftsführer der Stein Automation in Villingen-Schwenningen und Sohn des Firmengründers. Bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelte er sein modulares Werkstückträger-Transportsystem WTS 300 und setzte damit einen Meilenstein im Montageprozess. Das ist die Basis für die Zukunft: vernetzte, ressourcensparende Anlagen und transparente Prozesse, die einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur effizienten Fertigung von Losgröße 1 bilden.

„Und damals hat noch niemand von Industrie 4.0 gesprochen.“

Peter Stein schlug Anfang der 1990er Jahre einen völlig neuen Weg in der Versorgung von Fertigungsplätzen ein. „Die Steuerung der Systeme sollte mit den einzelnen Montagestationen kommunizieren, damit der Anwender alle Produktions- und Qualitätsdaten zur Verfügung hat. Wir wollten weg vom Sondermaschinenbau, wir wollten Lieferant von Standardelementen sein“, skizziert Stein die Marschrichtung. Nicht Hunderte verschiedene Schaltungen waren zu verbauen, sondern aufeinander abgestimmte Lösungen. In der Branche riefen seine Ideen anfangs nur gelegentliches Achselzucken hervor. Dennoch: Nach 18 Monaten Entwicklungszeit präsentierte Stein sein neues WTS 300. „Es war die konsequente Umsetzung modularen und vernetzten Denkens in die Realität“, sagt er. „Und damals hat noch niemand von Industrie 4.0 gesprochen.“

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Durch die neuartige Modulbauweise ergaben sich für die Anwender bislang ungekannte Kombinationsmöglichkeiten mit der Chance, schnell auf sich ändernde Produktionsbedingungen zu reagieren. Optimale Streckenführungen und besondere Kundenwünsche ließen sich umsetzen. „Der Planer greift auf eine Vielzahl hinterlegter Einheiten zurück und führt seine Anlage Modul für Modul zu einem Ganzen zusammen“, beschreibt Peter Stein. Den Transfer der schon damals großen Datenmenge übernimmt ein integriertes Bus-System. Der Anwender erhält permanenten Zugriff auf statistische und auftragsbezogene Daten, das System ist mit der Qualitätssicherung und anderen Unternehmensbereichen vernetzt. Das macht die Montageprozesse transparent.

„Montagetechnik muss bedarfsorientiert, hochflexibel und einfach konfigurierbar sein.“

Was 1992 als Grundstein gelegt wurde, bestimmt auch in Zukunft die Ausrichtung der Stein Automation. „Montagetechnik muss bedarfsorientiert, hochflexibel und einfach konfigurierbar sein“, skizziert Geschäftsführer Jürgen Noailles. Aufbauend auf dem frühen Einstieg in die Thematik bietet Stein heute eine große Auswahl an standardisierten Modulen als Baukastensystem und entwickelt diese ständig weiter. In der Praxis sind sie in vielen Branchen erfolgreich im Einsatz, darunter Automotive, Konsumgüter und Medizintechnik.

In Zukunft werden sich durch die zunehmende durchgängige Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette die Anforderungen an moderne Montagetechnik weiter erhöhen. „Die Variantenvielfalt steigt weiter an. Kürzere Produktlebenszyklen bedeuten, dass sich Produktions- und Montagesysteme schnell und wirtschaftlich anpassen lassen. Dies ist nur mit einer kosteneffizienten Konstruktion aus standardisierten Baugruppen und Ringleitungen möglich, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Sie erlauben einen einfachen Auf- und Umbau und bieten dem Anwender hohe Flexibilität bis hin zur effizienten Fertigung von Losgröße 1“, beschreibt Jürgen Noailles. Eine wichtige Rolle spielt die Anlagensteuerung, mit der Stein die Komplexität der Prozesse deutlich vereinfacht. Hinzu kommt: Der Anwender parametriert lediglich die individuellen Maße seiner Anlage nach CAD-Planung. Danach stehen ihm sofort wichtige Angaben zum Anlagenzustand und statistische Auswertungen zur Verfügung. Dies erleichtert die Prozesskontrolle erheblich und sorgt für stabile Montageabläufe.

Stein geht den in den 1990er Jahren eingeschlagenen Weg konsequent weiter. „Gerade in der Vernetzung von Daten werden wir weitere Akzente in der nächsten Steuerungsgeneration 5 umsetzen. Das einfache Konfigurieren statt Programmieren bleibt auch künftig fester Bestandteil aller Stein-Lösungen“, beschreibt Noailles. Der weitere Ausbau der globalen Präsenz wird wie die Gewinnung neuer Marktanteile in den Bereichen Medizintechnik, Batterie und Elektrotechnik aktiv umgesetzt. „Neben der Stein-Logistiksteuerung ist unser Antriebskonzept Softmove der Grundstein für den Erfolg. Softmove bietet einen verschleißarmen, schonenden und energiesparenden intelligenten Transport von A nach B“, skizziert Noailles.

Für Peter Stein war die vor über 25 Jahren ausgearbeitete Strategie erfolgreich. „Wir haben uns frühzeitig mit den Themen Flexibilität, Vernetzung und Modularität auseinandergesetzt. Das hat uns zum Vorreiter am Markt gemacht - und auch unsere eigenen Produktionsprozesse optimiert.“ Durch die Neuausrichtung konnte Stein die Lieferzeit einer Anlage von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduzieren.

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