Studie von BEE und Hannover-Messe Alte Batterien werden zu Großspeichern für Strom

Autor Stéphane Itasse

In einem alten Akku steckt noch viel Saft. Wie sich diese Speicherkapazität nutzen lässt, haben der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) und die Hannover-Messe in einer Studie untersucht.

Firmen zum Thema

Wenn Batterien dieser Art für Elektroautos zu alt sind, können Sie nach einer Studie von BEE und Hannover-Messe das Stromnetz stabilisieren.
Wenn Batterien dieser Art für Elektroautos zu alt sind, können Sie nach einer Studie von BEE und Hannover-Messe das Stromnetz stabilisieren.
(Bild: Gereon Meyer / BY-SA 4.0)

Wenn bei einem Elektroauto nach fünf bis sieben Jahren ein Akkutausch nötig wird, fasst die alte Batterie noch gut 70 bis 80 % ihrer ursprünglichen Leistung. Zu wenig, um in einem Tesla S oder BMW i3 weiter Dienst zu tun, zu viel, um zum alten Eisen zu gehören: Nach einer Studie können diese alten Lithium-Ionen-Akkus im Jahr 2025 mit 25 GWh etwa genauso viel Strom zur Verfügung stellen wie die Hälfte aller deutschen Pumpspeicherkraftwerke. Die Voraussetzung dafür ist laut einer Mitteilung von Verband und Messe, dass der Markt für Elektromobilität in Deutschland in Schwung kommt.

Mehr Elektroautos benötigt

BEE-Geschäftsführer Hermann Falk sagt: „Die Automobilbranche kann zum Schlüsselfaktor der Energiewende werden. Die Bundesregierung sollte daher ihre Bemühungen intensivieren, um bis 2020 die anvisierten 1 Mio. Elektroautos auf die Straße zu bringen. Dem gegenüber würden mittelfristig finanzielle Entlastungen bei Reservekraftwerken und beim Netzausbau stehen.“

Maßgeblich für das Potenzial der Elektromobilität sind die sinkenden Preise bei der Akkuproduktion: Kostete die Kilowattstunde (kWh) eines Lithium-Ionen-Pakets 2015 noch 500 Euro, sind es 2016 nur noch 300 Euro, und laut Studie werden es 2020 nur 150 Euro sein. Ein ausrangierter Akku liefert jedoch schon heute Strom für 150 Euro pro kWh, wie es heißt. Damit werden Second-Life-Batterien schon in den nächsten Jahren einen zusätzlichen Schub bei der Kostensenkung von Batterien leisten können.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • 2025 liefern Speicher aus Second-Life-Batterien 25 GWh Strom.
  • Die Kosten für Batteriespeicher sinken pro Jahr um 15 %.
  • Die Produktion von Batteriespeichern vervierfacht sich bis 2020.
  • Die Energiekosten eines Elektroautos betragen dann mit 150 Euro/kWh genau so viel wie bei Autos mit Verbrennungsmotor.
  • 50 % aller Akkus werden nach fünf bis sieben Jahren Lebensdauer recycelt.

Vorschläge an die Politik

Der Autor der Studie, Gerard Reid vom Investment-Haus Alexa Capital, hat einige Vorschläge für die Politik aufgelistet, unter anderem:

  • Verstärkte Standardisierung bei Akkus und Ladestationen.
  • Batteriespeicher sollten nicht als Stromverbraucher belastet werden.
  • Forschung und Anwendung von Second-Life-Batterien forcieren.
  • Die Industrie muss technische Leistungsstandards für Second-Life-Batterien entwickeln, um Zertifizierung und Regelungen für die Produkthaftung zu erleichtern.
  • Erhöhung der Finanzmittel und Anreize für Datenerfassung und Verbreitung für Projekte mit Second-Life-Batterien.
  • Entwicklung flexibler Strommärkte, die die Arbeit mit Übertragungs- und Verteilernetzbetreibern und Regulierungsbehörden beschleunigen, um das Potenzial, die Wertsteigerung und die Flexibilität des Systems zu quantifizieren und zu realisieren.

Bundesverband Erneuerbare Energie auf der Hannover-Messe 2015: Halle 27, Stand H25

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:43980767)