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Alternativen zum Bankkredit

28.09.2006 | Redakteur: MM

Innovative Finanzierungsmöglichkeiten anpacken. Der deutsche Mittelstand fürchtet um seine Zukunft. Vom ,,Gespenst Basel II", von der ,,Zeitbombe" ist die Rede. Eine Versachlichung der Diskussion ist...

Innovative Finanzierungsmöglichkeiten anpacken Der deutsche Mittelstand fürchtet um seine Zukunft. Vom ,,Gespenst Basel II", von der ,,Zeitbombe" ist die Rede. Eine Versachlichung der Diskussion ist angebracht. Zunächst kann Basel II auch als Chance begriffen werden . Darüber hinaus bieten sich dem Mittelstand einige, jedoch bislang nur wenig genutzte, alternative Finanzierungsmöglichkeiten anstelle des Bankkredits. Diese Alternativen bestehen sowohl im Fremd- als auch im Eigenkapitalbereich. Der Baseler Ausschuss hat in seinem unter dem Schlagwort Basel II bekannt gewordenen Reformbeschluss die Variabilisierung der Eigenkapitalrichtlinien für die Vergabe von Krediten durch die Banken der führenden Industrienationen verabredet. Zukünftig müssen die Banken Kredite nicht mehr pauschal mit 8% Eigenkapital hinterlegen. Vielmehr richten sich das gebundene Eigenkapital und somit indirekt die Eigenkapitalkosten der Bank nach der Bonität des Kreditnehmers. Die Bonität wird anhand eines so genannten Ratings ermittelt. Diese Ratings erfordern Transparenz und bedingen eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer insbesondere hinsichtlich Offenheit, Detaillierungsgrad und Frequenz der Kommunikation. Ob und zu welchen Konditionen Kredite gegeben werden, richtet sich dann nach dem Rating. Zwar sollen im Schnitt die Zinsen gleich bleiben, aber im Einzelfall wird es zu Zinserhöhungen beziehungsweise beschränktem Zugang zu Bankkrediten kommen. Natürlich sind andererseits für gut bewertete Unternehmen günstigere Fremdkapitalkonditionen möglich. Mit der Einführung der neuen Regeln wird nicht vor dem Jahr 2006 gerechnet, wobei sich schon heute die Banken auf Basel II vorbereiten und sich im Kundengespräch darauf berufen. Im Rahmen der Basel-II-Diskussion ist auch von einem Rückzug der Großbanken aus dem Firmenkreditgeschäft die Rede. Die Tendenz ist heute bereits erkennbar. Jedoch ist Basel II weniger Ursache, denn vielmehr Konsequenz. Den Sparkassen und Genossenschaftsbanken öffnet sichan dieser Stelle ein riesiger Markt. Ob diese aber diesen Markt gänzlich bedienen können beziehungsweise werden, ist noch nicht klar. Beispielsweise wird derzeit in Nordrhein-Westfalen als Alternative die Gründung einer Landesaufbaubank, ähnlich der bayerischen Förderbank LfA, diskutiert. Egal ob ausreichend Bankkredite ausgereicht werden oder nicht, Alternativen tun Not, vor allem für diejenigen Unternehmen, die ein schlechtes Rating und somit signifikant erhöhte Zinsen befürchten müssen.Kurzfristig fremdes Kapital nutzen Durch die Konzentration auf Kernaufgaben und die Nutzung von alternativen Finanzierungsformen können Liquidität geschaffen und der Zugang zu (günstigen) Krediten erreicht werden. In erster Linie werden Leasing, aber auch Factoring oder Asset-Backed-Securities (ABS) ihre Anwendung finden. Auch das Outsourcing wird unter dem Hintergrund einer Konzentration der limitierten Geldressourcen eine Renaissance erleben. Leasing ist in Deutschland bereits weit entwickelt. Aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades wird es sicherlich die erste Alternative für den deutschen Mittelstand darstellen. Der Mietkauf wird noch konsequenter genutzt und auch auf andere Güter angewendet werden. Neben dem Klassiker des Kfz-Leasing werden auch das Immobilienleasing sowie das Leasen beispielsweise von PC, Büroausstattung und weiterer mobiler Güter an Bedeutung gewinnen. Auch bereits getätigte Investitionen können durch ein Sale-and-lease-back, den Verkauf firmeneigner Anlagevermögensgegenstände bei gleichzeitigem (Zurück-) Leasen, nachträglich zur Schaffung von Liquidität genutzt werden. Durch das Factoring, also den Verkauf von Forderungen an Dritte, kann zusätzlich umfangreich Kapital beschafft werden. Schließlich machen Forderungen oft bis zu 15 bis 25% der Bilanzsumme aus. Asset-Backed-Securities (ABS) stellen wie das Factoring einen Verkauf von Forderungen dar. Die Re-Finanzierung des Forderungskäufers erfolgt dabei jedoch nicht über die Bank, sondern durch die Ausgabe von Wertpapieren (asset backed securities). ABS sind aber zumindest derzeit noch keine Alternative für die breite Masse der mittelständischen Betriebe. Die Fixkosten für die Verbriefung liegen bei mehreren hunderttausend Euro. Ein geeigneter Forderungsbestand in zweistelliger Millionenhöhe ist Grundvoraussetzung für die Wirtschaftlichkeit der Transaktion. Andererseits werden heute bereits Modelle diskutiert, die ABS einer breiteren Masse zum Beispiel durch Pooling gleichartiger Forderungsbestände verschiedener Firmen zugänglich machen sollen. Durch die Fremdvergabe kapitalintensiver Randaufgaben an Dritte (Outsourcing) können Ressourcen geschont und für die Stärkung des Kerngeschäftes verwendet werden. Im Gegensatz zum Leasing wird durch den integrierten Outsourcing-Ansatz nicht nur das Investment auf einen Dritten übertragen, sondern auch weitere Aufgaben. Eigenkapitalbasis stärken Durch diese Maßnahmen erzielt man neben der höheren Liquidität zudem auch noch den Effekt der Variabilisierung der Kosten und der Risikoreduzierung. Durch Factoring und ABS können Forderungsrisiken reduziert und Einsparungen zum Beispiel bei der Warenkreditversicherung beziehungsweise im Forderungsmanagement realisiert werden.Die durch die genannten Maßnahmen geschaffene Liquidität kann anstelle von neuen Krediten für Investitionen genutzt werden. Wird die freie Liquidität zum Schuldenabbau verwendet, verkürzt sich die Bilanz, die Eigenkapitalquote steigt, das Rating verbessert sich und der Zugang zu (günstigem) Fremdkapital wird erleichtert.Einige Firmen werden jedoch nicht darum herumkommen, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Die, oft als traditionell entschuldigte, geringe Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstandes erhöht nun einmal das Risiko des Fremdkapitalgebers. Durch Beteiligung von Finanzinvestoren am Unternehmen kann das Eigenkapital erhöht werden. Die New Economy Euphorie hat eine Vielzahl von Private Equity Häusern (Eigenkapitalinvestmentgesellschaften) entstehen lassen. Diese waren zunächst auf Investments in Wachstumsbranchen wie IT und BioTech spezialisiert. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit üben sich die In-vestoren in diesem Bereich in Zurückhaltung. Sie werden sich neuen Investmentfeldern wie Akquisitions- und Expansionsfinanzierungen für den Mittelstand zuwenden. Der Markt hierfür ist groß. Gegenüber klassischen Venture Capital Investments sind zwar in der Regel die Renditeerwartungen geringer, jedoch auch das Risiko, weil es sich um Investitionen in Unternehmen mit etablierten Strukturen, Marken und Produkten handelt. Jedoch ist hier die nötig Umsicht erforderlich. Reine Finanzinvestoren wollen ihre Rendite maximieren und realisieren. Folglich verfolgen sie in der Regel das Ziel, mittelfristig ihr Investment abzustoßen. Ein Einstieg eines ungeliebten Partners ist dann gegebenenfalls nicht zu verhindern. Insofern gilt es die Exit-Strategie des Investors und die langfristigen Ziele der Altgesellschafter von vornherein abzustimmen und entsprechend im Vertragswerk zu berücksichtigen. Neben reinem Eigen- und Fremdkapital gibt es auch noch attraktive Mischformen, so genanntes hybrides Kapital beziehungsweise Mezzanine-Kapital. Diese Art der Finanzierung kann so gestaltet werden, dass keine Abgabe von Stimmrechten damit einhergeht. Gegenüber der Bank hat Mezzanine-Kapital Eigenkapitalcharakter und erhöht somit die Bonität. Mezzanine-Finanzierungen können als typische oder atypische stille Beteiligungen, über Genussscheine, Wandelanleihen oder Schuldverschreibungen strukturiert werden. Eine innovative Spielart der Mezzanine-Finanzierung kann beispielsweise die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen über stille Beteiligungen sein. So wird ein Finanzierungswerkzeug zugleich zur Mitarbeitermotivation und -bindung genutzt. Für den Fall eines unterdurchschnittlichen Unternehmens-Rating verfolgen die dargestellten Finanzierungsformen zunächst das Ziel, Liquidität zu generieren. Weitere Probleme, welche ursächlich für ein schlechtes Rating sind, wie eine schlechte Ertragslage, keine Nachfolge- beziehungsweise Vertretungsregelung, ungenügendes Controlling etc., werden durch die beschriebenen Maßnahmen dagegen nicht angegangen. Mittelfristig müssen jedoch gerade diese Probleme angepackt werden, um langfristig finanziellen Spielraum zu erhalten.

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