AMB China 2014 AMB China: das Beste „aus dem Ländle“ und der Provinz Jiangsu

Autor / Redakteur: Gina Hardebeck / Jürgen Schreier

Die Provinz Jiangsu hat das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt Chinas, denn die Dichte an lokalen und internationalen Industrieunternehmen in der Region ist hoch. Das gleiche gilt für die Anzahl chinesischer Privatunternehmen. In der Provinzhauptstadt Nanjing findet seit vier Jahren die AMB China statt, eine Schwestermesse der AMB in Stuttgart.

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Gut besucht war die AMB China 2013.
Gut besucht war die AMB China 2013.
(Bild: Messe Stuttgart)

Eine Touristengruppe erklimmt die 392 Stufen zu einem der bekanntesten Grabmale Chinas am Rande der Stadt Nanjing. Erbaut wurde das Mausoleum 1929 zu Ehren von Sun-Yat-sen. Er rief 1912, nach dem Ende der letzten kaiserlichen Dynastie und der anschließenden Militärherrschaft, die provisorische Republik China ins Leben. Wer hier oben steht, sieht, warum die knapp 8 Mio. Einwohner zählende Stadt nicht nur historisch gesehen zu den interessantesten Städten des Landes gehört, sondern auch zu einer mit der höchsten Lebensqualität.

Denn in Nanjing – und das ist ungewöhnlich für chinesische Großstädte – lockern zahlreiche Parks, langgezogene Platanenalleen und der Schwarze-Drachen See die gewohnt enge Bebauung auf. Wie kaum eine chinesische Stadt verbindet Nanjing daher Tradition und Moderne, ohne ihren Charme zu verlieren.

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Im Zentrum der chinesischen Fertigungsindustrie

Nanjing ist die Hauptstadt der Provinz Jiangsu, die im Herzen des belebten und wirtschaftlich dynamischen Yangtse-Deltas liegt und im Südosten an das Verwaltungsgebiet Shanghai grenzt. Die Provinz hat das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt Chinas und investiert in zahlreiche Industrieparks, in denen sich eine Vielzahl an lokalen und internationalen Firmen aus der Petrochemie, der Elektronikindustrie und aus dem Maschinenbau angesiedelt haben. Deren gemeinsames Produktionsvolumen betrug 2012 über 80 % des gesamten Bruttoindustrieprodukts von Jiangsu.

Rückblick auf die AMB 2012 mit Bildergalerie

Rund 190 Firmen haben sich alleine in der im Südwesten der Provinz gelegenen Stadt Taicang angesiedelt, darunter Unternehmen wie Trumpf, Krones und Emag. Und auch die Dichte an chinesischen Privatunternehmen, die die Modernisierung in China stark vorantreiben, so ein Sprecher der Lokalregierung, sei in der Provinz überdurchschnittlich hoch. Gerne wird die Region daher auch mit einem Augenzwinkern als das chinesische Baden-Württemberg bezeichnet.

In der Tat verbindet die beiden Regionen einiges miteinander: Seit über zwanzig Jahren ist die Provinz Jiangsu Partnerregion von Baden-Württemberg. Damit haben sich zwei Vorreiter in Technologie und Wissenschaft zusammengetan, die einen engen Austausch fördern.

AMB China – mehr als ein Ableger aus Deutschland

Auch die Messe Stuttgart hat eine ihrer bekanntesten Fachmessen, die Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, AMB, nach Jiangsu gebracht: Die Schwestermesse AMB China präsentiert dieses Jahr vom 13. bis 15. Oktober 2014 und damit zum vierten Mal im Nanjing International Expo Centre Innovationen rund um die Metallbearbeitung.

„Uns ist es wichtig, den Ausstellern der AMB China die gleiche hohe Qualität und Services zu bieten, wie bei der AMB in Stuttgart“, erklärt Gunnar Mey, Abteilungsleiter Industrie bei der Messe Stuttgart. „Daher erhält die AMB China für die Organisation und Durchführung der Messe die volle Unterstützung der etablierten Muttermarke.“ Sven O. Otten, Geschäftsführer von Matec (Shanghai) Trading bestätigt dies: „Wir haben von der ersten Planung bis zum Standaufbau alles mit den uns bekannten Ansprechpartnern in Stuttgart besprochen und konnten uns auf die gewohnt guten Services verlassen.“

Chinesische Unternehmen setzen auf deutsche Präzision

Das Unternehmen aus der Nähe von Stuttgart entwickelt, fertigt und vertreibt CNC-Bearbeitungszenten, Fahrständermaschinen, Fräs-Drehmaschinen sowie Portalmaschinen. Die weitere Entwicklung von Matec Maschinenbau GmbH im Land sieht der Geschäftsführer positiv. Die in China für den internationalen Markt produzierenden Unternehmen verlangten internationale Standards und höchste Präzision, die weitestgehend nur durch europäische Werkzeugmaschinenhersteller erfüllt werden können. Das gelte für die Automobil- und Luftfahrtindustrie als auch für die Medizintechnik.

„Jiangsu birgt aufgrund seiner hohen Dichte an Automobilzulieferern und Medizintechnikunternehmen großes Potenzial. Daher ist es für uns wichtig, über den Messeauftritt in der Region und im Land noch bekannter zu werden“, so Matec-Manager Otten. „Der letzte Messebesuch hat sich gelohnt. Wir haben direkte Anfragen erhalten, was uns bestätigt, auch in diesem Jahr wieder in Nanjing auszustellen.“

Eine Studie des VDMA von 2013 unterstreicht die positive Entwicklung der Maschinenbauindustrie in China. 2012 war das Land mit 678 Mrd. Euro Umsatz der weltweit größte Markt für Maschinen und lag damit deutlich vor den USA mit 330 Mrd. Euro. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 2003 bis 2012 betrug 27,3 %.

Auch das Tübinger Unternehmen Paul Horn GmbH, mit Repräsentanz in Shanghai, zeigt im Oktober zum dritten Mal auf der AMB China seine Einstech-, Längsdreh- und Nutfräswerkzeuge. „Wir nutzen die Messe als Vertriebstool und Marketinginstrument, um in dieser strategisch wichtigen Provinz potenzielle Kunden und Partner anzusprechen“, erklärt Harald Haug, Verkaufsleiter Export bei Paul Horn in Tübingen.

„Was mich letztes Jahr an der Messe besonders beeindruckte, war, dass täglich Delegationen von Studenten verschiedener Hochschulen zur Messe kamen und sich an den Firmenständen über unsere Produkte informierten. In Zeiten mangelnder Jungingenieure und Nachwuchsmanager, eine willkommende Gelegenheit die Marke Horn vorzustellen.“ Neben Studenten der Ingenieurswissenschaften, reisten im vergangen Jahr auch einflussreiche Unternehmerdelegationen aus Shanghai, Suzhou, Wuxi, Taizhou, Quzhou, Changzhou an.

Direktflüge Frankfurt-Nanjing

Einen weiteren Vorteil sieht Haug in der Anreise zur Messe, insbesondere aus Deutschland: „Ab Frankfurt gibt es mehrmals die Woche Direktflüge nach Nanjing, das ist genial. Und auch aus Shanghai bin ich mit dem Auto in drei Stunden vor Ort. Das ist kein Katzensprung, aber gemessen an den Distanzen in China eine kurze Anreise.“

Auf Wunsch unterstützt das Messeteam der AMB China bei der Organisation der Visa und der Anreise − sei es bei der Flugbuchung von Deutschland nach China oder der Zugbuchung im Land. „Diese Dienstleistungen unterscheiden uns von den großen Branchenmessen, die diese direkte Unterstützung meist nicht leisten können“, erklärt Nadja Weber, die als Projektleiterin der AMB China die Betreuung der ausländischen Firmen verantwortet.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Messe an drei Tagen 182 Aussteller und über 10.000 Besucher. Das entspricht einem Zuwachs von 25 % an Fachbesuchern im Vergleich zum Vorjahr. „In diesem Jahr gehen wir von einem weiteren zweistelligen Zuwachs aus, erklärt Gunnar Mey, nicht zuletzt weil wir den VDMA, den wichtigsten Verband der Branche, als internationalen Partner gewinnen konnten.“

Matchmaking und Fabrikbesuche

Michael Jestädt, Messereferent VDMA Präzisionswerkzeuge, erklärt die Unterstützung für die AMB China folgendermaßen: „In den letzten fünf Jahren hat sich der Werkzeugbedarf in China fast verdoppelt, und Deutschland liegt nach Japan und Korea auf dem ausbaufähigen dritten Platz der größten Werkzeuglieferanten. Die AMB China in Nanjing ist für die deutschen Unternehmen ein wichtiges Schaufenster in einer bedeutenden Region dieses dynamischen Marktes."

Auch auf chinesischer Seite ist die Messe hoch aufgehängt. So organisiert die Provinzregierung im Rahmen der Fachmesse Fabriktouren, auf denen die Teilnehmer die Produktion chinesischer Unternehmen besichtigen können. Und noch ein weiteres Highlight erwartet die diesjährigen Aussteller und Besucher: Das mav Innovationsforum, das sich in Deutschland als Branchentreff für die metallbearbeitende Industrie einen Namen gemacht macht, findet 2014 erstmalig auf der Messe statt.

* Gina Hardebeck ist freie Journalistin in Tübingen.

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