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Interview Anforderungen und Trends in der Lebensmittellogistik

| Redakteur: Bernd Maienschein

Wer Lebensmittellogistik anbietet, muss die gesamte Klaviatur der internen wie der externen Logistik exzellent beherrschen, zuzüglich jeder Menge produktspezifischer Extras. Die Redaktion von MM Logistik interviewte René Soldner, im Bereich Food Logistics von Dachser, Kempten, zuständig für Sales Support, zu diesem anspruchsvollen Geschäft.

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René Soldner, Sales Support Food Logistics bei Dachser, Kempten: „Seit kurzem lässt sich Dachser Food Logistics an ausgewählten Standorten auch für das Bio-Siegel zertifizieren. Für drei Niederlassungen liegt das Bio-Siegel bereits vor, weitere fünf sind noch für dieses Jahr geplant.“
René Soldner, Sales Support Food Logistics bei Dachser, Kempten: „Seit kurzem lässt sich Dachser Food Logistics an ausgewählten Standorten auch für das Bio-Siegel zertifizieren. Für drei Niederlassungen liegt das Bio-Siegel bereits vor, weitere fünf sind noch für dieses Jahr geplant.“
( Archiv: Vogel Business Media )

MM Logistik: Wie beurteilen Sie die derzeitige Nachfrage nach temperaturgeführten Transporten, und mit welchen Zuwächsen rechnen Sie in den kommenden zwei bis drei Jahren in Deutschland und Europa?

Aus Sicht unseres Unternehmens steigt die Nachfrage, insbesondere im Bereich kurzfristiger MHD und beim Export. Zahlen über die gesamte Branche liegen aus zwei Gründen nicht vor. Zum einen sind Transportunternehmer, die temperaturgeführte Transporte durchführen, nicht zur Gänze separat organisiert, so dass man eine genaue Analyse dieses Teilsegments anfertigen müsste.

Zum anderen weil man auch bei Dachser Food Logistics Zuwächse nicht unterteilt in temperaturgeführt und nicht temperaturgeführt: Bis auf bestimmte Teil- und Komplettpartien, die keiner Kühlung bedürfen, werden sämtliche Transporte temperiert gefahren.

Was die erwarteten Zuwächse betrifft, so wird der Trend beim Im- und Export anhalten und sogar zunehmen. Denn der europäische Handel agiert zunehmend europa- und weltweit und zieht Warenströme aus dem Ursprungsland nach sich; zudem werden die EU-Erweiterungen zum Balkan allmählich auch in Form von größeren Warenströmen wirksam.

Die gute Konjunktur führt eher zu Verschiebungen in den Preissegmenten als in den absoluten Mengen; dies zeigt die Tendenz zu Convenience und Ultrafrische, wie zum Beispiel fertig gepackte Salate als Reaktion auf veränderte Konsumgewohnheiten - hier schließt Deutschland an die europäischen Vorreiter Großbritannien und Frankreich langsam an.

MM Logistik: Welche Güter werden bevorzugt temperaturgeführt transportiert?

Zu den bevorzugt temperaturgeführt transportierten Gütern zählen Lebensmittel wie Fleisch, Fleisch- und Wurstwaren, Fisch und Fischprodukte sowie Molkereiprodukte. Hinzu kommen Convenienceprodukte wie Fertiggerichte und Feinkost, schokolade- und sahnehaltige Konditorei- und Süßwaren, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel sowie Obst und Gemüse.

MM Logistik: Welche besonderen technischen und organisatorischen Anforderungen stellen Ihre Kunden an Sie als Frische-Dienstleister?

Hinsichtlich der technischen Anforderungen erwartet der Kunde, dass die ohnehin hohen gesetzlichen Anforderungen an das Equipment und an die Systeme eingehalten werden, so zum Beispiel für die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit, der Einhaltung der Temperaturhöchstgrenzen bei bestimmten Produkten, oder zur Temperaturdokumentation. Künftig werden zudem sicherlich bestimmte ökologische Merkmale angefragt oder gefordert werden.

Die organisatorischen Anforderungen sind sehr umfangreich. So sollten Lager, Kommissionierung und die Transporte für Beschaffung und Distribution aus einer Hand kommen, und zwar möglichst standortoptimal. Zudem gilt es, die gesetzlichen Mindest-Standards für Lebensmittel-Sicherheit tatsächlich einzuhalten.

Hier sind vor allem zu nennen Rückverfolgbarkeit binnen kürzester Zeit, beispielsweise für Rückrufaktionen, dokumentierte Temperaturverläufe, Hygiene und HACCP. (Anmerkung der Redaktion: Das Hazard Analysis Critical Control Point-Konzept, zu deutsch „Gefährdungsanalyse und kritische Lenkungspunkte“, soll als vorbeugendes System die Sicherheit von Lebensmitteln und Verbrauchern gewährleisten).

Des weiteren sollten möglichst kurze mögliche Laufzeiten für ganz Europa und für Deutschland eine Zustellung binnen 24 Stunden gewährleistet sein. Transporte müssen, ebenfalls für ganz Europa, in jeder Sendungsgröße möglich sein, von Mustersendungen von wenigen kg bis Full Load. Weitere Anforderungen sind Tracking & Tracing, aktive Information bei Soll-Ist-Abweichungen, Zertifizierungen für DIN ISO 9001 und zunehmend für IFS Logistic und Bio-Siegel, sowie diverse Auswertungen, beispielsweise nach Key Performance Indicators.

MM Logistik: Dachser ist einer der führenden Anbieter von Lebensmittellogistik in Deutschland. Wie hält sich das Unternehmen „fit“ für die Anforderungen in dieser anspruchsvollen Branche?

Hierzu einige Beispiele für Innovationen bei Dachser Food Logistics, um einerseits die Marktanforderungen zu befriedigen, andererseits die Effizienz und die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen: Seit März sind die ersten neun Niederlassungen nach IFS Logistic auditiert (Anm. der Red.: In Anlehnung an den International Food Standard IFS für Eigenmarkenlieferanten entwickelte der Hauptverband des deutschen Einzelhandels diesen Zertifizierungsstandard für die Logistikbranche), die anderen 16 inländischen Häuser sukzessive; bis Spätsommer sollen die Zertifikate für alle Niederlassungen vorliegen.

Seit kurzem lässt sich Dachser Food Logistics an ausgewählten Standorten auch für das Bio-Siegel zertifizieren. Für drei Niederlassungen liegt das Bio-Siegel schon vor, weitere fünf sind noch für dieses Jahr geplant. Durch die Änderung der Verordnung über den ökologischen Landbau unterliegen mit dem Bio-Siegel gekennzeichnete Erzeugnisse beim Lagern den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung.

MM Logistik: Überwiegen bei Ihnen Standard-Services oder maßgeschneiderte, eventuell auch aus Modulen gebildete Dienste?

Wir bieten beides an: Standard-Services, da unsere Kunden nach wie vor vorrangig die schnelle, zuverlässige und lebensmittelgerechte Verteilung ihrer Produkte beim Handel erwarten. Maßgeschneiderte Dienste, weil Outsourcing von Logistikleistungen ein weiterhin anhaltender Trend ist. So zum Beispiel die Zusammenlegung von historisch gewachsenen Logistik-Standorten zu Zentrallagern, die dann von externen Dienstleistern betrieben werden.

Insofern reden wir hier von maßgeschneiderten Angeboten, wie Überprüfung der logistischen Gesamtstruktur und der Geschäftsprozesse, Szenario-Analysen und Projektmanagement. Nach gefundener individuell optimierter Struktur fährt man fort mit - mehr oder weniger - standardisierten Prozessen wie Lagerung, Regalbestückung, Transport, Zollabwicklung und Display-Konfektionierung.

MM Logistik: Welche Besonderheiten Ihrer temperaturgeführten Services würden Sie besonders hervorheben?

Zum einen den Umfang, zum anderen die Ausprägung, in der Dachser die Leistungen erstellt. Zu nennen ist zunächst das große Spektrum der Kontraktlogistik, die Beschaffung, Lagerprozesse, Distribution und zusätzliche logistische Dienstleistungen für Industrie und Handel aus einer Hand einschließt.

Eine Ware kann aus der Produktion des Kunden oder von Zulieferanten, die in der ganzen Welt sitzen können, in eines von Dachsers Warehouses gebracht, dort gelagert, kommissioniert, konfektioniert und anschließend zu nahezu jedem Punkt in Europa zugestellt werden. Und zwar durchgängig temperaturgeführt und unter ständiger Systemkontrolle, ohne Brüche, mit lückenloser Chargennummern-Verfolgung, auch über mehrere Produktionsschritte hinweg, und von einem Qualitätsmanagement überwacht.

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