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Umformtechnik

Auf Tuchfühlung

| Redakteur: Güney Dr.S.

Neuartiger Pressentyp bietet viele Möglichkeiten bei bescheidenen Installationsanforderungen. Das Bild, das eine Presse für die Umformtechnik über Jahrzehnte dem Anwender oder Betrachter...

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( Archiv: Vogel Business Media )

Das Bild, das eine Presse für die Umformtechnik über Jahrzehnte dem Anwender oder Betrachter vermittelte gibt es nicht mehr. Mit der Entwicklung der so genannten „Synchropresse“ hat sich schon allein das äußere Erscheinungsbild sichtbar gewandelt. Eine Konstruktion aus Standardprofilen, rundum verkleidet – nur das Werkzeug und die vier Spindeln der Spezial-Rollengewindetriebe sind durch eine, ebenfalls rundum laufende, Schutzscheibe zu erkennen. Na, was wird eine solch leichtgewichtig aussehende Presse wohl leisten können, wird sich der Betrachter fragen? Und woher kommt die Idee für eine solche Presse?Die Antwort auf die zweite Frage ist schnell gegeben, wenn man den Entwickler Johannes Hülshorst erklären hört. Selbst über viele Jahre mit der Entwicklung und Konstruktion von Umform- und Stanzwerkzeugen befasst, waren ihm die Möglichkeiten der sich am Markt befindlichen Pressen nicht genug. Er brauchte eine Presse, die einfach zu bedienen ist und mit der er seine Wünsche beim Einfahren der von ihm konstruierten und gebauten Werkzeuge, mit denen er auf Tuchfühlung zum Werkstück geht, problemlos und absolut sicher für Prototypen und Kleinserien einfahren konnte. Aus diesem Verlangen heraus ist die Idee mit der „Synchropresse“ entstanden.Was man auf den ersten Blick nicht als Presse erkennt, hat seine wahren Werte aber vor allem im nicht sichtbaren Teil. Herzstück sind die speziellen Rollengewindetriebe und die elektronische Gleichlaufsteuerung. Die Rollengewindetriebe sorgen dafür, dass das Pressenoberteil je nach Pressen- oder Tischgröße durch zwei oder vier solcher Rollengewindetriebe auf- und abbewegt wird. Dabei wird durch die elektronische Gleichlaufsteuerung sichergestellt, dass alle Spindeln jeweils absolut gleiche Umdrehungen machen. Sie laufen eben synchron, was der Maschine auch den Namen gab. Die Spindeln werden dabei von je einem Servomotor angetrieben. Das Zusammenspiel von Servomotor und Gleichlaufsteuerung der Rollengewindetriebe sorgt in Folge auch für eine absolute Parallelität von Pressenbär und Pressentisch. Dies bleibt auch dann so, wenn außermittige Kräfte vorhanden sind.Alle Kraft- und elektrotechnischen Komponenten sind im Unterteil der Presse untergebracht. Somit ist das Oberteil frei von jeglichem Gewirr der Anschlüsse oder irgendwelchen Medien. Diese Aufgeräumtheit leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Modularität der Synchropresse. So spielt es eigentlich keine Rolle, ob nur ein kleiner Krafterzeuger oder eine großflächige Presse für Folgeverbundwerkzeuge benötigt wird. Die modulare Bauweise unterstützt einen hohen Grad der Wiederverwendung der verwendeten Bauteile. So leicht wie sich die Synchropresse zeigt, so ruhig ist auch ihr Lauf. Denn der Schnittschlag wird aufgrund des starren Pressenaufbaus und der eingesetzten Spindeltechnik auf eine Minimum reduziert - es ist keine Schnittschalldämpfung notwendig. Den Beweis tritt der Erfinder der Synchropresse, Johannes Hülshorst, mit dem 5-Cent-Test bei jeder Präsentation von neuem an. Dazu stellt er ein 5-Cent-Stück mit seiner Kante auf den Pressentisch und fährt mit dem Joystick in der Hand einen Arbeitshub, bei dem das Geldstück seine Lage nicht im geringsten verändert geschweige denn ins Wanken und damit umfallen würde.Diese Laufruhe hat auch wesentlichen Einfluss auf die Installation der Presse, wofür keinerlei bauliche Veränderungen, sprich ein Fundament, notwendig werden. Und weil dies so ist, eignet sich die „Werkstattprobier- und Produktionspresse“, wie sie von Hülshorst genannt wird, für alle denkbaren Stanz- Umform- und Pressaufgaben in allen Bereichen der Metall- Holz- und Kunststoffverarbeitung mit normalen Umgebungen (Bodenbeschaffenheit). Wird die Synchropresse am Vormittag geliefert und installiert, kann sie bereits am Nachmittag ihr erstes Teil produzieren.Die Synchropresse ist nach Aussage ihres Erfinders für die drei Betriebsarten Einrichtbetrieb mit einer Schließgeschwindigkeit von maximal 10 mm/s und Joystick-Betrieb, für den Handeinlegebetrieb mit maximaler Schließgeschwindigkeit und Zweihand-Bedienung sowie für den Automatikbetrieb bestens geeignet.Dem Einrichtbetrieb kommen neben der guten Zugänglichkeit von allen Seiten insbesondere eine kontrollierte Abschaltung, die vor jeglichem Werkzeugschaden schützt sowie die Auswertung der Spindelkräfte, welche den Bediener wertvolle Hinweise auf etwaige Problemzonen des Werkzeuges vermittelt, zugute. Wird das Werkzeug für die Serienfertigung genutzt, so sind auch keine Werkzeuganpassungen notwendig, wenn die Losgrößen auf der Synchropresse wirtschaftlich zu fertigen sind.Die Synchropresse kann sowohl als Einzelpresse wie auch in Linie aufgestellt werden. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit mit zusätzlichen Werkzeugoperationen innerhalb eines Pressenhubs durch die Integration vormals nachgeschalteter Arbeitsgänge zu arbeiten.Zusammenfassend ist die Synchropresse ein völlig neuer Pressentyp, der für zahlreiche Aufgaben beim Stanzen, Umformen und Pressen in den unterschiedlichsten Anwendungen der Metall-, Holz- oder Kunststoffverarbeitung konzipiert ist. Synchropress besticht durch ihre Modularität, die einfache und übersichtliche Konstruktion sowie die bescheidenen Installationsanforderungen.