Hannover Messe Auf Wolke 4.0

Autor / Redakteur: Jonas Scherf / Sebastian Hofmann

Für den MM MaschinenMarkt haben angehende Journalisten Führungen auf der Hannover Messe besucht. Ihre Eindrücke schildern sie hier. Dabei ging es unter anderem um den Nutzen verschiedener Cloud-Anwendungen.

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Amazon lädt zum Besuch in die Cloud ein.
Amazon lädt zum Besuch in die Cloud ein.
(Bild: Selina Mühleck)

Trotz des traumhaften Wetters auf der Hannover Messe 2017 wird man das Gefühl nicht los, dass sich dieses Jahr alles um Wolken dreht. Denn was wohl jedem der 225.000 Besucher aus 70 Nationen trotz aller Sprachbarrieren bewusst wird, ist die Omnipräsenz der Cloud.

„Alles, was der Windradbetreiber im Krisenfall wissen muss, ist über die Cloud abrufbar“, erzählt der Referent vom Unternehmen Phoenix Contact Deutschland mit lauter Stimme, um bei der Lautstärke an diesem Morgen in Halle 9 nicht unterzugehen. Er präsentiert ein Cloud-basiertes Sensorik-System für Windräder, mit dessen Hilfe der Betreiber über sein Smartphone informiert wird, falls es zu Störungen kommt. Schlägt beispielsweise ein Blitz in ein Windrad ein, sollen Informationen über Stärke des Einschlags und Zustand des Windrads in der Cloud gesammelt und dadurch über das mobile Endgerät abgerufen werden können. So kann der Betreiber laut Unternehmen einschätzen, wie stark ein Windrad beschädigt ist, und welche Reparaturen gegebenenfalls nötig sind, ohne direkt vor Ort zu sein.

Kaffee aus der Cloud

Die Cloud als Spiegel des dauerhaften Status Quo – das macht im Zuge von „smarten“ Energielösungen sicherlich Sinn. Doch bei einem Blick über so manchen anderen Messestand wird deutlich, dass sich die Datenwolke auch längst über weitaus trivialere Bereiche des Lebens ausgebreitet hat. Barista 4.0, die Anpassung von Kaffeestärke und Geschmack an die individuellen Vorlieben des Nutzers, drängt sich dem geneigten Messebesucher in Halle 15 geradezu auf. Der Andrang ist groß, auch wenn die meisten Interessenten mit einem verschmitzten Lächeln eher den Eindruck erwecken, als halten sie es für einen Werbe-Gag. Technisch scheint es jedoch ausgereift: In der Cloud speichert die Kaffeemaschine die über Smartphone eingetippten Präferenzen ab und druckt sie als Code auf eine Tasse, mit der man sich sein eigens erstelltes Kaffeerezept aufbrühen lässt. „Smart“ ist also nicht nur die Industrie auf der Hannover Messe – auch die Kaffeemaschine. Ob der Kaffee deshalb besser schmeckt, weiß wahrscheinlich nur die Cloud.

Nach einer gefühlt endlosen Reihe an Messeständen über die Cloud-basierte „Smart Factory“ ist es Zeit für ein wenig frische Luft. Doch hier stirbt dann auch die Hoffnung auf eine kleine Messepause bei wolkenlosem Himmel, denn Amazon ist auf dem Freigelände ebenfalls vertreten. „Werfen Sie gerne mal einen Blick in unsere Cloud“, sagt der nette Herr am Eingang. In einem wolkenförmigen Zelt präsentiert der Global Player unterschiedliche Anwendungen wie beispielsweise „Amazon EC2“, ein Webservice, welcher skalierbare Rechenkapazitäten in der Cloud bereitstellt. Werden vom Anwender für die Datenverarbeitung mehr Rechenkapazitäten benötigt als ihm zu Verfügung stehen, kann er sich weitere Kapazitäten über die Amazon-Cloud „anzapfen“, und bezahlt dabei immer nur für sein tatsächlich verbrauchtes Volumen.

Vorausschauende Wartung dank smarter Kommunikation

Und gerade als der Eindruck entsteht, man hätte nach einem Dutzend Messehallen nun alles gesehen, drängt sich der wohl originellste Vertreter der diesjährigen Cloud-Vertreter ins Rampenlicht. In Halle 8 präsentieren IBM und KONE den „sprechenden Aufzug“. Damit ist keine Alltagskonversation gemeint – die gibt es in Aufzügen ja schon lange und wäre kaum eine Neuheit bei der größten Investitionsgütermesse der Welt. In Dialog tritt der Aufzug hier mit der Cloud und speist sie mit Daten über eventuelle Anomalien. Kommt ein Lift auf einem Stockwerk an und bemerkt im Motor eine erhöhte Temperatur, wird diese Information an die Cloud gegeben, die daraufhin einen Wartungs- oder Reparaturtermin veranschlagt. Dafür sorgt IBMs künstliche Intelligenz Watson, die somit Cloud-basierte Anwendungen auch in der sogenannten „Predictive Maintenance“, also der Voraussage von wahrscheinlichen Ausfällen, zum Standard der Zukunft macht.

Als die Abendsonne in Hannover schließlich untergeht, und auch das Amazon Wolkenzelt keine Besucher mehr hineinlässt, endet der Messetag. Was hängenbleibt, passt zum Motto der diesjährigen Hannover Messe. „Integrated Industry“, also die Vernetzung ganzer Industriesparten im Zuge des Internet der Dinge, ist nur möglich, wenn es eine einheitliche Basis zum Informationsaustausch gibt. Diese wird mit Cloud-Computing möglich und steht deshalb nicht zu Unrecht im Fokus vieler Aussteller.

* Jonas Scherf studiert Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und arbeitet am Expertennetzwerk des MM.

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