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Disruptionen der Arbeitswelt Ausbruch aus dem Datenkäfig

Autor / Redakteur: Linda Becker / Melanie Krauß

Sie heben Nutzlasten, tragen Klebstoffe auf oder erledigen Pick-&-place-Aufgaben: kollaborative Roboter, kurz Cobots, etablieren sich vor allem in der Fertigung als begehrte neue Mitarbeiter.

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Industrieroboter verlassen nicht nur den physischen, sondern mittlerweile auch den Datenkäfig und geben Informationen weiter.
Industrieroboter verlassen nicht nur den physischen, sondern mittlerweile auch den Datenkäfig und geben Informationen weiter.
(Bild: ©Eagle - stock.adobe.com)

Einen spontanen Kurztrip in die Arbeitswelt der Zukunft ermöglichte im April der Rundgang über die Hannover Messe. Besonders beeindruckend: die Fülle von Cobot-Innovationen. An einem „Bionic Workplace“ sorgt etwa ein KI-System dafür, dass ein pneumatischer Leichtbauroboter die Handgriffe seines menschlichen Kollegen bestmöglich unterstützt. Das volle Potenzial der Anwendung ergibt sich aber aus der Vernetzung des Arbeitsplatzes mit anderen Assistenzsystemen und Peripheriegeräten oder sogar mit Kunden und Partnern über eigene Web-Plattformen.

Genau diese Vernetzung von Werkbankarbeit und Datenaustausch ist ein Meilenstein der Cobot-Evolution: Nach dem physischen Käfig verlassen Industrie­roboter nun auch den „Datenkäfig“. Natürlich kommt es weiter darauf an, wie viele Kilogramm ein Leichtbauroboter heben kann oder wie schnell ein FTS (fahrerloses Transportsystem) an eine geänderte Linienführung adaptierbar ist. Genauso wichtig wird in naher Zukunft aber der optimale Informationsfluss zwischen Cobots, Maschinen, Interfaces und Menschen sein. Denn der (Daten-)Horizont des bestmöglichen Arbeitsprozesses an einer Station ist begrenzt; wesentlich spannender sind die Effizienzeffekte, die geschickt verknüpfte, smarte Technologien in Summe beim Wertstrommanagement erzielen.

Zeit für den CCOO?

Um diese Effekte zu erzielen, sollten Führungskräfte bereits heute Teamkonstellationen neu betrachten und die Fähigkeiten von Cobots explizit einbeziehen. Bislang pausieren zum Beispiel viele Leichtbauroboter je nach Auftragseingang, obwohl sie vielleicht bereits nach einfacher Modifikation und Umprogrammierung in dieser Zeit einen anderen Job übernehmen könnten. Dies gezielt zu koordinieren, ist eine zentrale Aufgabe bei der Anleitung von Mensch-Maschine-Teams. Ebenso wichtig ist das Matching zwischen den Leistungsfähigkeiten der Technologien und den Qualifikationen der Mitarbeiter. Cobot-Programmierung wird zum Beispiel in naher Zukunft zum typischen Jobprofil von Facharbeitern zählen.

Das ideale Management-Multitalent für diese Aufgabe gibt es noch nicht. Es gilt, die passenden Berufe beziehungsweise Positionen neu zu entwickeln. Das Leitmotiv kann dabei nur der Blick über die interdisziplinären Grenzen sein: Aspekte der Arbeitssicherheit sind etwa für IT-Profis ebenso relevant wie für den Betriebsrat und die Rechtsabteilung. Der konkrete Outcome einer vollautomatisierten Fertigungslinie interessiert den COO und den CFO, aber nicht unbedingt den CIO. Vielleicht ist es ja an der Zeit, mit einem CCOO (Chief Cobot Officer) diese Schnittstellen zu verknüpfen?

Hier finden Sie den zugehörigen Artikel von Nicole Gaiziunas aus der Serie Disruptionen der Arbeitswelt zum Thema Cobots:

* Linda Becker ist Managing Partner bei LAB & Company in 80539 München, Tel. (0 89) 4 57 09 78-0, webmaster@labcompany.net, www.labcompany.net

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