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China Market Insider Ausländische Investoren stehen in China wieder hoch im Kurs

| Autor / Redakteur: Henrik Bork / M. A. Benedikt Hofmann

Die Erholung in China gestaltet sich schwieriger als erhofft und die chinesische Regierung entdeckt daher gerade ihre Wertschätzung für ausländische Investoren in der verarbeitenden Industrie wieder. Eine Chance für Firmen in Deutschland, die langfristig denken?

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Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
(Bild: ©vegefox.com - stock.adobe.com )

Mit einer Charme-Offensive versucht China, nach der Corona-Krise neue Investitionen der verarbeitenden Industrie anzulocken. „Das fertigende Gewerbe ist das Fundament eines Landes, das Fundament seiner Verjüngung, seiner Stärkung”, sagte vor wenigen Tagen Cheng Nan. Die Liebeserklärung an das fertigende Gewerbe hatte einen poetischen Klang, den man dem Leiter eines Planungsinstituts im regierungsnahen Think Tank CCID nicht unbedingt zugetraut hätte.

Peking versucht erkennbar, dem negativen Einfluss der Corona-Krise auf die direkten Auslandsinvestitionen in China im ersten Quartal dieses Jahres entgegenzusteuern. Sie fielen von Januar bis März um 10,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Nun ist dieses vorübergehende Absacken nicht sonderlich erstaunlich, da ganz China im ersten Quartal unter rigorosen Ausgangsbeschränkungen und Fabrikschließungen zu leiden hatte, die erst seit einigen Wochen schrittweise wieder gelockert worden sind. Dennoch lassen sowohl das Tempo wie die Stoßrichtung der öffentlichen Verlautbarungen derzeit keinen Zweifel: Ausländische Investoren, vor allem aus dem Bereich der verarbeitenden Industrie, sind in China weiterhin willkommen.

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„China wird sich noch weiter für Handel und Investitionen aus dem Ausland öffnen, sich in dieser Beziehung auch weiter modernisieren, um den Schock der Covid-19-Epidemie zu kompensieren”, zitierte Xinhua einen Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Peking. Die in der Folge der Corona-Krise neu aufgeflammte Debatte um eine „Abwanderung” von Herstellern aus China und eine Neuordnung der globalen Lieferketten, die in Peking mit Sorge verfolgt wird, dürfte mit zu der Charme-Offensive beigetragen haben.

Alle staatlichen Medien müssen zur Zeit unisono diese Verlautbarungen wiederholen. Es ist, als hätte Peking ein Schild ausgehängt mit den Worten „China - Wieder geöffnet und weiterhin für Sie da.” Und um den Worten auch sogleich Taten folgen zu lassen, kündigte die staatliche Steuerbehörde an, den Katalog jener Industriezweige zu verlängern, in dem Investoren mit Steueranreizen rechnen können.

„Diesmal werden mehr als 80 % aller Einträge im Katalog der geförderten Industrien aus dem Sektor der verarbeitenden Industrie stammen”, zitierten die „Internationalen Finanznachrichten” (Guoji Jinrong Bao) den Chef-Prüfer der Staatlichen Steuerverwaltung Wang Daoshu. Besonders stark sollen ab jetzt Investoren aus den Bereichen „High-End-Manufacturing, Smart-Manufacturing und Green Manufacturing” unterstützt werden.

Auch Chinas Provinzen und sogar Lokalregierungen stoßen derzeit in dasselbe Horn. Man werde einen „grünen Kanal” zur schnelleren Bewilligung von Auslandsinvestitionen einrichten, verkündeten vor einigen Tagen etwa Beamte in Dongguan, einem Zentrum der verarbeitenden Industrie im chinesischen Perlflussdelta. Gleichzeitig verlasen sie eine lange Liste von Steuerbegünstigungen und direkten Subventionen für ausländische Firmen, etwa im Bereich Forschung und Entwicklung.

Man werde alles mögliche tun, um ausländischen Herstellern in China nach der Corona-Krise wieder auf die Beine zu helfen, sagte Zong Changqing, Direktor der für FDI zuständigen Abteilung im Pekinger Wirtschaftsministerium gegenüber Reportern.

Erholung in China mühsamer als erwartet

Warum China zu diesen Mitteln greift, zeigt ein Blick in die Statistik: In einem schlechten Omen für das, was andere aus Lockdowns und Fabrikschliessungen auftauchenden Volkswirtschaften rund um die Erde nun bevorsteht, gaben die Statistiker in Peking vergangene Woche ein Absacken des Einkaufsmanager-Indexes PMI von 52 auf 50,8 bekannt.

„Unsicherheit im Außenhandel” nannte Chefstatistiker Zhao Qinghe als Hauptgrund für das erneute Schwächeln des Wirtschaftszweiges. Während viele Fabriken in Europa und Nordamerika und Japan entweder noch geschlossen sind oder ihre Produktion gerade erst wieder anfahren, füllen sich die Auftragsbücher chinesischer Produzenten nur schleppend.

Ein zweiter, unabhängiger PMI-Wert, der von dem angesehenen chinesischen Wirtschaftsmagazin Caixin errechnet wird, rutschte sogar erneut in negative Gefilde, auf den Wert von 49,4. Alle Werte unter 50 deuten auf eine bevorstehende Kontraktion eines Wirtschaftszweiges hin. Erst im März war der Caixin-PMI von einem Rekordtief von 40.3 im Februar erstmals wieder auf knapp über 50 gestiegen. Nun also ist er wieder zurück im negativen Bereich.

Es hilft nur bedingt, Fabriken wieder zu öffnen, wenn die im Zuge der Corona-Krise weltweit verhängten Ausgangssperren und Produktionsstopps den Welthandel in eine große Krise gestürzt haben. „Obwohl die Unternehmen allmählich wieder die Arbeit aufnahmen, ist Chinas wirtschaftliche Erholung im April durch einen tiefen Fall der Exportaufträge ernsthaft behindert worden”, zitierte die Zeitung Zhong Zhengsheng, einen Analysten der Caixin Insight Group.

Strenge Quarantäne-Regeln in Peking gelockert

Peking und Nordchina atmen wieder auf. Als eine der letzten Regionen des Landes haben die chinesische Hauptstadt, die sie umgebende Provinz Hebei und die Nachbarstadt Tianjin strenge Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Corona-Krise wieder gelockert.

Das 14-tägige Quarantäne-Gebot, das bisher für alle Reisenden aus anderen Provinzen des Landes gegolten hatte, ist ab sofort aufgehoben. Auch die bislang obligatorische „Selbstisolierung” vieler Bürger in Privatwohnungen oder in zentralen Einrichtungen ist seit Mittwoch vergangener Woche nicht mehr nötig.

Weil Peking Sitz des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und vieler Zentralbehörden des Landes ist, hatten bislang trotz relativ geringer Corona-Infektionszahlen die schärfsten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in ganz China gegolten, und sie sind nun auch erst deutlich später als in anderen Teilen des Landes wieder gelockert worden.

* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Beijing. China Market Insider ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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