Porträt Außen Tradition, innen Fortschritt

Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Simone Käfer

Vor 35 Jahren eröffnete ein US-amerikanischer Hersteller von Flurförderzeugen in einer irischen Planstadt ein Werk. Entgegen der schlechten Ausgangssituation war Hyster bald erfolgreich – mit neuen Strategien und neuer Technik.

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Die Jubiläumsausgabe der Hyster-XT-Serie ist für Lasten zwischen 2 und 3 t ausgelegt.
Die Jubiläumsausgabe der Hyster-XT-Serie ist für Lasten zwischen 2 und 3 t ausgelegt.
(Bild: Hyster)

Unten schwarz, oben gelb – so sehen Flurförderzeuge von Hyster aus, wenn sie das Werk im nordirischen Craigavon verlassen. Räder und Fahrgestell sind schwarz, Aufbau inklusive Fah­rerkabine gelb lackiert – so das Corporate Design. Traditionell und robust außen, neueste technische Entwicklungen innen. Es ist ein Montag im Jahr 2016 im Werk von Hyster. Ein Getränkeproduzent hat ein Flurförderzeug nach seinen Wünschen konfiguriert und bestellt. Im Folgenden wird das Rohmaterial zusammengestellt. Schon vier Tage später steht der frisch lackierte Stapler bereit.

Nach der Eröffnung des Werks im April 1981 dauerte es zehn Werktage, bis ein Flurförderzeug betriebsbereit war. Gefertigt wurde damals ein Typ. Heute sind es deutlich mehr Modelle. 25 Mio. Britische Pfund wurden vor 35 Jahren in Craigavon investiert, um eine Produktreihe von Flurförderzeugen zu fertigen. Das war damals sicher ein Segen für die brandneue Stadt. Sie entstand gut fünfzehn Jahre zuvor, als Hoffnungsschimmer für die wirtschaftlich schwache Region Nordirland auf dem Reißbrett eines schottischen Architekten. Ein Ballungsgebiet mit starker Wirtschaft sollte 20 Meilen südwestlich von Belfast entstehen. Mit Geldprämien werden in den 1970er-Jahren Menschen in die teils leer stehenden Neubauviertel gelockt. Doch die Region bleibt zunächst außen vor.

Anfang der 1990er steht ein Drittel der Wohnhäuser der Stadt leer. Danach aber setzt eine Trendwende ein, die Region erholt sich und erfährt eine Zuwanderung. Heute leben in Craigavon etwa 20.000 Menschen. Der US-amerikanische Flurförderzeug-Hersteller entscheidet sich 1981 für Nordirland und produziert hier bis heute. Damals entstand ein 26.000 m² großer Neubau. Er wurde mit modernen Robotersystemen und numerisch gesteuerten Zuschneide- und Bohrmaschinen ausgestattet. 2016 – 35 Jahre später – arbeiten auf über 40.000 m² mehrere Hundert Mitarbeiter. Tausende von Flurförderzeugen verlassen jährlich das Werk und werden auf das europäische Festland, in den Nahen Osten, nach Afrika und ganz Russland exportiert. Doch selbstverständlich ist dieser Erfolg nicht.

1995: Bedarfsgesteuerte Fertigung

In den ersten zehn Jahren werden 10.000 Stapler gefertigt – mit Erfolg und steigender Nachfrage. Am Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung Nordirlands verhalten sich die Amerikaner antizyklisch und investieren 1991 zusätzlich, vergrößern das Werk und verdoppeln fast die Belegschaft. Vier Jahre später wird die Demand Flow Technology (DFT) im Werk eingeführt. Dieses System von bedarfsgesteuerter Fertigung transformiert die Produktionsabläufe, sodass je nach Nachfrage täglich jedes angebotene Modell gefertigt werden kann. Die Methode erfordert eine flexible Belegschaft und ermöglicht es, das Produktionsvolumen und den Produktmix auf Grundlage der tatsächlichen Verkaufszahlen anzupassen. Gleichzeitig wird die Fertigungskapazität optimal genutzt. Qualitätskontrollen finden hierbei nicht erst nach Fertigstellung eines Staplers statt, sondern bilden einen integralen Bestandteil im gesamten Fertigungsprozess – somit sicher ein ganzheitlicher Ansatz, der die Produktqualität fördert.

Ebenfalls Anfang der 90er wird die XM-Serie eingeführt. Techniken, die erstmals verfügbar sind, werden eingesetzt. Diese Modelle von Flurförderzeugen bieten lange Betriebszeiten und eine hohe Leistungsfähigkeit. Die Fahrerkabine ist vollständig isoliert, um Vibrationen zu reduzieren, bietet zugleich eine gute Sicht durch das Hubgerüst und hat einen niedrigen Schallpegel. 14 Modelle der XM-Serie werden damals gebaut. Das ist vor gut 20 Jahren zugleich ein Schritt zu mehr Auswahl und schnellerer Handlungsfähigkeit.

2003 wird in Craigavon ein weiteres großes Investitionsprogramm umgesetzt. Die Einführung der Hyster-Fortens-Serie stellt mit einer großen Auswahl an Ausstattungsoptionen einen weiteren Meilenstein dar. In den vergangenen zehn Jahren wurde diese Serie zum Markenzeichen des Flurförderzeug-Herstellers.

2009: Flurförderzeuge mit Elektroantrieb

Sechs Jahre später erfährt das Werk eine weitreichende Umgestaltung. Nicht mehr nur Stapler mit Verbrennungsmotoren werden gefertigt. Der Elektroantrieb hält Einzug in Nordirland. Hysters Produktreihe von Elektrostaplern reicht von leistungsstarken, robusten Modellen mit hohen Tragfähigkeiten bis zu kompakten Dreiradstaplern. „Durch unsere Erfahrung wissen wir, wie stark sich die Wahl des passenden Staplers auf den Gesamterfolg und die Gesamtkosten eines Betriebes auswirkt“, sagt Product Launch Manager David Rowell. „Welcher Stapler der richtige ist, hängt vom geplanten Einsatzzweck beim Kunden ab. Wir produzieren Stapler für unterschiedliche Anwendungen, vom Dauereinsatz unter Höchstlast bis zu gelegentlichen Einsätzen mit leichten Lasten. Dabei können die Fahrzeuge äußerlich ähnlich sein – was zählt, ist das Innenleben.“

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Kein anderer Hersteller biete eine so große Auswahl an Staplern, die auf das jeweilige Budget und die geplante Anwendung zugeschnitten seien, heißt es bei Hyster. Allein im Segment der Gegengewichts­stapler mit 2,5 t Tragfähigkeit würden in Craigavon mehr als zwei Dutzend unterschiedliche Modelle vom Band rollen.

Im April 2016 führt der Hersteller anlässlich der 35-jährigen Präsenz in Nordirland seine Hyster-XT-Serie ein. Diese Modelle mit Tragfähigkeiten zwischen 2 und 3 t seien dafür ausgelegt, alltägliche Aufgaben in Logistik, Vertrieb und Fertigung flexibel zu meistern. „Während das robuste, geradlinige Design und die Wartungsfreundlichkeit an die Zielsetzung der XL-Modelle aus dem Jahr 1981 erinnern, basiert das Innenleben der XT-Serie auf den aktuellen technischen Entwicklungen“, berichtet Product Launch Manager Rowell stolz.

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