Umformtechnik Automatisierungssoftware ermöglicht Losgröße 1

Autor / Redakteur: Toni Schneider / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Eine Automatisierungssoftware ermöglicht es nun einem Hersteller von Lkw-Längsträgern, eine Vielzahl verschiedener Geometrien und Formen herzustellen – ohne Werkzeugwechsel. Ein CAD-File aus einer Bibliothek – zukünftig vielleicht sogar aus der Cloud – ist die Datenbasis für den servobasierten Umformprozess.

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Je zehn sich gegenüber stehende Rollformeinheiten bringen den durchlaufenden Walzstahl-Zuschnitt in seine finale Form.
Je zehn sich gegenüber stehende Rollformeinheiten bringen den durchlaufenden Walzstahl-Zuschnitt in seine finale Form.
(Bild: Schneider Electric)

Die Data M Sheet Metal Solutions GmbH hat jüngst eine Maschinenlösung für die Herstellung von dreidimensionalen Walzprofilen vorgestellt. Die für einen asiatischen Hersteller von Lastkraftwagen realisierte Anlage ist für die Produktion von Lkw-Längsträgern ausgelegt. Sie fertigt aus bis zu 7 mm dicken Blechplatinen in einem einzigen Durchlauf dreidimensionale Profile mit über der Längsachse variablen Profilquerschnitten.

Der Vorteil einer solchen Rollformanlage im Vergleich zu klassischen Pressverfahren ist nach Aussage des Herstellers erheblich: Der Wegfall des Formenbaus ist nur ein positiver Effekt, der größte Vorteil liegt in der Flexibilisierung der Produktion. Data-M-Geschäftsführer Albert Sedlmaier beschreibt die eindrucksvollen Möglichkeiten: „Unsere Anlage ist in der Lage, mit ein und demselben Werkzeugsatz variabel Lkw-Längsträger in einer Vielzahl verschiedener Geometrien und Formen herzustellen – ohne Werkzeugwechsel.“

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Der ruckfreie und daher äußerst energieeffiziente Formprozess wird durch je zehn entlang der Umformungsstrecke sich gegenüber stehende Rollformeinheiten durchgeführt. Jede dieser Einheiten ist durch mehrere Servoantriebe unabhängig von den anderen Einheiten bewegbar: Eine Parallelkinematik im Fuß ermöglicht sowohl eine Rotation als auch eine Translation der Umformgerüste, zwei weitere Antriebe ermöglichen eine individuelle Anpassung der Drehgeschwindigkeiten der oberen und unteren Formrollen. Durch das synchrone Zusammenspiel der Bewegungen während des Umformprozesses erzeugen die Formrollen jeder Einheit aus dem durchlaufenden Blechzuschnitt das dreidimensional geformte Rahmenteil.

Die Anlage vereint anspruchsvolles Walzprofilierungs- und High-End-Simulations-Know-how mit einer nicht minder komplexen Automatisierungslösung. Für letztere holte Data M Schneider Electric mit ins Boot, sowohl als Lösungsanbieter für die Hard- und Software als auch für das Engineering: Nach Vorgaben von Data M übernahm das European Flexcenter von Schneider Electric das Engineering für die Schaltplanerstellung, das Schaltschranklayout und den Schaltschrankaufbau.

Automatisierung, Engineering und technischer Support durch Partner

Sedlmaier betont, dass für ihn die Partnerschaft mit Schneider Electric einen hohen Stellenwert hat: „Die Unterstützung von Schneider Electric war ein entscheidender Faktor für unseren Erfolg. Unsere eigenen Entwicklungskapazitäten wären nicht ausreichend gewesen, um eine Steuerungstechnologie zu entwickeln, wie sie in diesem Projekt erforderlich ist. Aber wir sind auch über die Entwicklungsphase hinaus sehr froh über diese Partnerschaft, weil sie uns hilft, international die Ersatzteilversorgung und den technischen Support für solche Anlagen sicherzustellen.“

Die gesamte, dem Formprozess vorgelagerte CAD-Datenaufbereitung und die Simulation finden auf einem PC statt: Mithilfe der dort installierten Data-M-Software wird ein DXF-File erzeugt, aus dem wiederum die Kurvenwerte für die Steuerung berechnet werden. Nach der im Rahmen einer Simulation durchgeführten Kollisionskontrolle werden die Kurvenwerte direkt an die Maschinensteuerung übertragen.

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