Werkzeugmaschinenbau

Automobilindustrie
treibt die Konjunktur an

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Neben China gibt es noch andere interessante Märkte. Ich nenne als Beispiele Indien, Russland oder Brasilien. Welche Perspektiven für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie tun sich in diesen Ländern auf?

Kapp: Brasilien und Indien, denke ich, bieten momentan schon sehr gute Perspektiven, die auch wahrscheinlich so bleiben werden. Was Russland betrifft, müssen wir uns noch ein bisschen in Geduld üben. Aber langfristig ist das ein enorm großer Markt.

Und wie sieht es in Osteuropa aus?

Kapp: Ich denke mal, Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien – das sind alles Märkte, die zum Teil schon gut entwickelt sind, aber die zum Teil immer noch als Niedriglohnländer gehandelt werden. Uns so wird dort auch weiter investiert werden.

Umgekehrt schläft man ja auch im Ausland nicht. So will Taiwan seine Werkzeugmaschinenexporte nach Europa forcieren. China hat sich bereits in Deutschland in verschiedene Werkzeugmaschinenunternehmen eingekauft. Wachsen da jetzt neue Wettbewerber heran oder haben wir noch ein bisschen Luft?

Kapp: Ich glaube schon, dass wir noch Luft haben. Taiwan ist immer ein starker Werkzeugmaschinenhersteller gewesen und das wollen die auch in Zukunft bleiben. Diesem Wettbewerb müssen wir uns in Europa stellen.

Seit der Finanzkrise hat der deutsche Werkzeugmaschinenbau eine beispiellose Aufholjagd hingelegt. Kann man sagen, dass die Branche jetzt eine etwas gemächlichere Gangart einlegt?

Kapp: Gut, wir hatten einen dramatischen Absturz und wir hatten jetzt wieder einen dramatischen Aufstieg. Ich glaube, dass wir uns jetzt wieder der normalen Kurve annähern und dass dadurch eine Verlangsamung des Wachstums stattfinden wird. Das ist eine ganz normale Entwicklung.

Kann man von der etwas geringeren Dynamik im dritten Quartal, was die Auftragsein- gänge betrifft, einen Schluss auf das Jahr 2012 ziehen?

Kapp: Ich glaube, dass es 2012 mit der Branchenkonjunktur sehr gut weitergehen wird. Dieser Kurve haben wir uns bereits angenähert. Also wenn wir jetzt mit vernünftigen, einstelligen Wachstumsraten die nächsten Jahre weitermachen können, dann sind wir sehr, sehr zufrieden.

Herr Kapp, es scheint kein anderes Thema zu geben als die Eurokrise. Die großen Ratingagenturen sagen für 2012 eine Rezession in Europa voraus. Halten Sie das für denkbar?

Kapp: Also wenn man einen Rückgang im Auftragseingang sofort als Rezession deutet, dann hätte diese Aussage eine bestimmte Berechtigung. Aber ich gehe nicht davon aus. Außerdem hoffe ich natürlich, dass die Politik zur Beruhigung der Märkte in den nächsten Monaten beitragen wird, sodass wir uns alle wieder auf unsere wirtschaftlichen Aufgaben konzentrieren können und bei einem Blick in die Presse nicht immer von Schreckensmeldungen verunsichert werden.

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