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Porträt

Automobilpionierin Bertha Benz wurde vor 170 Jahren geboren

| Autor / Redakteur: Esther Niederhammer / Reinhold Schäfer

Mitgift von Bertha wurde in Erfindung investiert

Streng genommen hatte Bertha schon deutlich vorher das Steuer in die Hand genommen. Als sie zwanzigjährig den jungen Ingenieur Carl Benz kennenlernte und von seinen Plänen für ein Fahrzeug ohne Pferde hörte, setzte sie beim Vater durch, dass sie diesen mittellosen Maschinenkonstrukteur heiraten durfte. Auch ihre Mitgift und einen Teil ihres Erbes ließ sie sich vorzeitig auszahlen und investierte das Geld in die Erfindungen von Carl Benz. Technisches Interesse brachte sie mit, ihr Wissen um technische Zusammenhänge erweiterte sie im Laufe der Jahre an der Seite ihres Mannes. Doch der Erfolg ließ lange auf sich warten. Auch nach der im Jahre 1886 erfolgten Patentanmeldung des Benz-Patent-Motorwagens Nummer 1, mit einem Einzylinder-Viertaktmotor mit 0,75 PS, Kühlung, Zündung, Riemen-​Kraft­übertragung, Kettenantrieb und Stahlgestell mit zwei Sitzen waren potenzielle Käufer zögerlich. An Dampfmaschinen im Bergbau und in Fabrikhallen hatte man sich zwar im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte gewöhnt, sich aber direkt auf ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zu setzen, mit all seinem Rattern, Knattern, Dampfen und Gestank, schien wenige Zeitgenossen zu locken und musste wohl noch gespenstischer wirken als heute die neue Generation der künftig selbstfahrenden Autos.

Ob ein Riss ihres Geduldsfadens zu Berthas Pionierfahrt führte oder

Das erste Auto der 
Welt, der Carl-Benz-
Motorwagen.
Das erste Auto der 
Welt, der Carl-Benz-
Motorwagen. (Bild: ©Schepers_Photography - stock.adobe.com)

reine Abenteuerlust, ist nicht ganz klar. Vermutlich beides. Ihr Mut brachte jedenfalls den Durchbruch und war gleichzeitig Auftakt und Meilenstein in der Entwicklung der heutigen Automobilbranche. Zwei Vereine kümmern sich inzwischen um das historische Erbe der Bertha Benz: der Bertha Benz Memorial Club und der Bertha Benz Memorial Route e. V. Die Originalroute der ersten Autofahrt ist zur offiziellen Ferienstraße gea­delt worden.

Bertha Benz erinnert an Anna Fierling

Bertha Benz erinnert ein wenig an Anna Fierling, die Frauenfigur in Berthold Brechts Stück Mutter Courage. Bei Brecht ist es eine Mutter, die mit drei Kindern auf einem pferdegezogenen Planwagen im Dreißigjährigen Krieg den Truppen nachzieht, um Geschäfte zu machen. Bertha Benz ist auch Mutter, auch eigenständig unterwegs, hat zwei Kinder dabei und lenkt den ersten Wagen ohne Pferde. Sie will auch Geschäfte machen, doch sie fährt allen voraus. Während Anna Fierling alles verliert, gewinnt Bertha Benz. Sie ist die Mutter Courage des 19. Jahrhunderts.

Zeitleiste

  • 1886
  • Carl Benz erfindet in Mannheim das Automobil (Reichspatent 37435). Der dreirädrige Motorwagen wird auf dem Fabrikgelände und auf Kurzstrecken getestet und weiterentwickelt.
  • 1888
  • Bertha Benz unternimmt eine heimliche erste Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim, hin und zurück insgesamt 194 Kilometer. Die Fahrt gelingt und verhilft dem Automobil zum Durchbruch.
  • 1944
  • Die Technische Hochschule Karlsruhe verleiht Bertha Benz als erster Frau die Würde einer Ehrensenatorin. Sie stirbt wenige Tage später im Alter von 95 Jahren.
  • 2008
  • Eröffnung der Bertha-Benz-Memorial-Route als Touristik- beziehungsweise Ferienstraße. Die Strecke verläuft fast originalgetreu entlang der ersten Route. Sie ist ein Denkmal deutscher Kultur- und Industriegeschichte und auch European Route of Industrial Heritage (ERIH).
  • 2011
  • Erste Bertha-Benz-Challenge auf der Bertha-Benz-Memorial-Route zum 125-jährigen Jubiläum der Erfindung des Automobils. Weitere Challenges gab es in den Folgejahren.

* Esther Niederhammer ist Journalistin in 34346 Hann. Münden

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