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Wirtschaftsförderung Automotive-Cluster erschließt Marktpotenzial

| Autor/ Redakteur: Josef Nassauer / Bernhard Kuttkat

Die Automobilindustrie ist in Bayern mit rund 180 000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 70 Mrd. Euro die Branche Nummer 1; dennoch gibt es noch Wertschöpfungs- und Umsatzpotenzial, etwa bei Premium-Fahrzeugen, das nun vom Automotive-Cluster erschlossen werden soll.

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Das Auto ist weltweit eines der attraktivsten Technologiepakete und in Bayern eine besonders starke Triebfeder für Innovation. Bild: BMW
Das Auto ist weltweit eines der attraktivsten Technologiepakete und in Bayern eine besonders starke Triebfeder für Innovation. Bild: BMW
( Archiv: Vogel Business Media )

Bis zum Jahr 2020 wird der weltweite Automobilmarkt von zurzeit 63 Mio. Fahrzeugen auf rund 76 Mio. Fahrzeuge ansteigen. Dieses Volumenwachstum wird sich vorwiegend auf Osteuropa, Asien und Lateinamerika konzentrieren. Daneben ist aber auch ein zusätzliches Wertewachstum durch die Steigerung von Qualität und technologischem Standard der Fahrzeuge prognostiziert. Dieser Zuwachs wird sich vorwiegend auf die Märkte der Nafta, in Westeuropa sowie in Japan und Korea beziehen.

Auf dem Markt gefragt sind zurzeit besonders Premium-Fahrzeuge und Kleinwagen mit niedrigem Kraftstoffverbrauch. Im Mittelklassesegment gibt es dagegen deutliche Überkapazitäten mit einem Überangebot an Fahrzeugen und Modellen. Zudem werden neue Automobilhersteller zum Beispiel aus China versuchen, mittelfristig auch die internationalen Märkte zu bedienen. Insgesamt wird die Wertschöpfung bis 2020 um rund 280 Mrd. Euro zunehmen. Ein großer Anteil davon wird auf die Automobilzulieferer entfallen, die über 70% der Wertschöpfung eines Fahrzeuges erbringen.

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Hersteller und Zulieferer in Bayern gut vertreten

Bayern ist sehr gut aufgestellt mit den zwei weltweit führenden Premiumherstellern Audi und BMW, einem bedeutenden Nutzfahrzeughersteller wie MAN, einem Netz von rund 200 exzellenten Zulieferunternehmen von internationalen Mega-Suppliern wie Bosch, Delphi, Magna oder Siemens VDO bis hin zu weltweit agierenden Familienunternehmen wie Brose oder INA Schaeffler und bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen.

Darüber hinaus hat Bayern auch noch zahlreiche Unternehmen mit hoher technischer Kompetenz in Entwicklung und Fertigung, die neu in die Automobilindustrie streben und dort zunehmend Interesse finden. Deren noch intensivere Vernetzung über den neuen Cluster „Automotive“ bietet der einheimischen Automobilindustrie gerade jetzt weitere Chancen regionaler Wertschöpfung – eine wichtige Perspektive, um besser, schneller und flexibler zu sein als der Wettbewerb.

Neue Materialien für den Leichtbau

Weitere Zunahme von Komfort und Sicherheit, geringer Kraftstoffverbrauch und dennoch dynamisches Fahrverhalten sind einige der primären Kundenanforderungen – neue Materialien liefern hierzu einen essentiellen Beitrag, gerade im Leichtbau. Maßgeschneiderte Stahllegierungen für die optimale Kraftaufnahme an kritischen Punkten oder neuartige Versteifungen mit federleichten Epoxidharz-Schäumen sind nur einige Beispiele dafür, wie hohe Belastungen auch durch Bauteile mit geringem Gewicht gemeistert werden. Hier liefern nicht nur Wissenschaft und Großunternehmen entscheidende Beiträge, sondern auch kleine innovative Unternehmen wie etwa die Crosslink Faserverbundtechnik GmbH & Co. KG in Cadolzburg, die dem Handwerk zuzurechnen ist.

Ein bedeutender Aspekt für effiziente Fahrdynamik ist die Weiterentwicklung der Otto- und Diesel-Motortechnologie. Beispiele sind der neue 6-Zylinder-Reihenmotor von BMW mit einer Materialkombination von Aluminium und Magnesium oder die ausgefeilte Dieseltechnologie von Audi. Damit gelang es erstmals, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit einem Diesel zu gewinnen.

Sicherheit und Komfort dank moderner Elektronik

Die Fahrzeugelektronik ist die essentielle Grundlage für die Realisierung einer weiter wachsenden Anzahl von Sicherheits- und Komfortfunktionen, von neuartigen Fahrerassistenzsystemen bis hin zu faszinierenden Technologien für erhöhten Bedienkomfort im Cockpit. Als Beispiel sei „Gest IC“ von der Ident Technology AG in Wessling genannt, einem jungen Unternehmen mit einer faszinierenden Elektronik: Allein durch die Gestik können Fahrer oder Beifahrer berührungsfrei die Instrumente bedienen.

Um diese Innovationen für den Kunden bezahlbar zu machen, sind auch Innovationen im Bordnetz gefordert. Auf diesem Feld ist eine neue Verdrahtungstechnologie von der Leoni AG in Nürnberg richtungsweisend, die Chancen auf Zusammenarbeit und Wertschöpfung auch in der Region eröffnet.

Kooperation bringt Neuerungen

In einem komplexen Produkt wie dem Automobil werden all diese Neuentwicklungen nicht durch Einzelpersonen mit Kenntnissen in einer einzelnen Disziplin entwickelt, sondern durch das Zusammenführen von Kompetenz und Erfahrung aus verschiedenen Technologien und Branchen. Deshalb versteht es die Automobilindustrie wie kaum eine andere Branche, Innovation durch Kooperation in Netzwerken anzugehen, um Entwicklungen mit hohem Neuheitsgrad schnell und mit hoher Wirtschaftlichkeit zu realisieren.

Innovation braucht Partner. Dies betrifft die Automobilhersteller und insbesondere auch die Zulieferer, die den Großteil der Wertschöpfung eines Fahrzeuges erbringen. Vor diesem Hintergrund wurde vom Freistaat 1997 die Bayerische Innovations- und Kooperationsinitiative Automobilzulieferer BAIKA gestartet. Aufbau und Koordination wurden der Bayern Innovativ GmbH – Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer – mit Sitz in Nürnberg übertragen.

Mittlerweile umfasst dieses Netzwerk 1800 Unternehmen und wissenschaftliche Institute aus 40 Ländern. Dies ist eine einzigartige Infrastruktur, die es Unternehmen gezielt ermöglicht, auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene immer wieder neue, bestmögliche Kooperationspartner für zukünftige Innovationen zu finden.

Cluster unterstützt übergreifende Vernetzung

Um gezielt Projekte mit echter Wertschöpfung zu initiieren, konzentriert sich im Cluster Automotive das Themenspektrum auf drei priorisierte Themenfelder: effiziente Fahrdynamik mit den Schwerpunkten Leichtbau und Motorentechnologie, Fahrzeugelektronik mit den Zielsetzungen Sicherheit und Komfort sowie Effizienz und Flexibilität in der Produktion. Erste größere Aktivitäten im Cluster Automotive waren das Kooperationsforum „Trends in der Motorentechnologie“ und das Symposium „Polymere im Automobilbau – Textil, Kunststoff und Faserverbund“.

Der Cluster Automotive unterstützt die individuelle Kontaktanbahnung von Unternehmen und Instituten, aber auch regionale Verbundprojekte wie die angestrebte Etablierung einer automobilen Testregion für Fahrerassistenzsysteme durch den Verbund Fahrzeugsicherheit am bayerischen Untermain. Auf diese Weise eröffnen sich landesweit vielfältige Chancen, neue Kooperationspartner zu finden sowie besser, schneller und flexibler und somit innovativer zu sein im globalen Wettbewerb.MM

Prof. Dr.-Ing. habil. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH in Nürnberg, ist Sprecher des Automotive-Clusters, 90403 Nürnberg, Tel. (09 11) 2 06 71-0, info@bayern-innovativ.de

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