Wirtschaftsentwicklung 2021 BDI warnt: Noch keine Rückkehr zum Vorkrisenniveau zu erwarten

Redakteur: Katharina Juschkat

Der Bundesverband der Deutschen Industrie fürchtet, dass die Erholung der Wirtschaft weiter gefährdet bleibt und in diesem Jahr noch nicht mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau zu rechnen ist.

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„Deutschland braucht ein Wachstumsprogramm 2030“, forderte der BDI-Präsident Siegfried Russwurm.
„Deutschland braucht ein Wachstumsprogramm 2030“, forderte der BDI-Präsident Siegfried Russwurm.
(Bild: BDI)

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet für Deutschland einen BIP-Zuwachs von 3,5 Prozent – also keine Rückkehr zum Vorkrisenniveau im laufenden Jahr. Das erwartet der BDI im ersten Halbjahr 2022. Das berichtet der BDI-Präsident Siegfried Russwurm auf der heutigen Jahresauftakt-Pressekonferenz in Berlin. Im vorigen Jahr war das BIP um rund fünf Prozent eingebrochen. „Für die Exporte gehen wir von einer Steigerung um sechs Prozent aus“, so der BDI-Präsident – nach dem Absturz um elf Prozent 2020.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie ist groß, die wirtschaftliche Lage bleibt schwierig.

BDI-Präsident Siegfried Russwurm

Russwurm bezeichnete die Industrie als Motor, der auch den Wohlstand in unserem Land antreibt. „Umso wichtiger ist es, die Industrie weiter am Laufen zu halten – trotz verschärfter Lage, trotz ausgeweiteter Mobilitätseinschränkungen und großflächiger Schulschließungen.“

Corona-Krise: Politik muss planvoll handeln

Der BDI-Präsident forderte zudem von der Politik eine bessere Berechenbarkeit und mittelfristige Strategien. Vor allem zum Ende des aktuellen Lockdowns erwarte er bessere Lösungen als weitere Schließungen.

Außerdem verschärfe die aktuelle Krise die Anforderungen an den Wandel der deutschen Industrie, so Russwurm. „Deshalb braucht es weniger Belastungen, weniger Bürokratie, weniger Steuern – und bessere Infrastruktur, mehr Anreize für Innovationen und Investitionen.“ Es fehlten allein öffentliche Investitionen von mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr. „Deutschland braucht ein Wachstumsprogramm 2030“, forderte der BDI-Präsident.

Forderung: Klimawandel ohne Belastung von Unternehmen

Auch beim Klimawandel fordert der BDI Unterstützung durch die Regierung: „Der neue nationale CO2-Preis braucht dringend einen wirksamen Korrekturmechanismus: Er muss das Abwandern energieintensiver Industrien in Regionen mit weniger anspruchsvoller Regulierung verhindern und darf gleichzeitig nicht zur Ausrede für neue Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse werden.“

Zusätzliche Belastungen von Unternehmen lehnt Russwurm ab. „Für mehr Investitionen am Standort braucht es ganz sicher keine Diskussion über höhere Steuern“, erklärt er. Stattdessen verwies er auf zwei zentrale Reformideen: „Entscheidend bleibt, die Steuerbelastung der Unternehmen maximal auf wettbewerbsfähige 25 Prozent des Ertrags zu senken. Ein weiterer schneller Schritt für größere Liquidität der Unternehmen ist die Ausweitung der Verlustverrechnung, also die Möglichkeit, Verluste aus 2020 und 2021 mit Gewinnen aus Vorjahren zu verrechnen.“

Positiver Blick auf die Weltwirtschaft

Positiv sieht Russwurm die weltwirtschaftliche Perspektive: „Die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten erleichtert den Weg für multilaterale Lösungen und gemeinsame Initiativen für faire Wettbewerbsbedingungen auf den Weltmärkten“, sagt Russwurm. „Vom globalen Wachstumstreiber China werden unsere Unternehmen profitieren, ebenso wie von der Einigung auf ein Investitionsabkommen, auch wenn es nicht perfekt ist.“ In der Weltwirtschaft sei insgesamt nach dem starken Einbruch solide Erholung in Sicht, vor allem ab dem zweiten Quartal dieses Jahres.

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