Die Welt des Sägens Behringer weist den Weg der Säge in die Welt von Industrie 4.0

Redakteur: Peter Königsreuther

Bereits zum sechsten Mal hat der Sägetechnik-Spezialist Behringer zu seiner Hausausstellung „Erlebniswelt Sägen“ nach Kirchardt eingeladen. Dort konnten alle Behringer-Systeme und die der Partnerunternehmen unter die Lupe genommen werden. „Behringer 4.0“ und Lean Chili sorgten für Antworten auf Probleme durch demografische Veränderungen, und zählten zu den vielen Highlights.

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Die Hausausstellung bei Behringer hat gezeigt: Sägen ist mehr als Teile abzuschneiden! Mit welcher Technik könnte man sonst solche Stahl-Vollprofile präzise in handlichere Scheiben oder Rohre in Ringe verwandeln? Das klappt mit fast allen Materialien hoch präzise und mit relativ wenig Materialverlust. Automation und Industrie 4.0 sowie die passende Steuerungstechnik dazu gehörten zu den Highlights der Ausstellung.
Die Hausausstellung bei Behringer hat gezeigt: Sägen ist mehr als Teile abzuschneiden! Mit welcher Technik könnte man sonst solche Stahl-Vollprofile präzise in handlichere Scheiben oder Rohre in Ringe verwandeln? Das klappt mit fast allen Materialien hoch präzise und mit relativ wenig Materialverlust. Automation und Industrie 4.0 sowie die passende Steuerungstechnik dazu gehörten zu den Highlights der Ausstellung.
(Bild: Königsreuther)

Zur Sprache kamen wirtschaftliche und technologische Aspekte in der Sägetechnik sowohl Fachvorträgen als auch live an vielen Maschinen. Mit Themen wie „Behringer 4.0“ oder „Lean Chili“ greife das Unternehmen Punkte auf, die derzeit die Diskussionen in der Fachwelt beherrschen. Auf einem spannenden Rundgang durch die Werkshallen erlebten die Besucher hautnah die einzelnen Erlebnis-Welten, welche die Behringer-Sägetechnik eröffnen kann.

Die Schwerpunkte der Schau ergaben sich quasi aus dem umfangreichen Produktspektrum, wie es heißt. Außer dem Hauptaussteller Behringer GmbH zeigt auch die Tochtergesellschaft Behringer Eisele GmbH aus Weilheim / Teck ein umfangreiches Programm an leistungsstarker Kreissägetechnologie. Die französische Schwestergesellschaft Vernet Behringer führt Bearbeitungsanlagen für den Stahlbau und Stahlhandel vor. Außerdem präsentiert sich der Marktführer in Sachen Strahltechnik, die Rösler GmbH aus Untermerzbach mit innovativer Oberflächenbehandlung. Zusammen bilden die Unternehmen die Allianz „Partners 4 Steel“ (P4S) mit Lösungen aus einer Hand, insbesondere für den Stahlbau und Stahlhandel.

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Behringer 4.0: Schon heute ist morgen

Die gesamte Industrielandschaft steht erneut vor einem massiven Umbruch: Wie schon in der Vergangenheit die Mechanisierung, die industrielle Massenproduktion und schließlich die Digitalisierung, bedeutet Industrie 4.0 einen weiteren umwälzenden Meilenstein – also eine regelrechte vierte industrielle Revolution.

Durch den Einfluss des Internet in die Produktion, wachsen die reale und die virtuelle Welt zusammen. Was für einige Branchen bereits die neue Wirklichkeit ist, kann etwa für Hersteller komplexer Maschinen noch nicht in völliger Durchgängigkeit Alltag sein. „Behringer 4.0 ist aber auf einem guten Weg“, betont Geschäftsführer Christian Behringer in Bezug auf die Positionierung des Kirchardter Sägemaschinenherstellers. Die Interaktion zwischen Säge- und Kundensystem funktioniere dabei immer reibungsloser.

Die Steuerung birgt das größte Potenzial

Wie es heißt, positionierte sich die Behringer GmbH bereits frühzeitig in Richtung des Umbruchs: sowohl hinsichtlich der Optimierung interner Prozesse als auch mit Blick auf die bestmögliche Unterstützung der weltweit befindlichen Anwender. Der demografische Wandel in den Industrienationen spielte und spiele dabei eine große Rolle. Fachkräftemangel, insgesamt weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter bei stetig steigendem Output machten es nötig, sich seitens der Industrie neu zu orientieren. Als zuverlässiger Partner für maßgeschneiderte Säge- und Materialflusslösungen nutzen Behringer-Anwender aus diversen Industriezweigen bereits heute Techniken von morgen, um mit wenigen Bedienern und intelligenten Steuerungssystemen ihre Aufträge zu bearbeiten, wie Behringer erklärt.

„Insbesondere im Bereich der Steuerungen sehen wir großes Potenzial“, ergänzt der Geschäftsführer. Sie sind intuitiv zu bedienen und erkennen im Idealfall einen Bedienfehler oder eine Unlogik in der Parameterkombination, etwa hinsichtlich des Werkstoffs, des Sägebandes oder der Schnittparameter und melden dies. Mit dem Transportmanagementsystem (TMS) ist das Unternehmen bereits einen Schritt in Richtung hochflexible Systeme gegangen. Das TMS besitzt eine dynamische Funktionalität und navigiert etwa Stahlträger intelligent durch eine komplexe Anlage.

Die Datenflut will beherrscht werden

Dabei sucht es den sinnvollsten Weg zur nächsten Bearbeitungsstation, abhängig vom Inhalt des Auftrags. Das System ist online mit der Fertigungssteuerung in Verbindung. Der dynamische Materialfluss erfolgt termingesteuert; das dynamische Routing prozessgesteuert. Zur Nutzung der großen Flut an Echtzeitdaten müssen diese für den Anwender nachvollziehbar und beherrschbar sein. Die Systeme sollten demnach nur die relevanten Informationen zur Verfügung stellen – und zwar möglichst einfach, schnell und kontextbezogen

Voraussetzung für die weltweite Vernetzung von beispielsweise Maschinen, Lagersystemen und Produktionsplanungssystem ist eine gemeinsame „Sprache“. Sägemaschinen sollen bald in der Lage sein, Informationen auszutauschen, Fehler nicht nur zu melden, sondern diese weitgehend selbständig zu korrigieren und ihre Daten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen.

Intelligente Systeme als Entscheidungshilfe

Die Selbststeuerung des Produktionsprozesses, die so genannte „Flexible Fabrik“, wird in der Fertigung Veränderungen mit sich bringen. „Softwaretechnisch werden die Grenzen der Fabrikhalle überwunden, um auf allen Handlungsebenen, etwa der Fertigungssteuerung und der Unternehmensressourcenplanung, die Effizienz der gesamten Lieferkette zu erhöhen“, erläutert Christian Behringer.

Durch zunehmende Prozessabhängigkeiten und -interaktionen in einem weltweiten firmenübergreifenden Netzwerk wächst die Komplexität, die nur durch Informationsverarbeitung beherrscht werden kann. Noch ist die komplett autonome Fabrik eine Zukunftsvision, die neben den noch offenen technischen Herausforderungen auch auf verschiedene – nicht zuletzt rechtliche - Vorbehalte stößt. Es bleibt auf absehbare Zeit notwendig, dass der Mensch die Prozesse plant und die Systeme ihn bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Mit Lean Chili gegen Fachkräftemangel

Der demografische Wandel zwingt die Industrienationen zum Handeln. Insgesamt weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter müssen einen stetig steigenden Output bewältigen. Der Fach- und Führungskräftemangel sorgt für zusätzliche Brisanz. Zeitlich parallel vollzieht sich ein Wandel der Wirtschaftsstruktur von einer industriell basierten zu einer wissensbasierten Produktion. „Einer immer älter werdenden Erwerbsbevölkerung stehen immer weniger junge Erwerbstätige gegenüber“, Behringer die Problematik zusammen. Studien bestätigen, dass das Thema Fachkräftemangel insbesondere im Mittelstand aktuell ist, und zwar unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.

Seitens der Industrie gilt es deshalb, sich neu zu positionieren, die internen und externen Prozesse zu verschlanken und zu automatisieren. „Generell wachsen die Anforderungen an moderne Produktionslinien. Dem stellen wir uns schon seit geraumer Zeit, müssen und werden natürlich weiterhin diesbezüglich Maßstäbe setzen“, ergänzt er.

Bedienerarmer Betrieb hängt von Steuerung ab

Behringer hat unter dem Begriff „Lean Chili“ ihre In-house-Aktivitäten und Kundenlösungen unter die Lupe genommen. Als zuverlässiger Partner für maßgeschneiderte Säge- und Materialflusslösungen können Behringer-Anwender aus diversen Industriezweigen nun auch hierbei schon heute Techniken von morgen nutzen, um auch mit wenigen Fachkräften komplexe Anlagen zu bedienen.

Voraussetzung für den bedienerarmen Betrieb sind deshalb einfache Steuerungen, die intuitiv zu bedienen sind. „Der Bediener ist heute Generalist, Disponent und Controller in einer Person. Er steuert, überwacht und greift im Notfall ein – und das bei unterschiedlichen Anlagen. Es ist deshalb zwingend notwendig, die Bedienung so einfach wie möglich zu halten. Eine schnelle Einarbeitung und das sichere, angstfreie Beherrschen der Technologie sind immens wichtig für den reibungslosen Ablauf. Hier sind die Hersteller gefragt. Behringer hat auf diesen Wandel schon seit einigen Jahren reagiert, etwa mit Touchpanels und selbsterklärender Symbolik.

Lean-Gedanke bringt Investitionsvorteile

Mit minimalen Umlaufbeständen und Durchlaufzeiten optimale Arbeitsabläufe erhalten – so kann man Lean-Chili für die internen Prozesse bei Behringer beschreiben. „Der Lean-Gedanke ist bei uns in der Fertigung seit vielen Jahren Alltag und steht gleichzeitig immer wieder auf dem Prüfstand“, so der Geschäftsführer. Motivation aller Lean-Überlegungen sei es immer, dem Kunden das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten zu können.

In der Fertigung spielt der Einsatz effektiver Bearbeitungsmaschinen und neuer Bearbeitungsstrategien eine zentrale Rolle. Werden komplexe Bauteile mittels CAM im Vorfeld programmiert und beispielsweise Spannmittel standardisiert, spart man Zeit und damit Kosten. „Die Direktspannung mit Nullpunktsystem hat uns einen entscheidenden Schritt nach vorn gebracht“, unterstreicht er.

Trennung von Wertschöpfung und Logistik schafft Kostentransparenz

Veränderungen nach dem Lean-Prinzip in der Entwicklung und Montage bei Behringer wirken sich positiv aus. „Mit Unterstützung der Staufen-Akademie wurde im Zuge der Entwicklung der HBE-Dynamic Baureihe eine neue Montagelinie installiert“, so Behringer. Unter Einbeziehung der Mitarbeiter hat man die Ist-Situation analysiert, Standards definiert und ein Sollkonzept erstellt. In die bereichsübergreifende Entwicklungsarbeit wurden alle am Prozess beteiligten Abteilungen eingebunden. Interdisziplinäre Teams brachten ihre Erfahrungen und ihr Know-How in die innovative Baureihe ein. Die klare Trennung von Wertschöpfung und Logistik schaffte Transparenz über die Kosten; Montagekonzepte nach dem Pull-Prinzip sorgen für einen angepassten, überschaubaren Durchlauf des Produkts. Notwendig dafür ist die effektive Arbeitsplatzgestaltung und Organisation nach Lean-Gesichtspunkten.

HBE-Dynamic-Baureihe bekommt große Schwestern

Die 2013 eingeführte neue HBE-Dynamic-Baureihe ist laut Behringer eine Erfolgsgeschichte geworden und punktet nun mit serienmäßigen Features, welche die Maschine hinsichtlich der Leistungsstandards in eine andere Liga heben. Zwei große Schwestern der bislang erhältlichen Modelle, wurden auf der Hausausstellung „Erlebniswelt Sägen 2015“ live präsentiert.

Geschonte Sägebänder halten länger

Ganz neu bietet die Behringer GmbH an der HBE Baureihe Features serienmäßig an, die die Prozesssi-cherheit beim Sägen erheblich erhöhen. Die AFC-Steuerung (Auto-Feed-Control) ist ein solches Beispiel: Eine leistungsfähige Schnittdrucksteuerung liefert rechnergesteuert die Daten für Schnittgeschwindigkeit und servogeregeltem Vorschub. Das schützt das Werkzeug sehr effektiv vor Überbelastungen, da der Sägebandrücken während des Schnitts in Echtzeit abgetastet wird. „Hiermit bieten wir unseren Kunden Top-Technik, die sonst in Hochleitungssägemaschinen zu finden ist“, betont Christian Behringer. In Versuchen konnten um 30 % höhere Standzeiten nachgewiesen werden und auch die Qualität der Schnittoberfläche war sichtbar besser, wie es weiter heißt. Die leichte Schrägstellung der Bandlaufräder trage durch die reduzierte Biege-Wechselbelastung ebenfalls zur Schonung der Sägebänder bei.

Materialsparendes Sägen

Möglichst geringe Reststücklängen sind bei hohen Materialpreisen ein wichtiges Argument. Jedoch sollte dies möglichst nicht zulasten einer sicheren Spannung gehen. Die HBE-Dynamic-Baureihe von Behringer hat des-halb serienmäßig einen Doppelspannstock. Denn weniger Bewegung während der Bearbeitung, bessere Ausrichtung und Winkligkeit sowie eine gleichmäßigere Spannung bedeuten einen präziseren Schnitt. Der Nachschubgreifer an der HBE Dynamic ist in robuster Portalbauweise ausgeführt und pendelnd gelagert. Er bewegt sich entlang einer geschlossenen Rollenbahn – ein großer Vorteil beim Bearbeiten kürzerer Abschnitte. Das Absenken des Sägerahmens vor dem Schnitt erfolgt bei der HBE Dynamic mittels einer bewährten und sehr prozesssicheren Technik. Die Höhenerkennung erfolgt nicht etwa elektronisch oder per Eingabe, sondern über einen mechanischen Materialtaster, der die Eilabsenkung stoppt, sobald die Materialoberkante erreicht ist.

Arbeits- und Umweltschutz inklusive

Eine durchdachte Späneabfuhr ist das A und O nach dem Sägeschnitt, weshalb bei der HBE-Dynamic-Baureihe dieser Aspekt bereits bei der Konstruktion berücksichtigt wurde. Das trichterförmige Maschinenbett erlaubt eine gute Zugänglichkeit im Reinigungs- und Wartungsfall. Durch die neue Vollverkleidung der Maschine werden nicht nur aktuelle CE-Richtlinien erfüllt, sondern auch den wachsenden Anforderungen nach Bedienerfreundlichkeit und Arbeits- sowie Umweltschutz Rechnung getragen.

MM

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