Emuge-Franken GmbH Bekanntes für die Zukunft neu entdecken

Redakteur: Andrea Gillhuber

Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens lud die Firma Franken der Emuge-Franken-Gruppe zum Frästechnologietag nach Rückersdorf ein. Thema war aber nicht die Vergangenheit, sondern wie sich die Zukunft gestalten lässt. Dabei spielt auch der demografische Wandel eine Rolle.

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An der Alzmetal wurde auch Nutfräsen mit einem Tannenfräser demonstriert.
An der Alzmetal wurde auch Nutfräsen mit einem Tannenfräser demonstriert.
(Bild: Andrea Gillhuber, MM Maschinenmarkt)

Ein Gebäude im Herzen des Franken-Standorts in Rückersdorf lässt das Alter des familiengeführten Unternehmens erahnen, denn die Architektur unterscheidet sich sehr von den Fabrikhallen, die es umgeben. So alt wie die Firma selbst wird es heute als Werkstatt genutzt. Am Standort Rückersdorf in der Nähe der Frankenmetropole Nürnberg entwickelt und produziert das Unternehmen Fräser. Neben der Standard-, Rohlings- und Walzrollen-Fertigung unterhält die Firma hier auch eine Sonderfertigung, in der Fräser nach Kundenwunsch angefertigt oder modifiziert werden. Die Sonderfertigung war auch der einzige Gebäudekomplex, der den Besuchern im Rahmen der Frästechnologietage Anfang Oktober nicht offen stand.

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Trotz des Jubiläums gab es nur einen kurzen Rückblick in die Geschichte. Fokus lag vielmehr darauf wie das Unternehmen die Herausforderungen aktueller Trends in Zukunft meistern möchte. Als die Herausforderungen definierte das Unternehmen additive Fertigungsverfahren, neue Entwicklungen bei Werkstoffen und Bearbeitungsverfahren.

Zukünftige Herausforderungen

Seit Jahren bestimmen sogenannte Mega-Trends die Industrie. Angefangen von Industrie 4.0 über Nachhaltigkeit bis hin zur Elektromobilität – jeder macht sich Gedanken über die Auswirkungen dieser Trends auf die eigene Firma, auf bestehende Märkte und auf die zukünftige Entwicklung neuer Produkte und Prozesse. Vor allem die Entwicklungen in der Elektromobilität beobachtet die zerspanende Industrie mit Argus-Augen. Kein Wunder, ist der Automobilmarkt mit seinen Verbrennungsmotoren doch einer der größten Märkte für den Industriezweig. Sollte es wirklich zu einem Durchbruch und Massenansturm auf Elektromobile kommen, wird dieser Markt nicht nur für Werkzeugmaschinenhersteller stark schrumpfen, auch die auf Werkzeugbau spezialisierten Unternehmen werden schmerzliche Rückgänge zu verbuchen haben. Die Hoffnung dieser Branche und ein Stück weit auch von Franken ist, dass sich Hybrid-Fahrzeuge gegen die rein elektrisch betriebenen Autos durchsetzen werden.

Additive Fertigungsverfahren als Chance

In den additiven Fertigungsverfahren sieht das mittelfränkisch Unternehmen eine Chance. Zwar werden durch das neue Fertigungsprinzip Schruppfräser an Bedeutung verlieren, doch werden im Gegenzug Schlichtfräser mehr und mehr in den Vordergrund treten. Auch werden sich aufgrund der komplexeren Bauteilestrukturen neue Fräsergeometrien entwickeln; Franken geht davon aus, dass die Fräser länger werden, um auch an schwer zugänglichen Stellen des Werkstücks beispielsweise Schlichtbearbeitungen durchführen zu können. Zudem ändern sich mit neuen Bearbeitungsverfahren wie Lasersintern die Materialeigenschaften der Werkstücke. Welche Auswirkungen dies wiederum auf Schneidegeometrien haben wird, ist noch nicht absehbar.

Die Herausforderung „Neue Werkstoffe“ geht Franken bereits aktiv an: Auf der AMB stellte das Unternehmen ein Werkzeugprogramm für faserverstärkte Kunststoffe vor. Neue Wege geht das Unternehmen auch im Bereich der Bearbeitungsverfahren. Als Trends zeichnen sich hier neue Verfahren wie das Trochoidalfräsen oder das Zirkularpendelnutfräsen ab. Bei der Bearbeitung von Freiformflächen werden nach Meinung von Franken Kreissegmentfräser die Kugelfräser ablösen.

Der Markt für Werkzeuge ist geprägt vom Verdrängungswettbewerb. Allerdings verfolgt Franken einen anderen Ansatz: Anstatt mit anderen Firmen geht Franken mit seiner Frästechnik in Wettbewerb zu anderen Bearbeitungsverfahren. Die Mittelfranken möchten beispielsweise Zirkular- und Helixfräsen als Alternative zum klassischen Bohren ins Rennen bringen. Das Unternehmen ist sich durchaus bewusst, dass die Oberflächenqualität nicht vergleichbar mit der durch klassisches Bohren erzeugten Oberfläche ist. Im Bereich des Vorbohrens aber könnte Fräsen aufgrund des hohen Zeitspanvolumens eine Alternative sein. Als weitere Bearbeitungsverfahren, die durch Fräsen substituiert werden könnten, nennt das Unternehmen auch Räumen und Polieren beispielsweise durch Einsatz eines Vielzahnfräsers. Bei einem Vielzahnfräser entspricht die Zähnezahl dem Durchmesser. Der Vorteil: viele Zähne bedeuten feine Späne und aufgrund dessen eine sehr gute Oberfläche. Deshalb ist Franken zuversichtlich, mit dem Vielzahnfräser für manche Anwendungen eine Alternative zum teuren Polieren zu bieten.

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Demografischer Wandel als Wachstumstreiber

Neben der Substitution von Bearbeitungsverfahren sieht das Unternehmen in verschiedenen Marktsegmenten Wachstumspotenzial. Dazu zählen unter anderen die Luft- und Raumfahrt sowie die Medizintechnik. Letztere bietet vor allem aufgrund des demografischen Wandels und der damit verbundenen wachsenden Nachfrage nach künstlichen Gelenken ein gewisses Potenzial. Hier spielt dann auch der neue Werkstoff Titan eine Rolle. Er wird vor allem für künstliche Knie- und Hüftgelenke verwendet. Zudem lassen moderne Fertigungsverfahren es zu, die künstlichen Gelenke individuell auf den Patienten anzupassen.

Industrie 4.0 spielt für den Werkzeugspezialisten eine untergeordnete Rolle, da das Werkzeug selbst keine Intelligenz besitzt.

Dass Franken sich für die Zukunft rüstet, zeigt auch die Planung eines Neubaus, um die Fertigungskapazitäten zu erweitern und Durchlaufzeiten zu verkürzen. Wann das neue Gebäude stehen wird, wissen die Verantwortlichen noch nicht. Die Bauvoranfrage läuft. MM

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