Exportmärkte Binnenkonjunktur soll Südkoreas Maschinenbau beleben

Autor: Stéphane Itasse

Die schwache Wirtschaft des Landes hat auch Südkoreas Maschinenbau zu spüren bekommen: Der Maschinenbauverband Koami (Korea Association of Machinery Industry) erwartet für 2016 ein Plus von nur 1,5 % bei der Inlandsnachfrage. Besser sieht es allerdings für die Werkzeugmaschinen aus – hier ist eine Trendwende zu erwarten.

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Auch wenn es nicht allen Kundenbranchen gut geht, zeigt sich Südkoreas Werkzeugmaschinenbranche für 2016 optimistisch.
Auch wenn es nicht allen Kundenbranchen gut geht, zeigt sich Südkoreas Werkzeugmaschinenbranche für 2016 optimistisch.
(Bild: Fouhy)

Die Werkzeugmaschinenbauer mussten im vergangenen Jahr nach Angaben ihres Fachverbandes Komma (Korea Machine Tool Manufacturers' Association) einen Rückgang auf 53.865 Mrd. Won (gut 42 Mio. Euro) verkraften, im Jahr 2014 hatte dieser Wert noch bei 58.769 Mrd. Won (45,94 Mio. Euro) gelegen. Derweil unterstützt die Regierung in Seoul die Branche mit einem Investitionsprogramm von 416,1 Mrd. Won (knapp 325 Mio. Euro) bis 2020. Die Mittel sollen in acht Bereiche investiert werden, um smarte Fabriken voranzutreiben: smarte Sensoren, cyberphysische Systeme, additive Fertigung, Energieeffizienz, Internet der Dinge, Big Data, Cloud-Anwendungen und Hologrammtechnik.

Die Branche, Nummer vier im weltweiten Vergleich, kann allerdings auf eine Trendwende hoffen, wie der stellvertretende Komma-Vorsitzende Cho Sang Yong im Interview mit unserem Schwestermagazin MM Korea zu Jahresbeginn sagte. Auf der Grundlage einer Befragung der Verbandsmitglieder ging er von 4 % Produktionswachstum für das laufende Jahr aus. Davon sollen nach seinen Worten vor allem die kleineren und mittleren Hersteller profitieren, die stärker als die großen Konglomerate auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind. Die Importe sollen 2016 um 2,4 % steigen.

Südkoreas Werkzeugmaschinenbauer sind im Inland gut aufgestellt

Im Inland profitiert die Werkzeugmaschinenbranche nach Auskunft von Cho davon, dass sie die Produkte einfach und zuverlässig bereitstellen kann. Im internationalen Wettbewerb hingegen finden sich die Hersteller in einer Sandwichposition wieder: Auf der einen Seite kommen sie nicht an das technische Niveau der Maschinen aus Deutschland oder Japan heran, auf der anderen Seite werden die preisgünstigen Produkte aus der Volksrepublik China oder Taiwan qualitativ immer besser, sodass die koreanischen Maschinenbauer von dieser Seite unter Druck kommen. Immerhin sollen im laufenden Jahr die Exporte in Schwellenländer wie Vietnam oder Indonesien kräftig wachsen.

Bei den Kundenbranchen des Maschinenbaus bereitet derzeit eine ganz besondere Sorgen: der Schiffbau. Die seit Jahren rückläufigen Frachtraten für den Schiffstransport setzen nicht nur den Reedereien aus aller Welt schwer zu (siehe Kasten), auch die südkoreanischen Werften müssen nach einer Studie der Korea Development Bank im laufenden Jahr mit mehr als 90 % Auftragseinbruch rechnen. Auch nach den Angaben von Clarkson Research Services, einem Informationsdienstleister für die Schifffahrt, haben die koreanischen Werften im ersten Halbjahr 2016 Aufträge für gerade einmal 27 Schiffe erhalten. Derartig schlecht waren die Zahlen selbst während der Asienkrise im Jahr 1999 oder der Finanzkrise des Jahres 2009 nicht.

Produktion der südkoreanischen Werkzeugmaschinenindustrie (in Mrd. Won)   
JahrZerspanungsmaschinenUmformmaschinengesamt
200828 92417 22648 310
200922 35510 92135 197
201034 44715 08253 278
201142 40417 73763 753
201239 44117 72361 763
201337 18914 69156 391
201442 33216 43858 769
201535 06515 06653 865  
Quelle: Komma

Ein Beispiel: Das Schiffbauunternehmen DSME hat laut einem Bericht der Deutsch-Koreanischen Handelskammer (AHK Korea) im zweiten Quartal einen Verlust von 1,22 Bill. Won verzeichnet, umgerechnet sind das über 950 Mio. Euro. Das Gesamtvermögen lag Ende Juni bei 15,6 Bill. Won (knapp 12,17 Mrd. Euro) und die gesamten Verbindlichkeiten bei 16,8 Bill. Won (13,1 Mrd. Euro). Bedingt durch den hohen Verlust musste DSME ein negatives Eigenkapital von 1,23 Bill. Won (knapp 960 Mio. Euro) ausweisen. Ohne die Aufnahme von zusätzlichen Krediten könnte das Schiffbauunternehmen in eine schwere Überlebenskrise geraten, heißt es.

Die koreanische Regierung plant, bis 2020 rund 9 Mrd. Euro in die einheimische Schiffbauindustrie zu investieren, wie die AHK weiter berichtet. Die Gelder fließen unter anderem in den Bau von 250 Schiffen für die öffentliche Hand.

Mehrere südkoreanische Konzerne planen große Projekte

Auch für die Automobilindustrie sieht es derzeit nicht rosig aus: Die fünf koreanischen Autohersteller (Hyundai, Kia, Korea GM, Renault-Samsung und Ssangyong) setzten laut AHK Korea im September auf dem Binnenmarkt 111.159 Autos ab, was gegenüber der Vorjahresperiode einen Rückgang von 13 % darstellt. In den Bilanzen von Hyundai Motors sah es dann so aus: Der Autohersteller hat im dritten Quartal 2016 die schlechtesten Geschäftsergebnisse seit sechs Jahren verbucht. Der Betriebsgewinn fiel im Vorjahresvergleich um 29 %. Allerdings war das Unternehmen auch von Streiks belastet worden.

Auf der anderen Seite gibt es nach Angaben der Kammer noch eine ganze Reihe von Großprojekten südkoreanischer Konzerne, von denen auch Maschinenbauer profitieren können. So plant Samsung Electronics, allein in der zweiten Jahreshälfte mehr als 17 Bill. Won (13,26 Mrd. Euro) in die Ausweitung von Fertigungsanlagen zu investieren. Die geplanten Investitionen sollen überwiegend in den Sektoren 3D-Nand-Flash-Speicherchips und OLED-Bildschirmen für Smartphones getätigt werden. Auch LG Display hat beschlossen, 1,99 Bill. Won (1,55 Mrd. Euro), für den Aufbau von flexiblen OLED-Produktionslinien zu investieren. Die Produktionsstätte soll in der Stadt Paju errichtet werden.

Das Unternehmen LG Chemical hat sich dafür entschieden, mit einem Investitionsvolumen von 400 Mrd. Won (312 Mio. Euro) die Produktionskapazitäten der Fabrik für Elastomere in Daesan/Chungnam zu erweitern. Dem Plan zufolge soll die Produktionskapazität für Elastomere im Jahr 2018 von 90.000 t auf 290.000 t steigen. Dadurch würde LG Chemical bei der Produktion von Elastomeren weltweit den dritten Platz, nach Dow Chemical und Exxon Mobil, einnehmen.

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