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Wirtschaftsentwicklung 2016 Binnennachfrage sorgt für konjunkturellen Rückenwind

| Autor/ Redakteur: Ulrich W. Schamari / Jürgen Schreier

Durchaus optimistisch sind die Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforscher und Bankenvolkswirte für das Jahr 2016. Getrieben wird das Wachstum hauptsächlich vom Binnenmarkt, namentlich vom Konsum. Im Maschinenbau und in der Elektroindustrie fallen die Erwartungen nicht ganz so positiv aus.

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Auch das Jahr 2016 wird von einem soliden Wirtschaftswachstum geprägt sein.
Auch das Jahr 2016 wird von einem soliden Wirtschaftswachstum geprägt sein.
(Bild: Swepro)

Einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2 % erwartet die staatliche KfW-Bankengruppe. Chefvolkswirt Jörg Zeuner berichtete in Frankfurt, dass der private Konsum der primäre Wachstumstreiber sein werde. Für die Investitionsgüterindustrie stellte er dagegen eine etwas zurückhaltendere Prognose: „Sie sieht auch gut aus, aber die zusätzliche Dynamik kommt im Wesentlichen aus der Konsumgüternachfrage.“

Die KfW gehe aber davon aus, dass die Exporte im neuen Jahr um etwa 5 Prozent wachsen werden, so dass sich das Umfeld auch für die Maschinenbauer und andere Hersteller von Investitionsgütern nach dem weltweiten Rückgang der Nachfrage wieder etwas verbessert. Schließlich hätten einige große Schwellenländer angekündigt, mit staatlichen Infrastruktur-Investitionen den internen Ausgleich zu schaffen. Das internationale Umfeld sei also auch für die Investitionsgüterindustrie weiterhin gut, doch in Deutschland werde das Hauptwachstum aus dem Konsumgüterbereich kommen.

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KfW erwartete Anstieg der Unternehmensinvestitionen

Das sorgt dafür, dass der Aufschwung der deutschen Wirtschaft weitergeht und 2016 nochmals an Fahrt gewinnt, nachdem 2015 bereits ein BIP-Zuwachs von 1,7 % gegenüber dem Vorjahr erzielt wurde. „Getrieben wird das in Deutschland von einer sehr starken Binnenkonjunktur“, erläuterte Zeuner. Betrachte man die einzelnen BIP-Komponenten, so lasse sich erkennen, dass die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates maßgeblich zum Wachstum beitragen. Erfreulich sei auch das Ansteigen der Unternehmensinvestitionen, mit dem man nach 2015 erneut rechnen könne. Der private Wohnungsbau entwickle sich als eine weitere große Komponente für den Aufschwung.

„Den Außenbeitrag halten wir als Wachstumstreiber für sehr gering“, merkte Zeuner kritisch an. Aus der guten Binnenkonjunktur resultiere eine Importnachfrage, die bedeuten könne, dass das Mehr an Export in etwa ausgeglichen werde und so der Außenbeitrag zum Wirtschaftswachstum nahe Null liege. Die Stützen der Binnenkonjunktur blieben auch 2016 erhalten: die Beschäftigungssituation, die Reallohnentwicklung, die niedrigen Zinsen und ein Stück weit in diesem und den folgenden Jahren die Mehrausgaben wegen der Asylzuwanderung, die in Deutschland bereits in vollem Gange sei. Vor allem aber der Zusammenhang zwischen Einkommen und Konsum sorge für eine sehr deutliche Konjunkturbelebung.

Ifo: Privater Konsum bleibt Stütze des Aufschwungs

Eine ähnliche Beurteilung liefert das Ifo-Institut und hebt seine Konjunkturprognose für 2016 sogar an – auf jetzt 1,9 %, nachdem im Sommer nur 1,8 % von den Münchener Forschern erwartet wurde. „Der verhaltene Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort“, äußerte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Der private Konsum bleibe auch für ihn die Stütze des Aufschwungs, da die Einkommensperspektiven der privaten Haushalte wegen der weiter verbesserten Arbeitsmarktlage gut seien. Hinzu kämen die höheren kreditfinanzierten Staatsausgaben für die Flüchtlinge, die einen temporären Nachfrageschub zu Lasten zukünftiger Perioden bedeuteten. Die Zahl der Erwerbstätigen werde 2016 von 43 Mio. im Vorjahr auf 43,4 Mio. steigen.

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