Lasertechnik Blech + Laser = Kunst

Autor / Redakteur: Oliver Hergt / Luca Meister

Carlo Borer entwirft einzigartige Kunstwerke aus Stahl. Mit seinem bisher grössten Projekt geht der Schweizer Künstler an die Grenze des technisch Machbaren. Bei der Umsetzung spielen Laserschneidsysteme und Softwarelösungen von Bystronic eine entscheidende Rolle.

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Carlo Borer, Künstler und Designer: «Ich denke in Formen.»
Carlo Borer, Künstler und Designer: «Ich denke in Formen.»
(Bild: Oliver Hergt)

Anstrengende Monate liegen hinter Carlo Borer. Sein bisher grösstes Objekt steht kurz vor der Auslieferung an einen Schweizer Auftraggeber. 2,8 Tonnen Edelstahl. Ein wuchtiger Koloss. Sechs Meter lang und über 3,5 Meter hoch. „Die letzten Wochen der Abschlussphase waren brutal. Alle waren angespannt, ich selbst vermutlich am meisten“, berichtet Borer rückblickend. Trotz der präzisen Berechnungen im Vorfeld hat erst die Fertigung gezeigt, ob sich der Stahl in die gewünschte Form bringen lässt und ob er die Konstruktion trägt.

Hermetische Grenzgänge

Carlo Borer bringt Stahl in ungewohnt dynamische Formen. Geschwungene Linien, verdrehte Flächen und scharfe Kanten sind markante Gestaltungselemente seiner Skulpturen. Die Formen bewegen sich an der Grenze zwischen organischer Naturwüchsigkeit und technischer Konstruktion. Auf den Betrachter wirken diese Grenzgänge fast hermetisch, da sich die Objekte jeder Vergleichbarkeit entziehen.

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Um Stahl bei diesen Formen in den Griff zu bekommen, dürfen die Skulpturen idealerweise einen Umfang von 2,5 Meter nicht überschreiten. „Alles, was darüber hinaus geht, wird eine Herausforderung“, erklärt der Künstler während eines Rundganges im Atelier.

Je grösser, desto schwieriger

Normalerweise wiegen die Objekte von Carlo Borer nicht mehr als 500 Kilogramm. Die Bleche sind drei Millimeter dick und lassen sich bei der Montage gut verarbeiten. Die Statik der Figuren bleibt trotz der gewundenen Flächen relativ kompakt. Das wiederum gibt insgesamt wenig Verzug und Spannungen im Material.

Die Dimensionen der neuesten Skulptur bewegen sich jedoch in einem Grenzbereich. Die Objektflächen sind diesmal deutlich grösser und die Bleche sind bis zu fünf Millimeter stark. Das bringt mehr Gewicht in die Konstruktion. Für enorme Spannung im Material sorgt zudem eine freitragende Schleife, die sich auf halber Höhe kraftvoll durch die gesamte Skulptur zieht. „Je grösser, desto schwieriger“, lacht Borer.

Hightech-Werkzeuge

Für die Realisierung seiner Projekte ist der Künstler neben viel Erfahrung im Umgang mit Stahl vor allem auf Hightech-Werkzeuge und zuverlässige Partner angewiesen.

Während der Konstruktionsphase stellt beispielsweise das Berechnen der geschwungenen Flächen eine besondere Herausforderung dar. Um diese später aus dem Blech schneiden zu können, müssen sie zweidimensional abwickelbar sein. Das führt die herkömmliche Software an ihre Grenzen.

Ein Architekt der ETH Zürich hat speziell hierfür Erweiterungen entwickelt, die Carlo Borer eine digitale Optimierung der komplexen Freiflächen ermöglichen. „Ohne die Tools von Lorenz Lachauer wäre das eine oder andere Objekt sicher nicht möglich gewesen“, versichert Borer.

Zuverlässige Partner

Nur wenige Fussminuten vom Atelier in Wanzwil entfernt befindet sich die Michel AG. Das Unternehmen beliefert Gross- und Kleinkunden in allen Bereichen der Metallverarbeitung. Der Geschäftsführer, Pascal Michel, gehört zu den engsten Lieferanten des Künstlers.

„Die Anfragen von Herrn Borer kommen fast immer als Eilaufträge rein“, resümiert Michel mit einem scherzhaften Seufzer. „Wir schauen dann, dass wir die Auftragsdaten schnell auf die Laserschneidanlage bekommen.“

Die Aufträge des Künstlers gehen in der Regel per E-Mail bei der Michel AG ein. Eine DXF-Datei enthält die geometrischen Daten der zu schneidenden Bleche. Hier ist vor allem die einfache und schnelle Einbindung der Auftragsdaten in die Software-Umgebung bei Michel entscheidend. Die Teile von Carlo Borer sind komplex und bereiten als Kleinauftrag grossen Aufwand. Meist handelt es sich um Unikate, für die nur ein einziges Mal ein kompletter Fertigungsprozess erstellt wird.

Bystronic Line-up

Bystronic stellt für diese Abläufe eine flexible und leistungsfähige Software bereit. Mit BySoft 7 erstellen die Mitarbeiter der Michel AG aus den eingehenden Auftragsdaten intelligente Schneidpläne. Mittels „Nesting“-Verfahren lassen sich die Teile auf dem Blech optimal arrangieren. Darüber hinaus schlägt die Software automatisch geeignete Schneidparameter für die bestmögliche Schnittqualität vor. „Bei den Aufträgen von Herrn Borer entscheidet am Ende die Qualität“, betont Pascal Michel.

Qualität ist natürlich auch bei allen anderen Kunden ein wichtiges Argument. Aus diesem Grund setzt man bei der Michel AG auf Bystronic. Die erste CO2-Laserschneidanlage wurde 1993 angeschafft. «Das war eine ‹Bystar 3015› – ein flexibler und zuverlässiger Allrounder», erinnert sich Geschäftsführer Michel. Mittlerweile sind eine Byspeed 3015 und eine weitere Bystar 3015 hinzugekommen.

Kompaktes Fertigungssystem

Die drei Anlagen sind an das vollautomatische Lagersystem Bycell Line gekoppelt. So entsteht ein kompaktes Fertigungssystem mit schnellem Zugriff auf das gesamte Materialsortiment im Blechlager. Für die Aufträge von Carlo Borer ist das weniger relevant, aber für die Fertigungsserien der Grosskunden schon. Hier steht die Michel AG mit einer automatisierten und effizienten Bearbeitungszelle bereit.

Ein Bytube-Rohrlaser und eine Wasserstrahlschneidanlage Byjet 3015 ergänzen im Schneidbereich das Line-up. Gebogen wird bei Michel unter anderem auf einer Hämmerle 3P 225t und einer Beyeler PR 320t IPC.

Erfolgreiches Gespann

Carlo Borer, die Michel AG und Bystronic bilden zusammen ein erfolgreiches Gespann. Man kennt sich über die jahrelange Zusammenarbeit und schätzt die Nähe zum anderen. Der Hauptsitz der Bystronic Laser AG in Niederönz liegt nur wenige Minuten entfernt von der Michel AG in Herzogenbuchsee und dem Atelier von Carlo Borer im angrenzenden Wanzwil. Das gibt immer wieder Anlass für gemeinsame Projekte. Man darf also auch auf zukünftige Grenzgänge des Künstlers gespannt sein.

* Oliver Hergt, Bystronic Laser AG, CH-3362 Niederönz.

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