Krisenjahresbilanz Bosch blickt trotz Krisenjahr zufrieden auf das Ergebnis

Redakteur: Peter Königsreuther

Nach vorläufigen Zahlen erreichte das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) rund 1,9 Mrd. Euro. Die EBIT-Rendite liegt damit voraussichtlich bei rund 2,5 prognostiziert Bosch.

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Vorabinvestitionen tragen erste Früchte! Auch wenn 2020 ein Krisenjahr war und Corona weiter grassiert: Bosch vermeldet durchaus Positives zum vergangenen Geschäftsjahr und zur Zukunft.
Vorabinvestitionen tragen erste Früchte! Auch wenn 2020 ein Krisenjahr war und Corona weiter grassiert: Bosch vermeldet durchaus Positives zum vergangenen Geschäftsjahr und zur Zukunft.
(Bild: Bosch)

Stuttgart – Im Geschäftsjahr 2020 erzielte die Bosch-Gruppe trotz Corona-Krise und rückläufiger Automobilproduktion ein positives Ergebnis. Das Geschäft des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens entwickelte sich damit besser als zunächst erwartet. Bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen stieg das EBIT voraussichtlich auf rund 3,3 Mrd. Euro oder rund 4,5 % vom Umsatz. Der Gesamtumsatz belief sich auf 71,6 Mrd. Euro und lag damit wechselkursbereinigt 4,4 % unter Vorjahr.

„Den Auswirkungen der Pandemie zum Trotz, haben wir ein deutlich positives Ergebnis erzielt – dies verdanken wir in erster Linie dem außergewöhnlichen Engagement unserer Mitarbeiter“, sagt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Zudem habe sich erneut die breite Aufstellung nach Regionen wie auch nach Unternehmensbereichen bewährt. „Mit Investitionen in wichtige Zukunftsfelder, wie nachhaltige Mobilität, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz bauen wir unsere Innovationsführerschaft weiter aus.“ Insbesondere aus der Kombination von Künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT) – kurz KIoT – verspreche sich Bosch gute Wachstumschancen.

Konsequente Reaktionen und Rekord-Cash-Flow

In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2020 erholte sich der Umsatz von Bosch erheblich, nachdem ja im Frühjahr der Absatz durch die Shutdowns in vielen Ländern und Branchen drastisch eingebrochen war. „Mit der Geschäftsentwicklung im Krisenjahr 2020 sind wir insgesamt sehr zufrieden“, sagt auch Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Man habe rasch reagiert, um die Kosten und Investitionen an den Umsatzrückgang anzupassen – ohne dabei wichtige Zukunftsthemen zu vernachlässigen. Deshalb konnte Bosch mit rund 5 Mrd. Euro über den bislang höchsten freien Cash-Flow der Unternehmensgeschichte freuen. Das sicherte dem Unternehmen in der Krise finanzielle Spielräume, heißt es. Die Investitionsquote beziffert sich mit 5 %. Das sind rund 1 Mrd. Euro an finanziellen Mitteln, die man im Vergleich zum Vorjahr einsparen konnte.

Bosch setzt auf zukunftssichernde Trends

Auch in der Krise richte Bosch seine Strategie auf wichtige Zukunftsfelder aus. Damit ist etwa das nachhaltige Wirtschaften gemeint. Als wesentlichen Meilenstein bezeichnet Bosch die erfolgreiche Klimaneutralstellung der weltweit 400 Standorte, was bereits im Frühjahr 2020 geschafft wurde. Bosch habe Wort gehalten, und gilt nun als erstes global aufgestellte Unternehmen. Eine unabhängige Beglaubigung sei derzeit in Arbeit. Auch bekräftigt Denner das nächste Ziel: „Bis 2030 will Bosch die CO₂-Emissionen entlang der Lieferkette um 15 % senken.“

Die Erfahrungen aus der eigenen Klimaneutralstellung gibt Bosch mit seiner Geschäftseinheit Bosch Climate Solutions auch an andere Unternehmen weiter – zu den Kunden gehören etwa Freudenberg, Hansgrohe oder Köhler Papier. „Mit unserer neuen Beratungsgesellschaft ebnen wir nicht nur den Weg in die klimaneutrale Wirtschaft, sondern erschließen auch neue Wachstumsfelder“, betont Denner. Deshalb forciere Bosch auch neue und weiterentwickelte technische Möglichkeiten mit Blick auf die Zukunft des Autofahrens. So hat das Unternehmen auf den Weg zur nachhaltigen Mobilität bereits 5 Mrd. Euro in den elektrischen Antrieb investiert. Allein in diesem Jahr wende Bosch 700 Mio. Euro für die Entwicklung elektrifizierter Mobilitätsalternativen inklusive Brennstoffzelle auf – knapp 40 % mehr als im Vorjahr, merkt das Unternehmen an.

E-Mobilität soll Kerngeschäft werden

„Unser Ziel ist die Marktführerschaft in der E-Mobilität mit Batterie- und Brennstoffzelle“, sagte Denner. Schon heute sei Bosch beim elektrischen Fahren und in der Elektromobilität das am besten und breitesten aufgestellte Unternehme – vom E-Bike bis zum Truck. Hohe Vorleistungen tragen Früchte: Das Bosch-Geschäft mit der Elektrifizierung des Antriebs wächst derzeit doppelt so schnell wie der Markt und beträgt bereits mehrere Milliarden Euro, lässt Denner wissen. Seit 2018 hat das Unternehmen 90 Projekte für die Elektrifizierung des Antriebs gewonnen, davon allein 30 im vergangenen Jahr im Wert von 7,5 Mrd. Euro. Mehr als 2,5 Mio. Fahrzeuge weltweit fahren deshalb bereits mit elektrischen Antriebskomponenten von Bosch.

Die Automobilisten brauchen den gleitenden Strukturwandel

Mit Blick auf den Strukturwandel und die kommende Euro7-Regulierung sieht der Bosch-Chef die Automobilbranche in einer anspruchsvollen Übergangsphase. „Die Elektromobilität kommt, und Bosch treibt diesen Wandel seit Jahren aktiv voran“, so Denner. Aber die nötigen Vorleistungen müssten aus dem bestehenden Antriebsgeschäft finanziert werden. Um möglichst viele Beschäftigte im Wandel mitzunehmen, brauchten alle Beteiligten auch einen tragfähigen, sanften Übergang. „So wie Elektroautos mit regenerativem Strom CO₂-neutral unterwegs sein können, können das auch Diesel und Benziner mit synthetischen Kraftstoffen. Wir sollten diese Chance für den Klimaschutz bei der anstehenden Euro7-Regulierung nicht vertun“, mahnt Denner. Schon jetzt belasten moderne Diesel und Benziner die Luftqualität in den Städten so gut wie nicht mehr. „Was wirtschaftlich und sozial richtig ist, wird damit ökologisch nicht falsch“, gibt Denner zu bedenken. Man müsse im Dreieck aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten die Balance halten. Den Wandel in der Automobilindustrie hin zu einer Mobilität ohne negative Klima- und Umweltfolgen zu ermöglichen und zugleich Beschäftigung zu sichern – das muss das Ziel sein.

Nach ihrer Vernetzung werden Produkte bald auch intelligent

Durch das Zusammenspiel von KI und dem IoT will Bosch die Weichen zu einem Milliardenmarkt stellen und mit innovativen KIoT-Lösungen Mehrwert schaffen – und zwar durch weniger Energiekosten, mehr Komfort und Sicherheit. Das aus der Vernetzung generierte Wissen über die Verwendung seiner Produkte soll künftig etwa deren Nutzung durch Software-Updates verbessern oder neue Funktionen und Services ermöglichen. Die technischen Voraussetzungen habe Bosch in den vergangenen Jahren geschaffen: Eine IoT-Suite verbindet dazu Geräte, Sensoren und Gateways, während eine Cloud-Infrastruktur die Daten prozessiert. Mithilfe einer KI-Plattform sollen sich Anwendungen der KI dann zügig skalieren lassen.

„Im nächsten Schritt wollen wir aus der technischen Kompetenz Geschäft machen“, sagt Denner. Bosch hat nun bereits rund zehn Millionen vernetzbare Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und Heizsysteme verkauft. Und die Zahl der aktiven Nutzer steige. Um bestehende Kompetenzen im Bereich Künstlicher Intelligenz auszubauen, hat das Unternehmen Anfang 2017 das Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) gegründet. Man sieht sich damit gut aufgestellt. Bereits im dritten Jahr zahlen sich die Investitionen in das BCAI aus – der positive Ergebnisbeitrag liegt inzwischen bei rund 300 Mio. Euro. Und im BCAI sind derzeit rund 270 KI-Spezialisten an mehr als 180 Projekten aus den Bereichen Mobilität, Produktion, Smart Home und Landwirtschaft beschäftigt.

Das soll die Verquickung aus KI und IoT bringen

Einen wichtigen Beitrag für Bosch auf dem Weg zum KIoT-Unternehmen soll auch der neue Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions mit seinen rund 17.000 Mitarbeitern leisten. „Diese Einheit bündelt die Hard- und Software-Entwicklung für neue Elektronikarchitekturen im Fahrzeug“, erklärt Denner. „Damit will man sich einen Markt öffnen, der auf der zunehmend im Auto bereitgestellten Intelligenz basiert. Für seine Fahrzeugrechner akquirierte Bosch allein im zweiten Halbjahr 2020 Aufträge im Wert von rund 2,5 Mrd. Euro. Weitere Abschlüsse in Milliardenhöhe stünden an.

So erschließt sich Bosch über alle Unternehmensbereiche hinweg neue KIoT-Anwendungen: Die videobasierte Branderkennung Aviotec erkennt mittels Künstlicher Intelligenz bei bloßer Infrarotbeleuchtung Rauch und Flammen. Eine Applikationsplattform für die Inspektion von Werkstücken weist mit KI unscheinbare Kratzer in der Oberfläche nach. Ein neuer selbstlernender Sensor mit „Edge AI“ für Fitness-Tracker minimiert Latenzzeiten und Stromverbrauch – die Intelligenz liegt dabei im Sensor selbst.

Der Geschäftsverlauf 2020 nach Unternehmensbereichen

In den Bosch-Geschäftseinheiten wirkte sich die Corona-Pandemie rückläufig auf die Erlöse aus, einzig das Gebrauchsgütergeschäft ist im Umsatz gewachsen. Der vom Shutdown der Automobilindustrie besonders hart getroffene Unternehmensbereich Mobility Solutions erzielte 42,3 Mrd. Euro Umsatz. Mit einem Rückgang von 9,5 % entwickelte sich das Geschäft dennoch besser als der Markt, da die Automobilproduktion um 15 Prozent zurückging. Wechselkursbereinigt ergibt sich ein Minus von 8,1 %. Die Erlöse im Unternehmensbereich Consumer Goods legten um 5,2 % auf 18,6 Mrd. Euro zu, wechselkursbereinigt sogar um 8,2 %. Das Geschäft mit Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen profitierte vom Trend der Konsumenten, sich auf den häuslichen Bereich zu konzentrieren. Der Unternehmensbereich Industrial Technology konnte sich der längeren Marktschwäche trotz seit Herbst steigender Auftragseingänge nicht entziehen. Der Umsatz von 5,1 Mrd. Euro blieb insgesamt mit 16 % unter Vorjahr, wechselkursbereinigt unter 15 %. Der Unternehmensbereich Energy and Building Technology erreichte einen Umsatz von 5,4 Mrd. Euro. Während das Geschäft mit Thermotechnik sich durch Förderprogramme günstig entwickelte, belasteten viele ausgefallene Veranstaltungen das Produktgeschäft mit Beschallungs- und Konferenztechnik. Der Umsatzrückgang von 3,4 % entspricht wechselkursbereinigt einem Minus von 2 %.

Geschäftsverlauf 2020 nach Regionen

Den Umsatzeinbruch vom Frühjahr bekam Bosch in allen Regionen zu spüren: In Europa lag der Umsatz mit 38 Mrd. Euro etwa 5,7 % unter Vorjahr. Wechselkursbereinigt ist dies ein Rückgang von 4,6 %. In Nordamerika sanken die Erlöse um 14,0 % auf 10,8 Mrd. Euro, wechselkursbereinigt ein Minus von 12 %. In Südamerika erreichte der Umsatz 1,1 Mrd. Euro. Der Rückgang von 21 % entspricht wechselkursbereinigt lediglich 2,5 Prozent. In Asien-Pazifik lagen die Erlöse bei 21,7 Mrd. Euro und damit mit -1,4 % nur leicht unter Vorjahr – wechselkursbereinigt ergibt sich sogar ein Plus von 0,5 %. Geholfen hat die frühe Markterholung und die positive Entwicklung in China. Der Umsatz in China lag erstmals in der Bosch-Geschichte über dem Umsatz in Deutschland.

Die Mitarbeiterentwicklung war 2020 weitgehend stabil. Die Bosch-Gruppe beschäftigte zum Stichtag 31.12.2020 weltweit rund 394 500 Mitarbeiter. Damit konnte Bosch das Beschäftigungsniveau trotz Krise weitgehend halten. Veränderungen verzeichnete das Unternehmen im Wesentlichen in Deutschland und China. Im Bereich Forschung und Entwicklung hat Bosch leicht aufgebaut, um seine Investitionen in die Zukunft gezielt fortzuführen.

Ausblick 2021: Man will gestärkt aus der Krise kommen

Bosch rechnet mit langsamer Erholung der Weltwirtschaft für 2021 bei einem Wachstum von knapp 4 % – nach einem Rückgang von 4,5 % im Vorjahr. „Die Krise ist nicht vorbei,“ mahnt Asenkerschbaumer. Das Wachstum werde nicht nur durch weiterhin hohe Infektionszahlen und die damit erforderlichen gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Einschränkungen gedämpft. Auch politische Entwicklungen, wie etwa der Brexit und die unveränderte strategische Konkurrenzsituation mit potenziellen Handelseinschränkungen zwischen den USA und China, können die Entwicklung beeinträchtigen. „Trotz aller Herausforderungen bleibt unser Ziel, in den für uns wichtigen Branchen und Regionen stärker als die Märkte zu wachsen.“ Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Pandemie wolle Bosch die aufgrund des Strukturwandels notwendigen Anpassungsmaßnahmen fortsetzen und diese weiterhin möglichst sozialverträglich gestalten. „Die konsequente Arbeit an Kosten und Wettbewerbsfähigkeit hilft uns, eine starke finanzielle Basis für den Ausbau unserer Zukunftsfelder zu sichern.“

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