Exportmärkte Brasilien kämpft sich aus der Rezession

Autor: Stéphane Itasse

Die vergangenen zwei Jahre waren für Brasilien hart: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2014 um gerade noch einmal 0,1 %, bevor die Wirtschaft 2015 und 2016 in eine deutliche Rezession rutschte. Hoffnung macht allerdings ein Regierungswechsel.

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Trotz Sonnenschein: Wirtschaftlich sah es in jüngster Zeit in Brasilien eher düster aus. Die Unternehmen hoffen aber auf einen Aufschwung.
Trotz Sonnenschein: Wirtschaftlich sah es in jüngster Zeit in Brasilien eher düster aus. Die Unternehmen hoffen aber auf einen Aufschwung.
(Bild: Siemens)

Laut den Daten der brasilianischen Zentralbank (Banco Central do Brasil – BCB) schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 3,8 %, für das laufende Jahr gehen Beobachter von minus 3,3 % aus. Schwache Rohstoffpreise, eine wegbrechende Nachfrage in China, aufgedeckte Korruptionsskandale in großem Umfang und politische Turbulenzen machten der Wirtschaft zu schaffen.

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Hintergrund: Operation Autowäsche

Operation Lava Jato (auf Deutsch: Autowäsche) heißt ein milliardenschwerer Korruptionsskandal in Brasilien. Seit dem Jahr 2014 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobrás sowie zahlreiche Zulieferer und Politiker.

Gegenstand der Ermittlungen ist ein riesiges Korruptionssystem, bei dem Aufträge für den brasilianischen Erdölkonzern Petrobrás von privaten Baukonzernen zu überhöhten Preisen ausgeführt wurden. Die Mehreinnahmen daraus teilten die verdächtigen Unternehmer mit Petrobrás-Mitarbeitern und Politikern, ein Teil floss zudem in Parteikassen. Petrobrás ist das größte Unternehmen Brasiliens mit einem Jahresumsatz von rund 140 Mrd. US-Dollar und spricht heute von einem Verlust von mindestens 2 Mrd. Dollar als Konsequenz dieser Machenschaften. In diesem größten Justizfall der brasilianischen Geschichte wird inzwischen gegen fast 500 Politiker und Geschäftsleute ermittelt.

Doch zumindest in der Politik ist mittlerweile etwas Ruhe eingekehrt: Am 12. Mai wurde die Staatspräsidentin Dilma Roussef vorläufig von ihrem Amt suspendiert und am 31. August endgültig vom Senat abgesetzt. Die Regierungsgeschäfte führt nun der bisherige Vizepräsident Michel Temer, der voraussichtlich die liberal-konservative Regierung bis zur nächsten Wahl im Jahr 2018 führen wird.

Neue Regierung will Brasiliens Wirtschaft wieder in Schwung bringen

Nach seiner Amtsübernahme kündigte Temer laut Medienberichten Kürzungen, Entlassungen, Privatisierungen, eine Rentenreform und die Liberalisierung des Arbeitsmarkts an. Zudem erhielt er bereits die Zustimmung der Abgeordnetenkammer für eine Verfassungsänderung, die in den kommenden 20 Jahren den Zuwachs der Staatsausgaben auf das Inflationsniveau des Vorjahres begrenzt und damit zur Stabilisierung des Haushalts beitragen soll. Beobachter erwarten, dass bis Ende 2016 auch der Senat dieser Verfassungsänderung zustimmt, damit sie im kommenden Jahr in Kraft treten kann. Im Fernsehsender TV Globo gab Temer weiter bekannt, dass er sich 2018 nicht zur Wahl stelle und nun unpopuläre Entscheidungen treffen könne.

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Die Wirtschaft begrüßte zunächst den Regierungswechsel. Inzwischen zeigen die Daten aber, dass der Weg aus der Rezession nicht so einfach sein wird. Der Geschäftsklimaindex für die Unternehmen zeigt zwar seit August wieder leichten Optimismus an, wie aus den Daten des BCB hervorgeht. Allerdings haben sie sich von September auf Oktober (neueste verfügbare Zahlen) bereits wieder leicht verschlechtert. Ohnehin war und ist dieser Optimismus von den Erwartungen getrieben, bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zeigt der Index nach wie vor keine Zuversicht an. Besser hat sich hingegen das Verbrauchervertrauen entwickelt, das seit dem Regierungswechsel durchweg Optimismus anzeigt.

Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung bleiben schwach

Bei den härteren Wirtschaftsindikatoren stehen die Zeichen aber noch nicht auf Aufschwung. Die Industrieproduktion schrumpfte laut den BCB-Daten in den vergangenen zwölf Monaten um 9,19 %, wobei hier der Bergbau, der sich zuvor noch besser gehalten hatte, stärker getroffen wurde als die Fertigungsindustrie. Hier gab es vor allem im August noch einmal einen deutlichen Einbruch, dem im September (neueste verfügbare Zahlen) nur ein zaghafter Satz nach oben folgte.

Die Kapazitätsauslastung der Fertigungsindustrie ist demnach im Laufe des Jahres weiter geschrumpft und sank im August (neueste Zahlen) auf 74,1 %. Einen Einbruch gab es auch bei den Industrieumsätzen und den geleisteten Arbeitsstunden.

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