Staufen Brasiliens Industrie – alles andere als weltmeisterlich

Redakteur: Jürgen Schreier

Während die WM-Euphorie die internationale Kritik an Brasilien teilweise überdecken dürfte, ist den brasilianischen Industrieunternehmen keine Verschnaufpause vergönnt. Der Grund: Die Produktivitätsentwicklung hinkt den steigenden Arbeitskosten hinterher.

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Das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ist eines der berühmtesten Fußballstadien der Welt. Dort wird auch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ausgetragen.
Das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ist eines der berühmtesten Fußballstadien der Welt. Dort wird auch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ausgetragen.
(Bild: commons.wikimedia.org)

Auch die Werke westlicher Mutterkonzerne in Brasilien stehen mächtig unter Druck: Die durch die Politik abgeschottete Binnenwirtschaft lahmt, Investitionen in die Maschinenparks verschleppen sich, Personalkosten schießen in die Höhe. In der Folge sinkt die Produktivität der Betriebe dramatisch. Der brasilianischen Industrie droht die Zeit davon zu laufen, so das Ergebnis einer Marktbeobachtung der Unternehmensberatung Staufen.

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Gewinne schmelzen unter südlicher Sonne dahin

„Die Gewinne der Industrieunternehmen in Brasilien schmelzen angesichts des anhaltenden Produktivitätseinbruchs dahin“, sagt Wilhelm Goschy, Vorstand der Unternehmensberatung Staufen AG. In keiner anderen großen Volkswirtschaft weltweit stiegen die Lohnstückkosten im Zeitraum von 2004 bis 2011 so stark wie in Brasilien (+6 %). 2012 kletterten die Lohnstückkosten sogar um 7,2 %, so die Experten für Außenwirtschaft der Germany Trade and Invest (GTAI). Hinzu kommt: Die asiatische Konkurrenz etwa aus China oder Südkorea hat hingegen ihre Hausaufgaben gemacht und die eigene Produktivität verbessert.

Staufen-Vorstand Goschy ist überzeugt: „Die brasilianische Industrie muss einen höheren Level in Sachen Organisation und Produktivität erreichen. Wer jetzt nicht die eigene Wettbewerbsfähigkeit verbessert, in höhere Mitarbeiterqualität und schlankere Prozesse investiert, der hat morgen keinen Standort mehr in Brasilien“.

Lage auf dem brasilianischen Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Auch wenn die im Herbst anstehende Wahl die brasilianische Industrie insgesamt eher in eine Wartestellung versetzt zu haben scheint, wird gerade immer mehr ausländischen Unternehmen klar, dass es keine Zeit zu verlieren gilt. Die Staufen AG wird ihre Niederlassung in São Paulo daher schon in diesem Jahr personell deutlich aufstocken, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Inwieweit sich Brasiliens Wirtschaft von der Wachstumsdelle – das Bruttoinlandsprodukt stieg 2012 nur um 1 % – erholt, bleibt abzuwarten. Das Wirtschaftswachstum lag im vergangenen Jahr laut GTAI zwar bei 2,3 %, dürfte nach derzeitigen Prognosen 2014 aber wieder auf 1,8 % fallen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lage auf dem brasilianischen Arbeitsmarkt angespannt bleibt. Denn die Arbeitskosten steigen nicht nur durch wachsende Löhne, sondern auch eine anhaltend hohe Fluktuation der Arbeitskräfte.

Vor diesem Hintergrund in die Ausbildung der Mitarbeiter zu investieren, steigert nicht nur die Produktivität, sondern hilft auch, diese an das Unternehmen zu binden. Dies zeigt die aktuelle Staufen-Studie „War for Talents 2014“, für die 1000 junge Brasilianer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren befragt wurden.

Brasiliens Unternehmen müssen in Sachen Ausbildung aktiver werden

Für mehr als die Hälfte (51 %) von ihnen sind firmeninterne Fortbildungen und Schulungen nämlich bei der Wahl des Arbeitgebers sehr wichtig. Befragt danach, wie die Ausbildung im eigenen Land verbessert werden könnte, wünschen sich zudem 53 % der jungen Brasilianer eine bessere Verzahnung von Theorie und Praxis.

„Da es in Brasilien kein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt, müssen die Unternehmen hier selbst aktiv werden“, sagt Staufen-Vorstand Goschy. „In unseren Projekten und Trainings in Brasilien stellen wir immer wieder fest, welch große Bedeutung der Baustein Fortbildung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen hat.“

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