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Personal Nord 2014 Brauchen Unternehmen im Internetzeitalter noch Chefs?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Sind hierarchiefreie Betriebe ohne Führungskräfte das Modell der Zukunft? Auf der Messe Personal 2014 Nord in Hamburg spricht Frank Kohl-Boas, Personalleiter bei Google Germany, am 6. Mai über neue Formen von Führung und Zusammenarbeit – und den Wertbeitrag der Personalverantwortlichen im Zuge von New Work.

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Frank Kohl-Boas ist Personalleiter bei Google Germany.
Frank Kohl-Boas ist Personalleiter bei Google Germany.
(Foto: Stephan Röhl/Heinrich-Böll-Stiftung/flickr)

Schon in der Anfangszeit von Google haben die Mitarbeiter die Bedeutung von Führungskräften hinterfragt. In der IT-Branche ist das nicht ungewöhnlich: Viele Ingenieure – nicht nur bei dem bekannten Suchmaschinenbetreiber – möchten ihre Zeit damit verbringen, neue Produkte zu designen anstatt mit Chefs zu verhandeln oder die Arbeitsleistung anderer zu kontrollieren. Google experimentierte deshalb schon 2002 damit, Ingenieure komplett ohne Management arbeiten zu lassen – allerdings nicht lange. „Denn schnell war klar: Wir brauchen Führungskräfte“, sagt Frank Kohl-Boas von Google.

Balanceakt zwischen Freiheit und Führung

Gleichwohl sei heute ein neues Führungsverständnis notwendig: „Führen heißt nicht mehr, die Macht zu haben und einfach etwas anzuordnen“, so der Keynote-Speaker der Personal 2014 Nord. „Wissensarbeiter sollen sich selbst einbringen und das kann man ihnen nicht befehlen.“

Es gelte, sich jeweils auf ein Ziel zu einigen, dem Beschäftigten den Weg dorthin dann aber weitestgehend selbst zu überlassen. „Doch je mehr Freiheiten man dem Mitarbeiter gibt, desto mehr muss dieser bereit sein, Verantwortung, für sein Handeln auf sich zu nehmen“, meint Kohl-Boas. Führungskräfte müssten dafür sorgen, dass kooperative Zusammenarbeit nicht als Basisdemokratie missverstanden werde. Eine rege Diskussionskultur in den Teams sei zwar wünschenswert, aber letztendlich habe die Führungskraft qua Aufgabe das letzte Wort.

Geschäftserfolg lebt davon, schwere Entscheidungen zu treffen

„Wenn eine Führungskraft Entscheidungen scheut, dann ist der- oder diejenige im falschen Job“, bekräftigt der Google-Personalmanager. Es bestehe immer die Gefahr, dass eine Entscheidung sich später als falsch herausstelle. Wichtig sei, dass Führungskräfte ihren Standpunkt begründen könnten, nach dem Motto „know-why statt know-how“ – vor allem, wenn die Auswirkungen schmerzlich seien, etwa für Ingenieure, deren Lieblingsprojekt nicht weiterentwickelt werde. Führungskräften und Personalern solle es darum gehen, für die Führungsleistung respektiert und nicht geliebt zu werden. „Geschäftserfolg lebt davon, schwere Entscheidungen zu treffen, zu verarbeiten und zu akzeptieren.“

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