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Elektroingenieure gesucht

Breites Basiswissen und soziale Kompetenz erwartet

01.02.2007 | Redakteur: Martina Hafner

Reinhard Weigl, Deutschlandchef, Spansion: „Unser Arbeitsumfeld wird immer komplexer“.
Reinhard Weigl, Deutschlandchef, Spansion: „Unser Arbeitsumfeld wird immer komplexer“.

Der Arbeitsmarkt für Elektroingenieure bleibt rosig. Ende letzten Jahres meldete das Jobbarometer des VDE 20% mehr offene Stellen als noch vor einem Jahr. Sich es angesichts dieser

Der Arbeitsmarkt für Elektroingenieure bleibt rosig. Ende letzten Jahres meldete das Jobbarometer des VDE 20% mehr offene Stellen als noch vor einem Jahr. Sich es angesichts dieser guten Aussichten gemütlich zu machen wäre aber unklug. Denn mit der Globalisierung sind auch die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Elektronikbranche erheblich im Wandel. Was internationale Unternehmen heutzutage von ihnen erwarten und welche Gedanken sich auch die Firmen über die Mitarbeiterführung der Zukunft machen müssen verrät Spansions Deutschlandchef Reinhard Weigl.

Herr Weigl, regelmäßig klagt die Branche über chronischen Ingenieurmangel. Wie beurteilen Sie die Lage?

Es ist heute schon schwer, gut ausgebildetes Personal zu bekommen, und wir werden noch mehr Ingenieurarbeitsplätze in unserem Land brauchen. Dabei sollte klar sein, dass unsere Zukunft stark am Ingenieurwesen hängt. Deutschland hat keine Bodenschätze und wir sind kein Agrarland im großen Stil. Aber wir sind aufgrund unserer Kultur ein sehr kreatives Volk. Das hält uns wettbewerbsfähig.

Für 2006 schätzt der VDE die Anzahl der arbeitslosen Ingenieure auf durchschnittlich 6500. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich müssen wir bei unseren Mitarbeitern anspruchsvoll sein, da ihre Leistungen den größten Mehrwert des Unternehmens im Markt darstellen. Es wäre aber z.B. kein Problem, einen Ingenieur einzustellen, der eine gewisse Zeit aus dem Job herausen war, wenn noch genügend Grundlagen vorhanden sind. Wir stellen auch gerne ältere Ingenieure ein.

Ein erfolgreiches Team braucht einen gesunden Mix aus jungen dynamischen und älteren Mitarbeitern, die oft schon ein stabileres Lebensumfeld haben. Für uns kommt es auf das Basiswissen, den Charakter und die Persönlichkeit an.

Welchen Typ Mitarbeiter wünschen Sie sich?

Unsere Arbeitsplätze werden immer komplexer. Auf der electronica-Messe im November konnte man sehr schön sehen, dass die Branche in Richtung Systemlösungen geht. Ich brauche also Fachleute mit breitem, fundiertem technischen Wissen. Spezial-Knowhow lässt sich dann leicht vermitteln. Ferner werden Kommunikation und Teamfähigkeit in einer globalen Welt immer wichtiger. Sie müssen heutzutage weltweit kommunizieren, auch im Designcenter. Ohne Englisch-Sprachkenntnisse geht sowieso nichts.

Auch dürfte klar sein, dass die 35-Stunden-Woche nicht das Arbeitszeitmodell der Zukunft ist. Und wenn Sie Karriere machen wollen, sollten sie bereit sein, drei oder vier Jahre im Ausland zu leben. Zusammengefasst gesagt brauchen wir verantwortungsbewusste, motivierte Mitarbeiter mit Flexibilität in punkto Aufgabenbereiche, Arbeitszeit, Mobilität und Selbst-Management.

Was genau meinen Sie mit Selbst-Management?

Der Mitarbeiter muss lernen, sich selbst zu managen und seine Life-Work-Balance in den Griff zu bekommen. Das meine ich durchaus im positiven Sinne. Gehen wir 30 Jahre zurück. Damals hat ihr Arbeitgeber sie gemanagt. Das heißt, von 8 bis 17 Uhr gehörten sie der Firma.

Heute müssen wir weg von diesem sehr arbeitszeitorientierten Denkmodell zu einem aufgaben- und ergebnisorientierten. Mein Wettbewerb sitzt nicht in Augsburg oder Stuttgart sondern in Taipeh oder San Franzisko. Die Produktionsstätten sind weltumspannend platziert, wir beliefern Kunden in USA, Asien oder Europa. Ich denke diese Umstände erfordern es von den Firmen und ihren Mitarbeitern, sich auf diese Globalisierung einzustellen.

Bei Spansion z. B. überschneiden sich die normalen Bürostunden zwischen Deutschland und dem Hauptsitz an der Westküste in den USA nicht. Ich fange also abends die zweite Hälfte meines Arbeitstages an. Gleichzeitig befindet sich die Produktion in Asien. Möchte ich dort mit jemandem sprechen, muß ich früh aufstehen.

Der Mitarbeiter muß lernen, damit umzugehen. Habe ich zum Beispiel abends um 19 Uhr ein Telefonat, heißt das nicht, dass ich von acht Uhr morgens bis abends arbeiten muss. Ich kann private Dinge am Vormittag erledigen oder ich fahre am Nachmittag nach Hause und kümmere mich um die Familie. Heute können Sie dank moderner Arbeitsmodelle, PDA und HomePC überall ihrer Arbeit nachgehen und Job und Familie leichter verbinden.

Bei Spansion arbeiten wir ergebnisorientiert, haben also keine Zeiterfassung oder ähnliches. Wir betreiben kein Mikromanagement, das heißt ich stehe nicht früh morgens am Schreibtisch und diktierte meinem Mitarbeiter was er bis nachmittags oder abends zu erledigen hat.

Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre Mitarbeiter ausbrennen?

Ich denke, dagegen gibt es zwei wichtige Schutzmechanismen. Erstens muß man selbst auch lernen, zwischendurch besser abzuschalten. Der Arbeitsalltag verteilt sich mehr. Sie arbeiten immer wieder und haben dazwischen Pausen, sodass die Summe an Freizeit glaube ich fast identisch ist. Der zweite Mechanismus heißt Motivation. Wenn ich motiviert bin, gebe ich 110% meiner Leistung, komme abends nach Hause und habe das Gefühl, ich habe nur 90% geleistet. Ein demotivierter Mitarbeiter hat abends eher das Gefühl, er hat 110% gearbeitet obwohl er im Vergleich nur 90% geschafft hat.

Überlegen Sie, wie schnell Ihnen Dinge von der Hand gehen, die ihnen Spaß machen, wie wenig Sie diese belasten oder Ihnen Stress bereiten. Es hängt also sehr viel davon ab, welches Umfeld ich für meine Mitarbeiter schaffe.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Nachwuchs von den Universitäten?

Derzeit bin ich mit dem Ausbildungsstand der Universitätsabgänger zufrieden. Wir dürfen nur nicht an den Grundfesten rütteln. Für mich sollte die universitäre Ausbildung nach wie vor eine breitgefächerte fundierte Basiswissensvermittlung sein. Wir sehen immer wieder, dass die Studenten mit einem zu engen Gesichtsfeld ankommen. Im Argen liegt aber glaube ich, dass die Qualität der Abiturienten, die Jahr für Jahr an den Unis ausgebildet werden muss, schlechter wird. Mit dem Kollegstufensystem können sie ihre Schwerpunkte außerdem legen wie es ihnen gefällt und im Regelfall anschließend fast alles studieren. Die Unis stehen dann vor dem Problem, aus Studenten Ingenieure machen zu müssen, die kaum mehr Naturwissenschaften hatten.

Diese ganze Problematik drückt das Niveau ungemein. Entweder müssen die schwachen Studenten gnadenlos ausgefiltert werden oder, wenn Sie versuchen einen vernünftigen Ausstoß an Ingenieure zu haben, geht dies zu Lasten der Ausbildung. Was mir an unseren Universitäten nicht so gefällt ist die Forschungsseite. Die amerikanischen Universitäten sind da sehr viel industrienaher.

Sie leiten in Ihrer Freizeit ein Blasorchester. Inwiefern sehen Sie Parallelen zu Ihrem Berufsalltag?

Man lernt sehr viel darüber wie man Mitarbeiter ohne die üblichen Mittel wie Dienstwagen motivieren kann. Wichtig ist es, ein Arbeitsmilieu zu schaffen, in dem jeder sich wohl fühlt. Das Beispiel Blasorchester zeigt auch sehr schön, dass man verschiedene Fähigkeiten braucht um etwas zu erreichen. Ich kann ein erfolgreiches Orchester nicht mit lauter ersten Geigen aufbauen. Und das Management bestimmt auch nur das Stück und wann angefangen wird zu spielen.

Herr Weigl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kurzbiografie: Dr. Reinhard Weigl

Das „AMD-Urgestein“ Reinhard Weigl, heutiger Deutschland-Chef von Spansion und Vertriebs- und Marketingdirektor CSID, Spansion International, stieg nach seinem Studium 1994 als Applikationsingenieur in den Speicher-Bereich von AMD ein. Nach der Ausgliederung der Flash-Speichersparte blieb er bei Spansion. Im Januar letzten Jahres übernahm Weigl schließlich die geschäftsführende Verantwortung der deutschen Niederlassung in Riem.

Eigentlich wollte Weigl Musiker werden. Schon als Schuljunge beherrschte er sieben Instrumente. Das lag wohl auch daran, dass er seine Schulzeit im klösterlichen Internat St.Ottilien verbrachte, wo er sich laut eigener Aussage „ja irgendwie beschäftigen musste.“ Als er mit 16 Jahren den „Jugend-Musiziert“-Preis erhielt, wollte er unbedingt sein Lieblingsinstrument, die Klarinette studieren. Dennoch fiel seine Entscheidung zwei Wochen vor dem Abitur auf ein Studium der Informatik und Elektrotechnik. „Informatik war damals ganz neu, und außerdem war ich auch in Naturwissenschaft und Mathematik nicht so schlecht“, erklärt Weigl seinen Sinneswandel.

Der Musik ist der zweifache Vater aber weiter treu geblieben. Mit 24 Jahren gründete Weigl ein eigenes Orchester in Schöngeising, das er bis heute ehrenamtlich dirigiert.

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