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CE-Zeichen – und trotzdem nicht sicher

| Autor / Redakteur: Götz Fiessler / Reinhold Schäfer

Bild 4: NC-Steuerung mit Bedientableau der Gesenkbiegemaschine.
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Bild 4: NC-Steuerung mit Bedientableau der Gesenkbiegemaschine. (Bild: Fiessler)

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Das Beispiel eines Maschinenimporteurs, der eine Gesenk­biegemaschine einführte, zeigt, dass man sich nicht immer auf das CE-Zeichen verlassen kann. Eine Überprüfung ergab, dass die Sicherheitssteuerung nicht vorschriftsgemäß in das Maschinenkonzept eingebunden war. Mit einer Nachrüstung konnte das Problem behoben werden.

Durch die immer weiter fortschreitende Globalisierung und den Import von Maschinen und Anlagen kommen auf die Maschinenhändler beziehungsweise Importeure vermehrt rechtliche Aufgaben zu, vor allem wenn das herstellende Unternehmen außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Fall wird der Maschinenhändler und Importeur entsprechend der europäischen Maschinenrichtline zum „Inverkehrbringer“ der Maschine und in vollem Umfang haftbar für die Maschine oder Anlage. Können sich nun die Maschinenhändler auf ein an der Maschine/Anlage aufgebrachtes und in den Papieren vermerktes und dokumentiertes CE-Zeichen blind verlassen? Nein, heißt die Antwort, wie das Beispiel einer Gesenkbiegepresse deutlich aufzeigt:

Gesenkbiegemaschine entsprach nicht den Vorgaben der Norm DIN EN12622

Das Unternehmen Stürmer Maschinen GmbH hatte mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen bestellt und auch mit CE-Zeichen geliefert bekommen. Bei der Anlieferung der Maschinen kamen den handelnden Personen Zweifel auf, ob die Gesenkbiegemaschine (Bild 1) den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entsprach.

Für eine Überprüfung der Normkonformität der Maschine wurde das Unternehmen Fiessler Elektronik kontaktiert, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen. Dabei wurde schnell festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entsprach.

Absicherung einer Schwenkbiegemaschine – praxisgerechte und anwenderfreundliche Sicherheit

Fiessler Elektronik

Absicherung einer Schwenkbiegemaschine – praxisgerechte und anwenderfreundliche Sicherheit

27.07.16 - Was Bleche biegen kann, kann auch Finger biegen. Das letzteres schmerzhaft ist, ist selbstredend. Um Bediener von Schwenkbiegemaschinen vor solchen Arbeitsunfällen zu schützen, helfen Schwenkbiegesicherheitssysteme von Fiessler Elektronik. Ein dreidimensionales Laser-Schutzfeld sichert den Klemmbereich ab. lesen

Weiterhin war im Schaltschrank zwar eine Sicherheitssteuerung eines renommierten Herstellers eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft beziehungsweise mangelhaft eingebunden. Die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung Akas durch den Maschinenhersteller war ungenügend. Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts vom Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Eine Verletzung von Finger oder Hand hätte während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können. Unter widrigen Umständen kann das sogar den Verlust von Fingern oder Hand bedeuten.

In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, welche nicht den Vorgaben der Norm EN12622 entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Dies gestaltete sich hier schwierig, weil der Maschinenhersteller in der Zwischenzeit liquidiert wurde und somit auch nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden konnte.

Nachrüstung mit neuer Sicherheitssteuerung

Das Unternehmen Stürmer Maschinen GmbH nimmt seine Verantwortung als Inverkehrbringer sehr ernst und scheute deshalb auch keinen Aufwand, die Maschine entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Stürmer entschied sich nun für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der modularen Sicherheitssteuerung FMSC (Bild 2).

In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet und ein Integrationsvorschlag erstellt. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer innerhalb eines Tages neu strukturiert und verkabelt (Bild 3).

Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die Sicherheit der Maschine nun im grünen Bereich ist, sondern auch die Leistung der Gesenkbiegepresse durch die schnelle Reaktionszeit der FMSC deutlich erhöht werden konnte. Außerdem wird nun auch das Akas-System durch einen eigenen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und bietet somit höchste Sicherheit bei allen Biegevorgängen.

Eine erneute Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass diese Maschine nun den sicherheits­technischen Anforderungen der DIN EN 12622 entspricht. Somit konnte der Umbau der Maschine in guter Zusammenarbeit der beiden Unternehmen erfolgreich abgeschlossen werden. Die Maschine kann nun guten Gewissens in Verkehr gebracht werden.

Sicherheitssteuerung ist modular konfigurierbar und nachrüstbar

Mit der neuen, modular konfigurierbaren Sicherheitssteuerung FMSC setzt Fiessler Elektronik mehr als 60 Jahre Erfahrung und Know-how konsequent um. Im Fokus der Entwicklung stand nicht nur der hohe Sicherheitsstandard, sondern auch die einfache und schnelle Umsetzung von Projekten.

Vielfältige Funktionalitäten wie die Bildung von Kombinationen sollen dem Anwender die Programmierung der Sicherheitssteuerung erleichtern. Ebenso können bereits erstellte Projekte umfangreich dokumentiert werden. Schnellste Reaktionszeiten sowie die sicherheitsgerichtete Überwachung von bis zu 17 Achsen runden das Profil der Sicherheitssteuerung FMSC ab.

Der modulare Aufbau der Systemfamilie FMSC soll sicherstellen, dass immer die effizienteste Hardwarelösung für eine Überwachungsaufgabe gefunden werden kann. Mit den Varianten Eco, Basic, Advanced und Profi stehen verschiedene Mastergeräte mit jeweils unterschiedlichem Funktionsumfang zur Wahl. Die jeweiligen Funktionalitäten werden mit der Programmiersoftware FMSC Studio eingebunden beziehungsweise konfiguriert.

Mit bis zu 16 Erweiterungsmodulen lässt sich das System jederzeit ausbauen. Somit sind zum heutigen Stand bis zu 204 digitale Eingänge und bis zu 153 digitale Ausgänge verfügbar. Zudem können bis zu 17 Achsen sicherheitsgerichtet überwacht werden. Die kompakte Bauform soll die Integration der Sicherheitssteuerung (Bild 4) sowohl in Neuanlagen als auch bei Anlagennachrüstungen erleichtern.

* Götz Fiessler ist Geschäftsführer der Fiessler Elektronik GmbH & Co. KG in 73773 Aichwald

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