chinesischer Markt China: Bester Kunde und neuer Konkurrent zugleich

Autor Stéphane Itasse

Mit seinem Wirtschaftsboom hat China in den vergangenen Jahren die Welt verändert – auch für den Maschinenbau: Das Reich der Mitte ist inzwischen der weltgrößte Absatzmarkt für Maschinen, aber auch der weltgrößte Produzent. Für den deutschen Maschinenbau erwächst hier ein neuer Konkurrent.

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In Chinas Industrie hält immer mehr Hightech Einzug, weil die Regierung ein nachhaltigeres Wachstum anstrebt.
In Chinas Industrie hält immer mehr Hightech Einzug, weil die Regierung ein nachhaltigeres Wachstum anstrebt.
(Bild: Siemens)

Mit einem Wirtschaftswachstum von 7,4 % im Jahr 2014 hat China das Ziel der Regierung verfehlt, und auch der IWF erwartet in seinem jüngsten Wirtschaftsausblick ein Wachstum von weniger als 7 % im Jahr 2015. „Nach jahrzehntelangen zweistelligen Raten normalisiert sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im hohen bis mittleren einstelligen Bereich. Bemerkenswert ist zudem, dass die Wachstumsrate unter dem angepeilten Plus von 7,5 % angegeben wurde“, sagt Haiying Chen, Vice President bei der Unternehmensberatung Struktur Management Partner (SMP).

Denn Wachstum ist für die Regierung in Beijing nicht gleich Wachstum: Schon für den laufenden Fünfjahresplan bis Ende 2015 steht die Nachhaltigkeit stärker als bisher im Fokus, im kommenden Fünfjahresplan von 2016 bis 2020 soll sich diese Tendenz verstärken. China will damit seine angegriffenen Umweltressourcen schonen und stärker auf die Binnenwirtschaft setzen. „Durch steigende Einkommen entsteht in China eine immer kaufkräftiger werdende Mittelschicht. Vor Jahren noch stark am Export ausgerichtet, orientiert sich die chinesische Wirtschaft zunehmend am Binnenmarkt“, erläutert Chen.

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Umweltschutz bietet Chancen

Wenn Umweltschutz gefragt ist, eröffnen sich damit Möglichkeiten für Anbieter aus der Bundesrepublik. „Die Urbanisierung mit all ihren technischen Herausforderungen braucht Lösungen, ebenso die Erschließung von Energie aus Wasser- oder Windkraft. Auf all diesen Gebieten sind deutsche Maschinenbauer für die kommende Dekade gut aufgestellt", sagt Stephanie Heydolph, Chefrepräsentantin des VDMA in China.

Auch die aktuelle Entwicklung im Chinageschäft sei erfreulich. Nach zwei schwächeren Jahren 2012 und 2013 legten die Ausfuhren der deutschen Investitionsgüterindustrie im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder zu, wie der VDMA berichtet. Die Erfolgsgeschichte des deutschen Maschinenbaus ist lang: Als der VDMA im Sommer 2004 sein Verbindungsbüro in Beijing eröffnete, betrug der bilaterale Handel im Maschinenbau insgesamt rund 70 Mrd. Renminbi Yuan (RMB), 2013 lag er bei 166 Mrd. RMB. Aktuell seien über 600 VDMA-Mitgliedsunternehmen unter eigenem Namen in China tätig.

Der Export sei jedoch nur eine Seite des Chinageschäfts der deutschen Maschinenbauer. Von 2004 bis 2012 stiegen die Direktinvestitionen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus von 5,7 Mrd. RMB auf fast 40 Mrd. RMB. „Damit ist China hinter den USA aktuell der zweitwichtigste Auslandsstandort weltweit", erläutert VDMA-Präsident Reinhold Festge.

Mittleres Marktsegment wird entscheidend

Doch die chinesische Konkurrenz schläft nicht. Insbesondere im mittleren Marktsegment holen die Hersteller auf, wie eine Studie der Impuls-Stiftung des VDMA ermittelt hat. Demnach bewerteten die Chinesen zwar den technischen Abstand zum deutschen Maschinenbau realistisch, doch im wachsenden mittleren Marktsegment und im Service seien sie stärker, und das mittelfristig nicht nur in China. Darin liege der Kern ihrer Internationalisierungsstrategie. Für den deutschen Maschinenbau bedeuteten die Ergebnisse, dass trotz noch bestehender Technik- und Qualitätsvorteile die einzelnen Wertschöpfungsstrategien im Chinakonzept zu überprüfen seien. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das größte Potenzial für den deutschen Maschinenbau in China im mittleren Segment liege. „Auf dieses Segment müssen die deutschen Unternehmen ihr Angebot verstärkt ausrichten. Das kann auch einmal Mut zu ‚Good enough’ bedeuten“, erläutert Festge. MM

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