Studie Chinesen fordern deutsche Maschinenbauer heraus

Redakteur: Stéphane Itasse

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau muss sich auf grundlegende Veränderungen einstellen. Die Branchen- und Konjunkturentwicklung wird unberechenbarer, die Anforderungen der Kunden werden heterogener und mit China steht eine Marktmacht in den Startlöchern, die für die gesamte Branche zu einer ernsthaften Bedrohung werden könnte, wie die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Studie ermittelt hat.

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Dem deutschen Maschinenbau stehen laut Studie erhebliche Veränderungen bevor. (Bild: Trumpf)
Dem deutschen Maschinenbau stehen laut Studie erhebliche Veränderungen bevor. (Bild: Trumpf)

Noch haben viele westliche Wettbewerber einen komfortablen Vorsprung. In den kommenden drei bis fünf Jahren aber werden chinesische Maschinenbauer zu einem rasanten Überholmanöver ansetzen, wie die Unternehmensberatung am Dienstag mitteilt.

Chinas Maschinenbau dringt in angestammte Märkte vor

Analog zur japanischen Großoffensive in den 80er-Jahren werden sie zunächst in andere Schwellenländer expandieren, um anschließend in die Triademärkte USA, Japan und Europa zu drängen. Auf den sich dadurch verschärfenden Wettbewerb sollten sich die deutschen Maschinenbauer heute vorbereiten, heißt es in der Oliver Wyman-Studie „Maschinenbau 2015“.

Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau weltweit eine starke Position eingenommen. Auch die Krise selbst hat das Gros der Unternehmen im Vergleich zu ihren internationalen Wettbewerbern gut überstanden. Bewährt hat sich das schnelle Umsetzen von Sofortmaßnahmen wie Kurzarbeit, Rückführung von Zeitarbeit und der Abbau von Working Capital.

Maschinenbauer müssen sich auf mehr Risiken einstellen

Zeit zum Ausruhen aber bleibe nicht. In den kommenden Jahren, so die Studie, kommen auf die Branche massive strukturelle Veränderungen zu. Diese schließen Markt, Kunden und Wettbewerb gleichermaßen ein. „Insgesamt wird die Welt für den Maschinen- und Anlagenbau künftig volatiler, komplexer und riskanter“, sagt Thomas Kautzsch, Partner bei Oliver Wyman. Flexibilität werde zum Erfolgskriterium schlechthin.

Eine grundlegende Veränderung sei der Abschied vom klassischen Konjunkturzyklus. Künftig soll es zu kürzeren Zyklen mit weitaus stärkeren Marktschwankungen als in der Vergangenheit kommen.

Ursacher seien die stärker vernetzten Märkte und insbesondere die weltweiten Risiken. Dazu gehörten die Immobilienkrise ebenso wie zunehmende Wechselkursverwerfungen, die Rohstoffpreisschwankungen und die hohe Verschuldung von EU-Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal.

Prognosen werden für den Maschinenbau schwieriger

Verlässliche Prognosen würden nahezu unmöglich. Selbst die Vorhersage für das nächste Jahr, für das die Unternehmensberatung ein Produktionswachstum von 5 bis 8% erwartet, enthält einen hohen Unsicherheitsfaktor, ob die zuletzt beobachtete V-förmige Erholung beim Auftragseingang anhält. Dies hat für Maschinenbauer eine Reihe von Konsequenzen, heißt es.

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