Chinesische Wirtschaft steht vor einem Jahr voller Herausforderungen

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Grund 2: Kampf gegen Schattenbanken führt zu restriktiverem Zugang zu Krediten

Zum anderen geht die chinesische Zentralregierung schärfer gegen Schattenbanken vor und auch bei den Ausgaben der Lokalregierungen ist eine wachsende Disziplin zu erkennen. Dies führt in der Folge zu einer sinkenden Liquidität bei Unternehmen und häufig zu einem Teufelskreis. Aufgrund des schwierigeren Zugangs zu Bankkrediten oder alternativen Finanzierungsmöglichkeiten ist eine wachsende Anzahl von Unternehmen in China auf Lieferantenkredite angewiesen. Verbreitet sind daher extrem lange Zahlungsziele sowie das Ausreizen dieser Ziele bis hin zum Zahlungsverzug. Dies führt in einem Teufelskreis auch zu einem Anstieg der Insolvenzfälle.

Die Zahlungsziele in China haben sich von 2007 bis 2015 um durchschnittlich 27 Tage* verlängert; 2016 dürften weitere drei Tage hinzukommen. Das bedeutet, Unternehmen müssen im Schnitt etwa einen Monat länger auf ihr Geld warten als noch vor einigen Jahren. Je länger die Zahlungsziele, desto überproportional stärker steigt auch das Ausfallrisiko.

Ausländische Direktinvestitionen sinken, Kapitalabzug intensiviert sich auf 504 Mrd. USD in 2015

Steigende Risiken für Unternehmen, ein schwaches Geschäftsklima und die weiterhin bestehenden Überkapazitäten führen in der Folge auch zu einem verlangsamten Wachstum bei den Investitionen – dies liegt erstmals seit 25 Jahren unter der 5%-Marke. Finanzinvestitionen stehen vor Herausforderungen, weil die Wahrnehmung der Investoren negativ bleibt. Ausländische Direktinvestitionen sinken hingegen erheblich: Im 3. Quartal 2015 haben sie sich im Vergleich zum Vorquartal halbiert. Das abgezogene Kapital aus dem Ausland summierte sich in 2015 auf 504 Milliarden (Mrd.) US-Dollar (USD)

*Die Berechnungsgrundlage sind die sogenannten „Days of Sales Outstanding“ (DSO) börsennotierter Unternehmen. Die DSO sind der Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Begleichung der Forderung. In China hat sich dieser Zeitraum im Jahr 2015 um voraussichtlich vier Tage verlängert von 77 auf 81 Tage. In 2016 rechnet Euler Hermes damit, dass sich die DSO in China um weitere drei Tage verschlechtern wird auf dann 84 Tage. In den meisten Industrieländern ist die DSO-Entwicklung positiv und Unternehmen bezahlen gleich schnell oder sogar schneller als im Vorjahr.

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