PLM Cockpit der Datenverwaltung

Von Stefanie Michel

Das Produktdatenmanagement ist aus Konstruktionsabteilungen nicht mehr wegzudenken. Aber ein Product Lifecycle Management nutzen? Davor scheuen viele zurück. Wir zeigen, was sich in der Entwicklung tut und warum ein solches System gerade für die Entwicklung smarter Produkte prädestiniert ist.

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Gerade heute, wo die Produktentwicklung disziplinübergreifend erfolgen muss, wird PLM zum Daten-Backbone im Unternehmen.
Gerade heute, wo die Produktentwicklung disziplinübergreifend erfolgen muss, wird PLM zum Daten-Backbone im Unternehmen.
(Bild: Photon photo/Shutterstock)

Mit dem zunehmenden Einsatz von CAD-Software wuchs auch die Notwendigkeit, die Produktdaten zu speichern. So hielten PDM-Systeme, also Lösungen für das Produktdatenmanagement (PDM), Einzug in die Konstruktionsabteilungen. Diese Sichtweise war vielen Softwareunternehmen und manchen Anwendern bald zu eng: Mit dem Product Lifecycle Management sollte am besten der komplette Lebenszyklus eines Produktes abgebildet werden – so die Vorstellung. Viele CAD-Hersteller bieten heute eigene PDM-Lösungen an, die sich in die Softwareumgebung integrieren, doch mit dem Einsatz eines echten Product Lifecycle Managements (PLM) tun sich viele Unternehmen immer noch sehr schwer.

Wolfgang und Björn Dietzler (v. l.), die beiden Geschäftsführer von ECS.
Wolfgang und Björn Dietzler (v. l.), die beiden Geschäftsführer von ECS.
(Bild: ECS)

Deshalb haben wir uns beim PLM-Dienstleister ECS Engineering Consulting & Solutions umgehört, wohin sich PLM entwickelt und warum zumindest das PLM-Konzept der Datenverwaltung unersetzlich für mechatronische und smarte Produkte ist.

Das Silodenken im Unternehmen aufbrechen

Lange haben alle Disziplinen – Mechanik, Elektronik und Software – getrennt voneinander gearbeitet und sich ihre eigenen Silos auch in der Datenhaltung aufgebaut. Werden die Produkte immer mechatronischer, verschwimmen auch die Grenzen der Disziplinen, weil alles Auswirkungen aufeinander hat. Björn Dietzler, Geschäftsführer von ECS: „Ändert sich zum Beispiel eine Anforderung an einen Motor, muss ich nicht nur ihn als mechanische Komponente betrachten, sondern auch die Steuerung und die Software.“ Das spielt einem PLM in die Hände, denn hier lassen sich die Daten disziplinübergreifend aufsetzen, Silos werden aufgebrochen.

Doch so komplex die unterschiedlichen Disziplinen und die mechatronischen Produkte sind, so komplex sind dann auch PLM-Systeme – was sich auch in ihrer Bedienoberfläche widerspiegelt. Wolfgang Dietzler, Geschäftsführer und Gründer von ECS, vergleicht das User Interface eines Power Users mit dem eines Flugzeugcockpits und weiß: „PLM-Systeme bilden die kompletten Funktionsmöglichkeiten in der Oberfläche ab. Zur Bedienung bedarf es eines speziellen Know-hows weniger Power User. Für Anwender, die nur eine Information – beispielsweise für ihre eigenen Prozesse – benötigen, ist die Oberfläche oft zu komplex. Das ist aus unserer Sicht auch einer der Gründe, warum die Möglichkeiten der Systeme noch nicht in voller Breite ausgeschöpft werden.“

In den letzten Jahren sind die Systeme in ihrem Funktionsumfang deutlich gewachsen, weil ein PLM-System die „single source of truth“ sein soll. So sind in manchen größeren Unternehmen die PLM-Landschaften so groß geworden, dass sie nicht mehr handhabbar sind: zu teuer, zu personalintensiv, zu unflexibel.

Trends, die PLM vereinfachen

Dennoch hat PLM eine (immer weiter wachsende) Berechtigung – nicht als Software, aber als Managementansatz mehrerer Domänen, deren Daten verwaltet werden und denen man unter anderem Rechte, Rollen und Freigaben zuweisen kann. Deshalb gibt es einige Trends, die die komplette Thematik PLM vereinfachen werden und den „Monolithen“ im Unternehmen aufbrechen sollen.

  • Systemgrenzen verschwimmen: Wie Björn Dietzler erklärt, beginnt das bereits mit Funktionalitäten, die früher eher in einem ERP-System beheimatet waren; sie werden bereits heute in PLM-Systemen abgebildet. Sieht man sich die SAP-Welt an, geschieht das auch umgekehrt. Wer das „führende System“ ist, darüber lässt sich streiten. Doch am Ende geht es darum, Geschäfts-, Konstruktions- und Betriebsprozesse zusammenzubringen. Diese Einzeldisziplinen lösen sich langsam auf, Integrationsansätze von Dienstleistern tun ihr Übriges, um die Systeme und Disziplinen zusammenzubringen.
  • Benutzeroberfläche vereinfachen: Der Administrator definiert bestimmte Rollen für Anwender, die dann unterschiedliche Rechte besitzen. Damit werden dem Anwender auf der Benutzeroberfläche auch nur die Funktionen und Schaltflächen bereitgestellt, die er für seine Aufgaben benötigt. Außerdem lassen sich Funktionen, die man häufiger benötigt, priorisieren. Sie erhalten dann beispielsweise Schaltflächen an prominenter Position. Auch der Einsatz von Low-Code-Plattformen erleichtert die Bedienung von Systemen: Hiermit können ohne Programmierkenntnisse schlanke Applikationen entwickelt werden, die Daten bereitstellen oder verwalten. Dann ist es gar nicht mehr wichtig, wo die Daten liegen, sondern nur, dass sie der betreffende Anwender für seine Arbeit nutzen kann.
  • „Cloudifizierung“: Als browserbasierte Anwendung werden PLM-Systeme serviceorientierter und vor allem flexibler. Damit lassen sich gerade große PLM-Landschaften aufbrechen. Auch mittelständischen Unternehmen könnte so die Angst genommen werden, ein zusätzliches Managementsystem einzuführen. Um Speicherplatz und Serverräume muss sich keiner mehr Gedanken machen. Im Moment ist allerdings die Zurückhaltung noch groß, da viele Unternehmen auf eine europäische Lösung zur sicheren Datenspeicherung warten, die konform ist mit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung.
  • Einsatz von künstlicher Intelligenz: Siemens hat beispielsweise für die „NX-Welt“ bereits eine künstliche Intelligenz (KI) integriert, die die nächsten logischen Schritte erkennen und entsprechende Optionen im Menü bereitstellen. Doch Wolfgang Dietzler ist sich sicher, dass eine KI-gestützte Software auch Betriebs- und Konstruktionsprozesse in Zukunft noch besser optimieren wird.

Es fehlt der Closed Loop über den Lebenszyklus

Am Ende soll nicht die Software bestimmen, wie man arbeitet, sondern sie soll die Anwender bestmöglich bei ihren Geschäftsprozessen unterstützen. Was das PLM betrifft, gibt es hier noch viel Potenzial, denn die wenigsten Unternehmen nutzen es tatsächlich über den Lebenszyklus, also von der Produktidee bis zum Einsatz des Produktes. Erst wenn das Produkt selbst direkt Feedback in die Entwicklung und ins Engineering gibt (im Gegensatz zum indirekten Feedback aus dem Vertrieb), würde ein wirklicher Kreislauf entstehen, um die Produkte zu verbessern. Björn Dietzler ist sich jedoch sicher, dass sich das in der Zukunft so entwickeln wird – die Möglichkeiten rund um IIoT stünden bereits heute zur Verfügung.

Natürlich stellt sich immer die Frage, welches Unternehmen überhaupt ein vollständiges PLM braucht. Für einen kleinen Lohnfertiger kann ein PDM ausreichen. Doch die Grundlage sind immer einwandfreie Prozesse und eine saubere Datenhaltung. „Ein System ist nur so gut wie die Daten in diesem System“, erklärt Björn Dietzler. „Das System beziehungsweise die Software muss den Anwender auch hier so gut wie möglich entlasten und systemseitig Hilfe geben über Kontrollmechanismen, Überprüfungen oder Vorschläge.“

Ergänzendes zum Thema
Softwarepartner für Industrieunternehmen

Wolfgang Dietzler, IT-Experte und lange Zeit als Manager für das Thema PDM verantwortlich, gründete 1996 die ECS GmbH in Neumarkt in der Oberpfalz. Er ist bis heute als leitender Geschäftsführer für alle Unternehmensbereiche tätig. Gemeinsam mit seinem Sohn Björn Dietzler, der 2012 zu ECS kam, führt er das Familienunternehmen.

Seit nun 25 Jahren unterstützt ECS Unternehmen mithilfe ganzheitlicher Dienstleistungen für PLM, CAx und IoT-Systeme sowie eigener Software-Lösungen dabei, ihre PLM-Strategien und Funktionalitäten an die wandelnden Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. „Als wir ECS gründeten, glaubte kaum jemand an eine Zukunft, in der aktuelle Produktdaten jederzeit und von überall zugänglich und weiter verarbeitbar sind“, erinnert sich Wolfgang Dietzler. Lange standen nur mechanische Daten im Fokus der PLM-Systeme. Inzwischen integrieren sie auch Informationen aus den Disziplinen Elektronik, Mechatronik und Software – PLM ist heute das Daten-Backbone schlechthin.“

Mit PLM ist auch ECS gewachsen und zählt heute zu den führenden deutschen Spezialisten für PLM, CAx und IoT. Das Unternehmen unterstützt Kunden aus allen Bereichen der Fertigungsindustrie von der Business Case-Entwicklung über den Go-Live bis hin zu Schulung und Support.

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