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Arbeiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen Coronakrise: Gesundes Arbeiten im Homeoffice

Autor / Redakteur: Maurice Shahd / M.A. Frauke Finus

Wegen der Corona-Pandemie wurden innerhalb kürzester Zeit sehr viele Arbeitsplätze ins Homeoffice verlegt. Arbeitgeber*innen und Beschäftigte sollten jetzt darauf achten, die Arbeitsplätze ergonomisch so einzurichten, dass längeres Arbeiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich ist. Das empfehlen die Arbeitsschutzexperten des TÜV-Verbandes.

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Arbeitgeber*innen und Beschäftigte sollten jetzt darauf achten, die Arbeitsplätze ergonomisch so einzurichten, dass längeres Arbeiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich ist.
Arbeitgeber*innen und Beschäftigte sollten jetzt darauf achten, die Arbeitsplätze ergonomisch so einzurichten, dass längeres Arbeiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich ist.
(Bild: Samula Sam via Unsplash)

Wegen der Corona-Pandemie haben Unternehmen, Behörden und andere Organisationen innerhalb kürzester Zeit sehr viele Arbeitsplätze ins Homeoffice verlegt. Arbeitgeber*innen und Beschäftigte sollten jetzt darauf achten, die Arbeitsplätze ergonomisch so einzurichten, dass längeres Arbeiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich ist. Das empfehlen die Arbeitsschutzexperten des TÜV-Verbandes.

„Gerade Homeoffice-Neulinge machen es sich oft zu einfach und setzen sich mit ihrem Laptop aufs Sofa. Dabei ist ein funktionaler und ergonomischer Arbeitsplatz der entscheidende Faktor, um Leistung, Motivation und Wohlbefinden im Homeoffice dauerhaft zu erhalten“, sagt André Siegl, Arbeitsschutzexperte beim TÜV-Verband (VdTÜV). Anders als bei der sogenannten Telearbeit besteht beim mobilen Arbeiten keine Pflicht des Arbeitgebers, einen festen Homeoffice-Arbeitsplatz einzurichten. „Arbeitgeber sollten in der aktuellen Situation aber alles tun, um ihren Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice zu erleichtern“, betonte Siegl. Neben der technischen Ausstattung gehörten dazu auch Verhaltensregeln und Unterstützung in Krisensituationen.

Gesunde Arbeitshaltung

Bei der Möblierung des heimischen Arbeitsplatzes sollten ergonomische Aspekte im Vordergrund stehen. Der richtige Stuhl stützt die Wirbelsäule und ermöglicht wechselnde Körperhaltungen. Im besten Fall sind Sitz und Armlehnen höhenverstellbar. Außerdem sollte die Rückenlehne dynamisch sein. Ist der perfekte Bürostuhl im Homeoffice nicht vorhanden, sollten Arbeitnehmer*innen dennoch auf ihre Sitzposition achten. Sowohl die Ober- und Unterarme als auch die Ober- und Unterschenkel sollten in einem 90-Grad-Winkel zueinanderstehen und die Füße beim Sitzen vollständig den Boden berühren. Ein Gymnastikball kann zeitweise als Stuhlersatz dienen und für Abwechslung sorgen. „Langes Sitzen führt – egal auf welchem Stuhl – zwangsläufig zu Rückenschmerzen. Darüber hinaus kann eine falsche Sitzposition die Blutversorgung in den Beinen einschränken“, warnt Siegl.

„Die nötige Bewegung gerät ins Hintertreffen, wenn die üblichen Wege zu Meetings, Terminen oder in die Kaffee-Küche entfallen.“ Zu einem gesunden Arbeitsalltag gehöre eine ausgewogene Balance zwischen Sitzen, Stehen und Bewegung. Als Faustregel empfehlen Orthopäden: 50 % Sitzen, 25 % Stehen und 25 % Gehen. Im Homeoffice sollte man sich also auch immer wieder daran erinnern, in Bewegung zu kommen. Telefonate können im Schlendergang durch die Wohnung geführt und Lesearbeit im Stehen an einer Kommode erledigt werden.

Technische Ausstattung nachrüsten

Um effektiv zu arbeiten, ist die passende technische Ausstattung im Homeoffice ein Muss. Ein Laptop ist für wochenlanges Arbeiten in den eigenen vier Wänden nur bedingt geeignet: Die Einhaltung des idealen Abstands zum Bildschirm und eine ergonomische Handhaltung sind mit den fest verbundenen Werkzeugen Bildschirm, Tastatur und Touchpad nicht möglich. Hier lohnt es sich, die externe Tastatur und Maus sowie den LCD-Bildschirm aus dem Büro nach Hause zu holen oder anzuschaffen. So kann der empfohlene Sehabstand von 50 cm bis 80 cm und die optimale Sehhöhe (oberste Zeile nicht über Augenhöhe) eingehalten werden. Dies wirkt einer Zwangshaltung des Kopfes entgegen und entlastet die Augen. Die Tastatur sollte möglichst flach und wenig oder gar nicht geneigt sein. Die Maus sollte der Handgröße und Händigkeit angepasst sein. Die Höhe des Arbeitstisches ist so zu wählen, dass sie auf einer Linie mit den Ellenbogen oder knapp darunterliegt. Ein weiterer Anhaltspunkt für die optimale Arbeitshöhe ist der Abstand zwischen der Unterseite des Tisches und den Oberschenkeln: Eine Handbreit gilt hier als optimal.

Die wichtigsten Empfehlungen des TÜV-Verbands zur Einrichtung des Homeoffice-Arbeitsplatzes im Überblick:

  • Raum und Zeit: Mit einem permanentem Arbeitsplatz in einem Raum mit verschließbarer Tür schaffen es Arbeitnehmer leichter in Ruhe und ohne Ablenkung zu arbeiten und die Trennung zwischen Beruf und Freizeit einzuhalten.
  • Technische Ausstattung: Viele Arbeitnehmer*innen sind mit Laptop ausgestattet und können flexibel ins Homeoffice starten. Um den Nacken, die Handgelenke und die Augen zu entlasten, lohnen sich die Anschaffung von externem Bildschirm, Tastatur und Maus. Ein Headset sorgt für gute Tonqualität bei den Videokonferenzen mit Kolleg*innen.
  • Wohlfühlatmosphäre: Lichtquellen ohne zu blenden und frische Sauerstoffzufuhr durch regelmäßiges Lüften erhalten Konzentrationsfähigkeit, Erinnerungsvermögen und ermöglichen ein gleichbleibend hohes Energielevel. Der Arbeitsplatz sollte parallel zum Fenster eingerichtet werden, damit das Licht von der Seite einfallen kann.
  • Im rechten Winkel: Die Faustregel zur ergonomischen Körperhaltung: Die Füße stehen flach auf dem Boden, Ober- und Unterschenkel sowie Unter- und Oberarme stehen im rechten Winkel zueinander. Die Arme liegen auf der Stuhllehne und die Schultern sind an der Rückenlehne ausgerichtet.
  • Ergonomische Formel für einen gesunden Rücken: Der richtige Stuhl ermöglicht die optimale Stützung der Wirbelsäule und erlaubt idealerweise Positionswechsel. Außerdem hilft eine regelmäßige Abwechslung zwischen Sitzen, Stehen und Gehen.

Die TÜV-Organisationen bieten bundesweit arbeitsmedizinische Dienste an und unterstützen Unternehmen und andere Arbeitgeber*innen in Fragen des betrieblichen Arbeitsschutzes, der Gesundheitsförderung sowie bei betriebspsychologischen Fragestellungen.