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Dassault Systèmes Das „Internet of Things“ ist Ziel der virtuellen Reise

| Redakteur: Jürgen Schreier

„Internet of Things“ und Konstruktion: Wie passen diese vordergründig unterschiedlichen Welten zusammen? Welche Rolle spielen CAD/CAM/PLM im Umfeld von Industrie 4.0? Wir sprachen darüber mit Andreas Barth, Managing Director Euro-Central von Dassault Systèmes.

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Andreas Barth: „Geht es aber darum, im Rahmen der Individualisierung eines Produkts neue Features einzubauen, dann ist offensichtlich, dass auch die Konstruktion sehr viel schneller werden muss.“
Andreas Barth: „Geht es aber darum, im Rahmen der Individualisierung eines Produkts neue Features einzubauen, dann ist offensichtlich, dass auch die Konstruktion sehr viel schneller werden muss.“
(Bild: Schreier)

Herr Barth, alle Welt redet von Industrie 4.0 – auch Dassault? Was hat ein Unternehmen für Konstruktionssoftware mit Industrie 4.0 am Hut?

Barth: Industrie 4.0 ist eine deutsche Initiative, bei der es um den Innovationsstandort Deutschland und technisch um die Vernetzung der Dinge geht. Der englische Fachbegriff ist „Internet of Things“, den man weltweit dafür verwendet. Ich verstehe Industrie 4.0 als Teilaspekt von „Internet of Things“. Bei Dassault Systèmes beschäftigen wir uns schon sehr lange damit. Unser Ansatz kommt aus dem 3D-Modelling. Das heißt, wir haben uns schon immer mit der Geometrie von Dingen beschäftigt, angefangen bei der Schraube bis hin zum Auto. Von dieser Basis aus haben wir uns gefragt: Wie funktionieren die einzelnen Teile und wie harmonisieren sie miteinander? Bisher reden wir nur von der Mechanik. Nun kommt mit der Kommunikation eine weitere Komplexität hinzu und das wollen wir simulieren. Wenn Sie an Themen wie „Smart-Home“ oder „Smart-City“ denken: Was in der realen Welt vernetzt werden soll, wollen wir vorher simulieren, virtuell abbilden und virtuell miteinander vernetzen. Dieses Konzept reicht bis zum Aufbau eines virtuellen Weltbilds, um zu beobachten, wie beispielsweise eine Vernetzung zwischen Autos aussehen könnte. Deshalb ist für uns das „Internet of Things“ das logische Ziel unserer Reise. In einem Fahrzeug gibt es heute bereits über 100 Controller, also über 100 kleine Rechner. Diese kommunizieren über ein Internetprotokoll miteinander, als Anbieter von CAD/PLM-Software sind wir daran beteiligt. Schließlich bieten wir einem OEM nicht nur die Möglichkeit, den Kotflügel zu designen, sondern er soll mit unseren Lösungen das gesamte Fahrzeug entwickeln.

Praktisch setzten Sie also vor dem Zeitpunkt an, an dem die ganze Sache zur Hardware wird?

Barth: Genau. Wir bilden die ganzen Prozesse virtuell ab, bevor das Produkt Wirklichkeit wird.

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Am Ende der „Pipeline“ sitzt der Kunde, der zum Beispiel ein Auto kaufen will und dessen Wünsche in die Produktentwicklung einfließen könnten. Technisch wäre das mit Ihrer 3D-Experience-Plattform machbar. Gibt es dafür bereits konkrete Beispiele?

Barth: Ja. Ich habe viele Jahre selbst in der Automobilindustrie gearbeitet, deswegen verwende ich immer ganz gerne Beispiele aus dem Automotive-Bereich. Der Anwender ist mal mehr und mal weniger in den Entwicklungsprozess involviert. Unsere Vision lautet: „Harmonize Product, Nature and Life“. Alles, was wir tun, unterwerfen wir diesem Motto. Früher wurden viele Autos physisch an die Wand gefahren, um das Crash-Verhalten zu testen; dank Simulation haben wir diese Zahl um 90 % reduzieren können. Vielleicht wird noch ein Prototyp gebaut, der Rest aber wird virtualisiert und simuliert. Auf der anderen Seite gibt es in der Automobilindustrie – sinngemäß auch im Maschinenbau – den Begriff der „Car-Klinik“. Das bedeutete früher, dass Sie einen Prototypen gebaut haben und dann den Endanwender eingeladen und gefragt haben: „Schaut euch das mal an, wie findet ihr das?“ Das ist Vergangenheit. Heute geht der Nutzer in eine „Cave“, eine Simulationsumgebung und nach wenigen Sekunden hat er vergessen, dass das, was er sieht, gar nicht real ist. Wir haben vor einiger Zeit die Firma RTT, heute bekannt als 3D-Excite, übernommen, die Verkaufsräume simuliert. Sie können sich mit einer 3D-Brille Ihr Auto anschauen, die Farbe und die Innenausstattung auswählen, Sie können sich sogar in das Auto hineinsetzen und werden hinterher sagen: „Ich weiß nicht, war das eben ein Film mit einem realen Auto vor einer realen Kulisse oder war das die Wirklichkeit?“ Oder denken Sie an den Maschinenbau. Während Sie früher für Baubarkeitsprüfungen mit Prototypen arbeiten mussten, machen Sie das heute virtuell.

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