Suchen

Konjunkturausblick 2017

Das Jahr der Herausforderung

| Autor: Robert Horn

Der Abgasskandal der Automobilindustrie, der Brexit, die US-Wahlen, das zähe Ringen um die Freihandelsabkommen, spektakuläre Übernahmen und chinesischer Stahl zu Dumpingpreisen – das Jahr 2016 gestaltete sich turbulent. Das wird sich nach Meinung vieler Wirtschaftsforscher im neuen Jahr kaum ändern, die Unsicherheit ist so groß wie selten. Trotzdem starten viele Verbände mit einer hoffnungsvollen Prognose in das neue Jahr. Ein Überblick.

Firmen zum Thema

Für 2017 bleiben die Vorhersagen vorsichtig optimistisch, Experten erwarten ein langsames Wachstum. Die Automatisierungsbranche blickt deutlich zuversichtlicher auf das kommende Jahr.
Für 2017 bleiben die Vorhersagen vorsichtig optimistisch, Experten erwarten ein langsames Wachstum. Die Automatisierungsbranche blickt deutlich zuversichtlicher auf das kommende Jahr.
(Bild: ABB)

Noch im November des ausgeklungenen Jahres hatte die deutsche Wirtschaft eine Rekordmeldung zu verkünden. In diesem Monat wurden von Deutschland Waren im Wert von 108,5 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 85,8 Mrd. Euro importiert. Das sei, verkündete das Statistische Bundesamt nüchtern, in beiden Fällen der bisher gemessene Höchstwert. Gegenüber dem Vorjahr waren die deutschen Exporte um 5,6 %, die Importe um 4,5 % höher. Noch im Dezember stiegen die Konjunkturbarometer des Ifo-Instituts, die Ifo-Exporterwartungen und der Ifo-Geschäftsklimaindex (letzterer sogar auf den höchsten Stand seit Februar 2012) und untermauerten damit die gute Stimmung der deutschen Wirtschaft.

Nach der IW-Verbandsumfrage 2017 erwarten 25 Wirtschaftsverbände für ihre Unternehmen etwas höheres Produktions- oder Geschäftsergebnis als im vergangenen Jahr. Drei Verbände rechnen mit einem wesentlich besseren Ergebnis. Zwölf Verbände glauben, dass sich nichts ändert, nur 8 Verbände sehen für 2017 ein etwas niedrigeres Ergebnis.
Nach der IW-Verbandsumfrage 2017 erwarten 25 Wirtschaftsverbände für ihre Unternehmen etwas höheres Produktions- oder Geschäftsergebnis als im vergangenen Jahr. Drei Verbände rechnen mit einem wesentlich besseren Ergebnis. Zwölf Verbände glauben, dass sich nichts ändert, nur 8 Verbände sehen für 2017 ein etwas niedrigeres Ergebnis.
(Bild: IW Medien GmbH)

Auch in vielen Wirtschaftsverbänden, so fand das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in seiner aktuellen Verbandsumfrage heraus, überwiegt der Optimismus für das noch junge Jahr. Gleichzeitig erklärte das Institut in seiner Herbstprognose, dass die wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit deutlich zugenommen habe. Trump, Brexit, schwächelnde Schwellenländer, die Verstimmung zwischen Russland und dem Westen, das alles drohe die europäische Wirtschaft zu lähmen, weil Investitionen aufgrund der in den Chefetagen der Unternehmen massiv gestiegenen Unsicherheit ausbleiben.

Branchenverband VDMA sieht viele Risiken

Carl Martin Welcker, der im November neu gewählte Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), sieht für 2017 eine Reihe von beträchtlichen Herausforderungen auf die Unternehmen seiner Branche zukommen. „Vor uns liegt ein spannendes und wichtiges Jahr, in dem politisch entscheidende Weichen gestellt werden“, stellte er auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in Frankfurt fest. Der designierte US-Präsident Donald Trump trete sein Amt an, Großbritannien wolle den Brexit offiziell erklären, und in Frankreich und Deutschland stünden die Wahlen von Staatspräsident und Bundestag an. All dies werde auch den Maschinen- und Anlagenbau beeinflussen – so wie bereits 2016 politische Unsicherheit, wirtschaftliche Krisen und Investitionszurückhaltung zu einem Nullwachstum in der deutschen Produktion von Maschinen und Anlagen geführt hätten.

Die Wachstumsschwäche ist kein rein deutsches Phänomen, denn auch der Weltumsatz mit Maschinen stagniert. Welcker beklagte: „Die Nachfrage nach Investitionsgütern ist weltweit gegenwärtig viel zu schwach, um auch nur ein geringes Wachstum generieren zu können.“ Für den Mangel an Dynamik gebe es mehrere Gründe. China stecke mitten in der Umstrukturierung; dadurch verlangsame sich das chinesische Wachstum weiter und noch dazu verlagerten sich die Wachstumskräfte von der Industrie zum Dienstleistungssektor und innerhalb der Industrie von Investitionsgütern zu Konsumgütern. Brasilien sei noch nicht wieder „in der Spur“ und vielen Ölförderländern habe der Verfall der Rohölpreise stark zugesetzt. Auch die Eurokrise wirke immer noch nach.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44423670)