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Konjunkturausblick 2017

Das Jahr der Herausforderung

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In den wichtigsten Märkten herrscht Unklarheit

Darüber hinaus gibt es zahlreiche geopolitische Risiken, wie beispielsweise den Russland-Ukraine-Konflikt, und durch den Brexit sowie den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen sind neue Risiken dazugekommen. Dennoch rechnen die VDMA-Volkswirte für 2017 mit einem leichten Wachstum. „Die Produktion sollte real um 1 % zulegen können – vor allem, weil die verschiedenen Belastungen aus einigen großen Entwicklungs- und Schwellenländern nachlassen“, meinte Welcker. Ein breit angelegter konjunktureller Aufschwung sehe allerdings anders aus, und echte Wachstumsimpulse seien nicht in Sicht. In den EU-Partnerländern ohne Großbritannien dürfte sich die leichte Erholung fortsetzen, was zumindest für eine gute Basis sorgen werde.

Für die anderen Märkte lässt sich dagegen eine recht uneinheitliche Entwicklung voraussagen. „Unklar ist der weitere Verlauf der Maschinenausfuhr in die beiden größten Auslandsmärkte USA und China“, gab Welcker zu bedenken. In den USA sei ungewiss, welchen Weg das Land nach dem Präsidentenwechsel einschlägt. Die Ankündigungen des kommenden US-Präsidenten zur Handelspolitik stimmten den VDMA nicht gerade optimistisch. In China gebe es nach wie vor zahlreiche Risiken, wie etwa Überkapazitäten und eine hohe Verschuldung, zum Beispiel im staatlichen Unter- nehmenssektor und in den Kommunen.

Eine nochmalige Minusrate bei den Exporten nach China sei daher nicht auszuschließen. Etwas anders sehe das Bild für die Unternehmen aus, die vor Ort vertreten sind und von lokalen Investitionsvorhaben besser profitieren können. Die aktuelle VDMA-Geschäftsklimaumfrage im November unter mehr als 100 Firmen in China habe ein aufgehelltes Stimmungsbild ergeben: Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der aktuellen Geschäftslage erreichte plus 18 Prozentpunkte – doppelt so hoch wie im Juni 2016.

Bei den Erwartungen für die nähere Zukunft sei die Stimmung sogar noch besser. Optimismus sei dort auch in stark investitionsabhängigen Maschinenbauzweigen spürbar – sicherlich getrieben durch die milliardenschweren Regierungsvorhaben wie die Entwicklung der „neuen Seidenstraße“.

Hoffnung auf positive Entwicklungen in den Schwellenländern

In Großbritannien muss dagegen mit Zurückhaltung bei den Investitionen gerechnet werden, bis endlich Klarheit hinsichtlich des Austritts aus der EU herrscht. Doch Welcker zeigte auch ermutigende Perspektiven auf: „Der größte positive Effekt ist von den Entwicklungs- und Schwellenländern – ohne China – zu erwarten.“ Die Maschinenexporte nach Russland seien bereits auf der Talsohle angelangt; hier könne man 2017 erstmals wieder auf ein kleines Plus hoffen, nachdem fast die Hälfte des Vorkrisenniveaus von 2012 eingebüßt wurde.

Die Lieferungen nach Brasilien könnten 2017 ihre Talsohle erreichen und die Ausfuhr nach Indien könne – nicht zuletzt wegen der Einführung einer bundeseinheitlichen Mehrwertsteuer – sogar wieder wachsen. Befriedigend seien solche konjunkturellen Perspektiven für die Exportbranche Maschinenbau unter dem Strich allerdings nicht.

Insbesondere die weltweit zunehmenden protektionistischen Tendenzen machen dem VDMA große Sorgen. Festzustellen seien diese Einstellungen neuerdings in den USA, in Lateinamerika und in Russland, aber auch in manchen europäischen Ländern. Welcker warnte eindringlich vor einer negativen Entwicklung der Maschinenbaukonjunktur: „In einer globalisierten Welt die Handelsschranken wieder aufzubauen, ist der falsche Weg, der am Ende alle zu Verlierern macht.“

Der VDMA könne nur davon abraten, das Rad der Globalisierung zurückzudrehen. In diesem Sinn setze der deutsche Maschinenbau 2017 zur Sicherung des Wachstums nicht zuletzt auf Schwellenländer, mit denen bislang noch kein intensiver Warenaustausch stattfinde – neue Märkte wie etwa Indonesien, Thailand und Malaysia.

Technologievorsprung sichert Zuwachs

Zu der Schwierigkeit, eine relativ verlässliche Konjunkturprognose zu erstellen, äußerte sich VDMA-­Chefvolkswirt Ralph Wiechers: „Uns ist der Konjunkturzyklus abhanden gekommen.“ Dieser für den Maschinen- und Anlagenbau charakteristische Zyklus mit typischen Ausschlägen nach oben wie nach unten – also der Wechsel von Auf- und Abschwung – sei praktisch außer Kraft gesetzt worden. Das habe in den Jahren 2008 und 2009 begonnen, als das Wachstum über Gebühr lange dauerte. In der Voraussage von 1 % Produktionszuwachs für 2017 steckten daher eine Menge Bauchgefühl, aber natürlich auch die Resultate diverser Indikatoren. Die 1 %-Prognose basiere auf der Annahme einer moderaten Wirtschaftsbewegung und der Notwendigkeit von Modernisierungen von Maschinenparks – nicht zuletzt im Zuge von Industrie 4.0.

Aufgrund des Technologievorsprungs rechnet sich VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann für den deutschen Maschinenbau durchaus Zuwachs­chancen in den USA aus. Er verwies darauf, dass der künftige Präsident Trump wieder mehr Produktion in den USA haben wolle und ein Investitionsprogramm plane. Dies bedeute, dass Betriebs- und Produktionsmittel auf dem Weltmarkt beschafft werden müssten. „Das führt eigentlich auch bei uns vorbei – da können wir helfen, da sind wir auch unterwegs“, betonte Brodtmann. Man müsse sehen, dass Protektionismus und Modernisierung nicht die zwei Seiten einer Medaille seien. Hier habe Trump eine eindeutige Entscheidung zu fällen, die maßgeblichen Einfluss auf die Konjunkturentwicklung des deutschen Maschinenbaus im Jahr 2017 haben könne.

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