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Konjunkturausblick 2017

Das Jahr der Herausforderung

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Automation erwartet für 2017 ein gutes Geschäftsjahr

Bereits auf der Automatisierungsmesse SPS IPC Drives im November 2016 legte der ZVEI-Fachverband Automation seine Prognose für das Jahr 2017 vor – und blickte voller Zuversicht darauf. „2017 wird ein gutes Jahr für die deutsche Automatisierungsbranche“, sagte der Fachverbands-Geschäftsführer Roland Bent. Dabei setzt der ZVEI vor allem auf Innovationen rund um Industrie 4.0, deren Umsetzung immer konkretere Formen annehme. Wachstumspotenzial sehe der ZVEI auch in der (Intra-)Logistik, der Infrastruktur und der Automobilindustrie. „Wir rechnen mit einem Wachstum von 3 bis 6 % in der Fabrikautomation und mit 0 bis 3 % in der Prozessautomatisierung“, so Bent.

Die konjunkturelle Entwicklung verläuft in der Eurozone, in den USA und in der Weltwirtschaft zwar unterschiedlich, aber unter dem Strich sei doch eine Beschleunigung des globalen Wachstums zu erwarten. Dies erklärte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der bundeseigenen KfW-Bankengruppe, im Rahmen eines Konjunkturausblicks in Frankfurt. Denn in den Schwellenländern werde die Investitionsgüternachfrage weiterhin sehr hoch bleiben. Dazu komme eine Verschiebung der US-Ausgaben hin zu mehr investiven Aufwendungen. Deutschland profitiere zusätzlich von dem Umstand, dass hierzulande stark in den Wohnungsbau investiert werde und auch die öffentlichen Investitionen erhöht würden. „Da auch der Euro in der Tendenz unter Druck steht, ist das ein Umfeld, wo ich jetzt den Maschinenbauern ein gutes Jahr 2017 prognostizieren würde“, betonte Zeuner.

KfW: Stabiler Aufschwung in Eurozone

Für die Eurozone sagt die KfW einen stabilen Aufschwung voraus, der sich jedoch in zu mäßigem Tempo vollziehen werde: Nach 1,6 % Wachstum im Jahr 2016 dürfte der Zuwachs für 2017 bei 1,5 % liegen. Zeuner formulierte auch Risiken: „Im Jahr 2017 folgen Parlamentswahlen in Frankreich und den Niederlanden, die auch in Kerneuropa eine zunehmende Präferenz für Abschottung und Protektionismus zum Ausdruck bringen könnten.“ Positiv für die weitere Konjunkturentwicklung wertete er, dass in der Eurozone neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und sich die Beschäftigungsquote nun fast wieder auf dem Rekordhoch von 2008 befindet. Dies sei bemerkenswert, denn immerhin habe die Wirtschafts- und Währungskrise die Investitionen in der EU hart getroffen und die realen Bruttoanlageinvestitionen lägen noch deutlich unter dem Vorkrisenhoch.

KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner: „Die deutsche Wirtschaft fährt auf gutem Kurs – doch der Ausblick auf 2017 gleicht der Fahrt in ein dichtes Nebelgebiet hinein, in dem das Schiff leicht vom Kurs abkommen kann.“
KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner: „Die deutsche Wirtschaft fährt auf gutem Kurs – doch der Ausblick auf 2017 gleicht der Fahrt in ein dichtes Nebelgebiet hinein, in dem das Schiff leicht vom Kurs abkommen kann.“
(Bild: KfW-Bildarchiv)

Auf die USA sieht Zeuner 2017 mehr Wachstum als 2016 zukommen, doch an einem „Trump-Bonus“ hegt er deutliche Zweifel. „Jenseits des Atlantiks stehen Anfang 2017 wichtige und wohl heftig umstrittene wirtschaftspolitische Richtungsentscheidungen an“, gab er zu bedenken. Fest stehe, dass die künftige US-Wirtschaftspolitik auf ein anderes Umfeld treffe als zu Beginn der 1980er-Jahre. Mit höheren Zinsen sei in den Vereinigten Staaten infolge von Inflation oder höherem Leistungsbilanzdefizit zu rechnen. Daher hänge nach der Präsidentenwahl das Damoklesschwert einer protektionistischeren US-Wirtschaft über der Exportnation Deutschland.

Der Welthandel, auf den der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sehr stark baut, ist nach Zeuners Worten ein Spiegelbild der Weltkonjunktur. Die Finanzierung für Schwellenländer werde schwieriger, weil sich die Refinanzierung der US-Dollar-Verschuldung verteuere. Für den Rest der 2010er-Jahre fehlten zudem die Sonderimpulse der 1990er und 2000er Dekaden. Dennoch gab sich Zeuner optimistisch: „Die Exporte sollten sich leicht erholen, nicht zuletzt weil wichtige Schwellenländer wie Brasilien und Russland die Rezession wohl hinter sich lassen können und ein Wachstumseinbruch in China aus unserer Sicht nicht zu erwarten ist.“

BDI rechnet mit mäßigem Wachstum

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) blickt weniger optimistisch auf das noch junge Jahr. So erwartet der Verband ein Wachstum für das Bruttoinlandsprodukt in der Europäischen Union unter 1,5 %, Grund dafür sei der sehr langsam wachsende Welthandel, der die exportorientierte europäische Wirschaft schwäche. Zwar würden die Arbeitslosenzahlen in Europa weiter zurückgehen, was vor allem den privaten Konsum ankurbele, doch würden Investitionen durch die globale Unsicherheit weiter gebremst.

Das Jahr 2017 wird damit, zusammengefasst, zum Jahr der Gegensätze: Einer starken Exportstatistik, einer Arbeitslosigkeit auf Rekordtief und der positiven Grundstimmung in vielen Unternehmen stehen populistische Strömungen in der Gesellschaft (und damit nicht kalkulierbare politische Auswirkungen) und unzählige Unwägbarkeiten auf internationaler Ebene gegenüber. 2017 ist das Jahr, in dem die Briten ihre Brexit-Pläne konkretisieren. 2017 ist das Jahr, in dem Donald Trump sein Amt antritt. Gewählt wird 2017 nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich. Es wird also, milde ausgedrückt, spannend. Es wird ein Jahr der Herausforderung. MM

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