Reform der Erbschaftsteuer Das Tauziehen ist vorbei, die Herausforderungen bleiben

Autor / Redakteur: Kay Klöpping / Robert Horn

Seit dem 14. Oktober ist klar, dass das jahrelange Hin und Her bei der Erbschaftsteuerreform zu Ende ist. Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe haben jetzt endlich wieder Rechtssicherheit. Die wichtigste Nachricht lautet: Es ist grundsätzlich weiterhin möglich, Betriebe so zu übergeben, dass wenig oder sogar überhaupt keine Erbschaftsteuer fällig wird. Das ist aber mitnichten ein Selbstläufer.

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(Bild: gemeinfrei/Unsplash / CC0 )

Mit dem neuen Gesetz stehen Unternehmer vor großen Herausforderungen, wenn es um die steuerliche Behandlung ihrer Nachfolgeregelung geht. Denn die Regelungen des neuen Erbschaft- und Schenkungssteuergesetzes, die rückwirkend seit dem 1. Juli 2016 gelten, sind komplex. Unternehmer sollten daher – auch wenn akut noch keine Betriebsübergabe ansteht – in Abstimmung mit ihren Beratern bereits jetzt die Struktur ihres Betriebsvermögens überprüfen und berechnen, welche potentielle Belastung auf sie im Fall einer Übertragung zukommen könnte. Die schlechte Nachricht ist: In vielen Fällen wird es mit dem neuen Gesetz zu einer nennenswert höheren Steuerbelastung kommen – daran ändert auch die Tatsache wenig, dass es weiterhin eine sehr weitgehende Steuerbegünstigung gibt. In vielen Fällen dürfte es aber gelingen, steuerliche Belastungen zu reduzieren, indem Vermögen umgeschichtet, anders zugeordnet oder auch der Gesellschaftsvertrag geändert wird.

Vielfältige Ausnahmetatbestände

Gerade die vielfältigen Ausnahmetatbestände der Reform machen deutlich, wie aufwändig es auch in Zukunft sein wird, ein Unternehmen an die nächste Generation zu übertragen. Die gestiegenen Herausforderungen zeigen sich zum Beispiel beim Punkt Verwaltungsvermögen, etwa an Dritte vermietete Grundstücke oder Wertpapiere: Um Missbrauch zu vermeiden hat der Vermittlungsausschuss die Definition des Verwaltungsvermögens um weitere Freizeit- und Luxusgegenstände wie etwa Yachten, Oldtimer, Segelflugzeuge und Briefmarkensammlungen erweitert. Es ist also nicht mehr möglich, diese Wertgegenstände steuerfrei an die eigene Firma und diese dann an die nächste Generation zu übertragen, es sei denn diese sind Gegenstand eines Handelsunternehmens. Solche Details müssen bei der Betriebsübergabe unbedingt berücksichtigt werden.

Wesentliche Änderungen bei der Berechnung des Verwaltungsvermögens

Die %uale Grenze ist ein Bestandteil der wesentlichen Änderung bei der Berechnung des Verwaltungsvermögens: Dieses wird künftig nicht mehr für jede Gesellschaft innerhalb einer Unternehmensgruppe, sondern als Verwaltungsvermögensquote über die gesamte Unternehmensgruppe einschließlich aller Tochtergesellschaften ermittelt. Die hundert%ige Freistellung gibt es bereits, wenn die Verwaltungsvermögensquote unter 20 % liegt.

Wenn das Nettoverwaltungsvermögen über 10 % liegt, muss es in der überschießenden Höhe versteuert werden. In diesem Fall wird die Freistellung nur für das restliche Betriebsvermögen gewährt. Der Begriff Freistellung bezieht sich also künftig in vielen Fällen nur auf das begünstigte Betriebsvermögen, nicht mehr auf das gesamte Vermögen. Liegt der Anteil des Verwaltungsvermögens über 90 % ist die Begünstigung insgesamt ausgeschlossen.

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