Vertrieb Das Ultraniedrigpreis-Segment keinesfalls ignorieren oder vernachlässigen

Autor / Redakteur: Claudia Otto / Claudia Otto

Wie deutsche Unternehmen gegen asiatische Konkurrenten in der Massenproduktion bestehen können, erklärt Prof. Hermann Simon im Interview mit MM Maschinenmarkt Online. Der Gründer und Chairman des Beratung Simon-Kucher & Partners, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, spricht außerdem über zukünftige Herausforderungen für die deutsche Industrie und verrät die für ihn eindrucksvollsten Unternehmer.

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Prof. Hermann Simon, Gründer und Chairman von Simon-Kucher & Partners: „In technologischer Hinsicht liegen die größten Herausforderungen im Bereich Energie und Umwelt.“ Bild: Otto
Prof. Hermann Simon, Gründer und Chairman von Simon-Kucher & Partners: „In technologischer Hinsicht liegen die größten Herausforderungen im Bereich Energie und Umwelt.“ Bild: Otto
( Archiv: Vogel Business Media )

Herr Prof. Simon, was ist die wichtigste Entwicklung, die von der deutschen Industrie in den vergangenen 25 Jahren gemeistert wurde?

Simon: Ohne Zweifel die Globalisierung. Der zweite Weltkrieg hat die deutsche Industrie auf Null zurückgeworfen. Die Globalisierung begann ernsthaft erst in den achtziger Jahren. Der Pro Kopf-Export in der Welt ist heute fünf Mal so hoch wie 1980.

Ein eindrucksvoller Beleg ist der Vergleich der Pro Kopf-Exporte nach Ländern. Ein solcher Vergleich macht nur für Länder ähnlicher Größenordnung Sinn. Deshalb sind in der Grafik (siehe Bildergalerie) nur die Länder mit über 50 Mio. Einwohnern einbezogen. Die Grafik sagt alles und bedarf keiner weiteren Erläuterungen.

Deutschland ragt weit heraus. Globalisierung beschränkt sich natürlich nicht auf den Export. Auch in der internationalen Präsenz mit eigenen Tochtergesellschaften und Niederlassungen spielen deutsche Unternehmen ganz vorne mit.

Die deutsche Industrie hat viele weitere große Leistungen vollbracht, ich denke beispielsweise an die alternativen Energien. Aber insgesamt halte ich die Globalisierung für die größte Leistung der vergangenen 25 Jahre.

Was sind für Sie die imponierendsten Unternehmen und Unternehmer der vergangenen 25 Jahre?

Simon: Es gibt viele herausragende Unternehmer in Deutschland, insofern fällt es schwer, einzelne Namen zu nennen. Sicherlich gehören zu den herausragenden Unternehmern die Gründer des Softwareunternehmens SAP, Dietmar Hopp und Hasso Plattner, dann Reinhold Würth, die Gebrüder Albrecht, Jürgen Heraeus und Peter Zinkann von der Firma Miele. Unter den Maschinenbauern würde ich Berthold Leibinger von Trumpf, Alois Wobben von Enercon und Hans-Peter Stihl besonders hervorheben.

Wie können deutsche Unternehmen gegen asiatische Konkurrenten in der Massenproduktion bestehen?

Simon: Einer der wichtigsten Trends im globalen Kontext besteht in der Entwicklung eines Ultraniedrigpreis-Segmentes. Der Tata Nano ist nur die Spitze des Eisbergs. Dieses Segment wächst stark und wird gigantisch groß, so dass deutsche Unternehmen es auf keinen Fall ignorieren oder vernachlässigen dürfen.

Bestehen kann man in diesem Segment ausschließlich mit Produkten, die in den jeweiligen Schwellenländern nicht nur produziert, sondern auch entwickelt werden. Dies müssen radikal vereinfachte, extrem billig herzustellende Produkte sein. Das können unsere Ingenieure in Deutschland nicht.

Doch deutsche Firmen beweisen, dass sie in diesem Spiel mithalten können. So gibt es für die Komponenten im Tata Nano neun deutsche Zulieferer. Bosch ist dabei der mit Abstand größte. Doch der Beweis, dass man bei solch niedrigen Preisen auch Geld verdienen kann, muss noch geliefert werden.

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