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VDMA und Impuls-Stiftung

Debatte um Akademisierungswahn

| Redakteur: Frank Jablonski

Das Aufblähen des akademischen Sektors wie es beispielsweise in Großbritannien betrieben wurde, ist nicht sinnvoll!“ Mit diesem Statement von Prof. Julian Nida-Rümelin, Philosoph und Kulturstaatsminister im ersten Kabinett Schröder, startete das innovationspolitische Kamingespräch von VDMA und der Impuls-Stiftung am Montagabend in Berlin.

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Rege Diskussion in Berlin zur Frage nach dem richtigen Qualifikationsmix in Deutschland: (vlnr) Andreas Scheider (Trumpf), Patricia Lips (MdB), Hartmut Rauen (VDMA), Prof. Michael Hüther (IdW), Dr. Manfred Wittenstein (Impuls-Stiftung)
Rege Diskussion in Berlin zur Frage nach dem richtigen Qualifikationsmix in Deutschland: (vlnr) Andreas Scheider (Trumpf), Patricia Lips (MdB), Hartmut Rauen (VDMA), Prof. Michael Hüther (IdW), Dr. Manfred Wittenstein (Impuls-Stiftung)
(Michael Gottschalk/photothek.net)

Nida-Rümelin beklagte in den Räumen des ehemaligen Politbüros in Berlin das Defizit von Fachkräften, das auf etwa vier Millionen geschätzt werde und betonte, dass es sich manche zu einfach machten, indem sie den Überhang von eine Million Studierenden gegenrechnen würden.

Als Bildungsabsteiger diffamiert

In der folgenden Diskussion erklärte Hartmut Rauen, Moderator der Runde aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, sowie Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung: „Wer Facharbeiter mit Akademikereltern als Bildungsabsteiger diffamiert, handelt verantwortungslos gegenüber den jungen Menschen und ohne Verständnis für die Grundlagen von Wertschöpfung in unserem Land.“ Internationalen Benchmarks beim Akademisierungsgrad nachzulaufen, sei eine Chimäre.

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„Die Gleichung mehr Akademiker gleich mehr Wohlstand ist falsch“, unterstrich Rauen. „Es ist das Miteinander von Facharbeitern und Akademikern, das uns in Deutschland stark macht.“ Eine Position, der die meisten an diesem Abend zustimmen konnten.

Einen Mentalitätswandel der Politik fordert der Ausbildung-Chef bei Trumpf, Andreas Schneider: „Nicht wie bisher: Jeder Auszubildende muss einen Platz bekommen, sondern das Ziel muss lauten: Jeder freie Ausbildungsplatz muss besetzt werden können!“ Zudem sei es an der Zeit, dass die OECD in ihren Arbeiten das Duale System aufnehme. Nicht die einzigen kritischen Töne an diesem Abend.

Arroganz, die zurückschlägt

Auch eine Portion Selbstkritik wurde laut, wie vom Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Prof. Michael Hüther. Es habe eine Zeit gegeben, als der Volksschüler nicht als Facharbeiter akzeptiert wurde. Somit sei auch die Industrie selbst Teil des Problems. „Das ist eine Arroganz, die jetzt zurückschlägt.“

Was an diesem Abend jedoch alle Teilnehmer eint, ist der Wille die Situation trotz schwieriger werdender Bedingungen zu verbessern. Ein hehres Ziel, denn die Ansatzpunkte reichen vom spielerischen Heranführen schon von Drittklässlern an die Berufswelt über grundlegende Änderungen am Schulsystem bis hin zu internationalen Kampagnen zur Erklärung des Dualen Systems, das es in dieser Form nur in den deutschsprachigen Ländern gibt.

Auf den Punkt bringt es Dr. Manfred Wittenstein: „Facharbeiter brauchen ein besseres Image, das Image bei uns ist ruiniert.“

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