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Unternehmenssoftware

Der andere Weg

28.09.2006 | Redakteur:

Warum sich für die Produktionsstrukturen von Einzelfertigern die meisten ERP-Systeme nur wenig eignen.

Eine Liebe fürs Leben entwickelt sich selten zwischen Maschinen- und Anlagenbauern und ihren Enterprise-Resource-Planning-Systemen (ERP). Der wesentliche Grund dafür ist, dass die Standards der gängigen Angebote sich an den Belangen der Serienfertigung orientieren. Die Karten der Anlagenbauer sind jedoch ganz anders gemischt, weil sie vor allem Unikate produzieren. Während ihre Kollegen von der Serienfertigung von Anfang an mit einem fest definierten Umfang an Produktionsinformationen planen können, haben Einzelfertiger zunächst einmal nur ein mehr oder weniger konkretes Bündel an Kundenanforderungen zur Hand.

Somit verfolgen Serien- und Auftragsfertiger unterschiedliche Ziele. Während erstere ihre Produktion – also beispielsweise die Maschinenbelegung, die Rüstzeiten oder die Lagerhaltung – optimieren wollen, streben Anlagenbauer in erster Linie die sichere Kontrolle und Steuerung ihrer Projekte an. Entscheidend ist eine ebenso frühzeitige wie präzise Kalkulation von Zeiten und Kosten. Wenn aber 90% des Bedarfsmaterials erst durch den Auftrag entstehen, ergibt sich ein Zeitproblem: Denn herkömmliche ERP-Systeme verlangen zunächst die Anlage kompletter Stammdatensätze und Stücklisten, bevor ein Material Resource Planning (MRP) starten kann.

Wachsende Stücklisten

Weil sich der exakte Teilebedarf bei der Konstruktion komplexer Anlagen und Maschinen aber erst im Projekt selbst herausstellt, wachsen die Stücklisten erst nach und nach heran. Damit Fertigung und Auslieferung trotzdem termingemäß ablaufen, führen Anlagenbauer ihre gesamten Ressourcenplanungen in der Regel auf Excel- oder Access-Basis durch. Diese Strategie der Insellösungen behindert aber den unternehmensweiten Datenaustausch. Die erforderliche Mehrfacherfassung führt zu erheblichem Zusatzaufwand und einer deutlichen Verzögerung der Durchlaufzeiten.

Projektverlauf sowie Kostenstrukturen bleiben entsprechend lange im Dunkeln. Damit Maschinen- und Anlagenbauer schnell und wirtschaftlich zu aussagekräftigen Planungen und Kalkulationen kommen, brauchen sie Managementsysteme, mit denen sie unabhängig von vordefinierten Stücklisten und Arbeitsplänen arbeiten können. Auch Inventurbestände, Lieferantenstämme und exakte technische Details, die viele ERP-Systeme zur Anlage neuer Teilenummern verlangen, sind für Projektplanungen nicht unbedingt erforderlich. Im Gegensatz dazu sollte eine auf die Belange von Maschinenbauern spezialisierte Lösung ein integriertes Grobplanungssystem enthalten.

Dieses errechnet die künftige Auslastungssituation aus den bestehenden Aufträgen, bezieht Konstruktion und Beschaffung mit in die Planung ein und erstellt daraus prognosefähige Angebote. Ressourcenengpässe werden frühzeitig sichtbar, auch wenn gerade in den frühen Projektphasen erst wenige präzise Produktinformationen vorliegen. Daraus folgen planungssichere Angebote, die dem Vertrieb frühzeitig und qualifiziert Auskunft geben. Schließlich erhöht sich die Transparenz im Unternehmen - unter anderem deshalb, weil das spezialisierte ERP-System nicht mehr Tausende von Teilenummern mitschleppen muss.

Damit bereits angelaufene Projekte auch bei einem Wechsel von Vorgaben integriert steuerbar bleiben, sollten ERP-Systeme individuell konfigurierbare Projektsichten bieten. Anhand von Balkendiagrammen lassen sich sämtliche Aktivitäten vom Beginn der Produktion bis zum fertigen Endprodukt durchgängig managen. Zu jeder Zeit müssen Terminänderungen sowie Produktionsteilungen erfolgen können. Dazu sollte sich die Projektstruktur auf der Ebene der einzelnen Funktions- und Baugruppen schrittweise definieren lassen. Auch Baugruppen, die die Konstrukteure noch kurz vor der Montage neu ins Produktionsprogramm aufnehmen, dürfen den Zeitplan nicht gefährden.

Integrierter Produktgenerator

Flexibilität müssen anlagenbauspezifische ERP-Systeme auch beweisen, wenn es darum geht, Produkte und Varianten zu konfigurieren. Zu diesem Zweck sollte ein integrierter Produkt- und Variantengenerator die Preisfindung und das Erstellen von Stücklisten und Arbeitsplänen unterstützen. Intelligente Produkt- und Variantengeneratoren greifen dabei auf eine Wissensdatenbank zu, über die sich Tabellen, Formeln und Texte zur Produktkonfiguration und -beschreibung in Angebot und Auftrag rasch erstellen lassen.

Um die Beschreibungen frei editieren und direkt wieder in der Datenbank abspeichern zu können, sollte eine Integration mit Textverarbeitungsprogrammen wie Word vorhanden sein.Auf diese Weise kann der Vertrieb bereits in der Angebotsphase variantenreiche Produkte kalkulieren und beschreiben. Andererseits lassen sich auch die Fertigungsprozesse schneller anstoßen, weil die dazu erforderlichen Informationen ja bereits erfasst sind. Insgesamt trägt ein integrierter Produkt- und Variantengenerator entscheidend dazu bei, Durchlaufzeiten zu senken und den Time-to-Market zu verkürzen. Die Fertigung von Maschinen und Anlagen zeichnet sich immer häufiger durch einen hohen Anteil an Fremdvergaben aus. Vielfach kommen komplexe internationale Zuliefernetzwerke ins Spiel.

Dann gilt es, mehrstufige Lieferantenketten beliebig tief zu staffeln und mit möglichst vielen Freiheitsgraden zu strukturieren; denn im Extremfall organisieren sich einige Unternehmen bereits dahin gehend, dass sie nur noch den Vertrieb und das Engineering innerbetrieblich ausführen. Die betriebliche Informationstechnik sollte ein auftragsbezogenes Outsourcing von Komponenten, Baugruppen und Arbeitsschritten gestatten. Dabei muss sie auch den Prozess unterstützen, das Material aus eigenen Beständen den Lieferanten beizustellen. Diese Materialbeistellung ermöglicht die direkte Anlieferung durch den Fremdfertiger an den Kunden, wenn sich dies aus geografischen oder logistischen Gründen empfiehlt.

Bei großen Anlagen wie einer Mälzerei beläuft sich das Transportvolumen schnell auf 150 Lkw-Ladungen. Damit nicht der Überblick verloren geht, müssen sich die Versandstrukturen unabhängig von den Auftrags- und Stücklistenstrukturen abbilden lassen. Dabei ordnet die Versandabteilung allen Auftrags- und Stücklistenpositionen frei wählbare Lieferblöcke wie Container, Paletten und Kisten zu. Die zu versendenden Bauteile können zum Beispiel mit Barcodes ausgestattet sein, so dass Funkterminals dem ERP-System aktuelle Informationen zusenden. Versand und Montage können darüber Auskunft geben, wo sich welches Bauteil gerade befindet.

Niedrigere Gesamtkosten

Auftragsfertigerspezifische Software zeichnet sich auch durch niedrigere Gesamtkosten aus. Zusatzprogrammierungen entfallen. Anbieter von spezialisierten ERP-Lösungen haben mehr Standards im Programm und haben mehr Kenntnis über branchenspezifische Produktionsprozesse. Es entstehen transparente, dynamische und schlanke Organisationen. Erst auf dieser Basis können Planungen mit Hilfe integrierter ERP-Funktionen das Projektrisiko minimieren. Bei Laufzeiten von mehreren Jahren und Investitionsbeträgen in mehrstelliger Millionenhöhe haben gerade daran Anlagen- und Maschinenbauer ein hohes Interesse.

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